Junger Spinat mit sattgrünen Blättern im Frühlingsbeet

Spinat anbauen: Frühling und Herbst optimal nutzen

· 5 Min. Lesezeit

Ich habe Spinat jahrelang nur im Tiefkühlfach gekannt. Die grünen Klumpen aus der Packung, aufgetaut in der Pfanne, mit Muskat – das war Spinat für mich. Dann habe ich im März meines ersten Gartenjahres einfach mal ein Päckchen Spinatsamen ins Beet gestreut, etwas geharkt, gegossen, und drei Wochen später stand da junger, zarter, knallgrüner Spinat. Ich habe die Blätter roh aus dem Beet gegessen, direkt, ohne Muskat.

Das war ein kleines Geschmackserlebnis. Frischer Spinat schmeckt nussig, leicht erdig, gar nicht nach dem matschigen Tiefkühlzeug. Seitdem baue ich ihn jedes Jahr an – im Frühjahr und im Herbst.

Das Geheimnis beim Spinat: Man muss wissen, wann man ihn anbaut. Sommer? Vergiss es. Er schosst sofort. Aber im richtigen Zeitfenster ist Spinat das unkomplizierteste Blattgemüse, das ich kenne.

Warum Spinat im Sommer nicht funktioniert

Das ist die wichtigste Sache beim Spinat, und sie wird oft nicht klar erklärt. Spinat schosst bei langen Tagen und Wärme. Das heißt: Er bildet einen hohen Blütenstiel, die Blätter werden klein und bitter, und die ganze Pflanze ist wertlos als Gemüse.

Ab etwa Mitte Juni, wenn die Tage länger als 14 Stunden sind und die Temperaturen über 20 Grad klettern, schosst normaler Spinat innerhalb von wenigen Tagen. Das ist keine Krankheit, das ist Biologie – er will Samen bilden, bevor es zu heiß wird.

Deshalb gibt es für Spinat zwei Hauptsaisons: Frühjahr und Herbst. Wenn die Tage kürzer werden und die Temperaturen moderat sind, wächst er wunderbar und schosst nicht. Das ist das Zeitfenster, das wir nutzen.

Wer im Sommer Blattgemüse will, sollte auf Mangold, Neuseeländer Spinat oder Gartenmelde wechseln – die schossen nicht und sind viel hitzetoleranter. Dazu vielleicht ein anderes Mal mehr.

Die richtigen Aussaatzeiten

Für Frühjahresspinats beginne ich ab Mitte März. Sobald der Boden nicht mehr gefroren ist und sich auf etwa 5–7 Grad erwärmt hat, kann er raus. Spinat verträgt leichte Minusgrade, das ist ein echter Vorteil. Ich nutze das aus und fange früh an.

Die letzte sinnvolle Frühjahrsaussaat ist Ende April, Anfang Mai. Alles danach schosst zu schnell. Wer trotzdem gerne in Staffeln sät, macht das alle zwei Wochen von Mitte März bis Mitte April.

Für Herbstspinats beginne ich Anfang August. Manche sagen Ende Juli – das hängt von der Region ab. Im Schwarzwald starte ich lieber August, weil es bei uns länger warm bleibt. Die letzte sinnvolle Aussaat ist Anfang September. Danach wird es zu dunkel und kalt, und der Spinat kommt kaum noch auf Touren.

Herbstspinach überwintert manchmal sogar! Wenn der erste Frost kommt, wird er etwas lappig, aber er überlebt milde Winter und treibt dann im März wieder aus. Das ist einer meiner Lieblingstricks: Im Herbst noch schnell säen, mit Vlies abdecken, und im frühen Frühling hat man die ersten grünen Blätter fast ohne Aufwand.

Sorten – welche empfehle ich?

Es gibt nicht riesig viele Spinatsorten, aber die Unterschiede sind trotzdem relevant.

‘Matador’ ist der Klassiker. Robust, ertragsreich, gutes Aroma. Für Frühjahr und Herbst gleichermaßen geeignet. Wenn ich nur eine Sorte empfehlen dürfte, wäre es diese.

‘Monstrueux de Viroflay’ hat riesige, fleischige Blätter – toll für die Küche, aber etwas schneller schossend. Ich verwende ihn für Frühjahrsaussaat.

‘Emilia F1’ ist eine moderne Züchtung, besonders schossresistent. Gut für jemanden, der etwas später aussät oder in einem wärmeren Klima gärtnert.

Neuseeländer Spinat (Tetragonia tetragonioides) ist botanisch kein echter Spinat, aber er schmeckt ähnlich und schosst gar nicht. Perfekt für den Hochsommer. Ich baue ihn als Lückenfüller an, wenn der echte Spinat weg ist. Wärmer aussäen (ab Mitte Mai), er mag keine Kälte.

Perpetual Spinach / Ewiger Spinat ist eigentlich ein Mangold, wird aber wie Spinat verwendet. Sehr ausdauernd, bleibt den ganzen Sommer über produktiv. Empfehle ich für faule Gärtner – einmal pflanzen, monatelang ernten.

Aussaat und Bodenentwicklung

Spinat wird direkt ins Beet gesät, kein Vorziehen nötig. Das Saatbett sollte fein, locker und gut feucht sein. Ich harke das Beet gut durch, ziehe mit dem Fingerknöchel flache Rillen von etwa 2 cm Tiefe, und streue die Samen im Abstand von etwa 3–5 cm.

Dann Erde drüber, leicht andrücken, gießen. Nicht zu tief – Spinat ist ein Lichtkeimer, er braucht Helligkeit zum Keimen. Die Saat keimt bei 7–15 Grad nach einer Woche. Bei wärmerem Boden noch schneller.

Wenn die Jungpflanzen 5–6 cm hoch sind, vereinzle ich auf etwa 10–15 cm Abstand. Die herausgezupften Pflänzchen esse ich gleich im Salat – Spinatkeiminge sind delikat.

Das Beet vorzubereiten ist bei Spinat wirklich lohnenswert. Humusreicher Boden mit leicht basischem pH (6,5–7) ist ideal. Ich arbeite im Herbst Kompost ein und habe im Frühjahr beste Voraussetzungen. Mehr dazu im Beitrag über Kompost anlegen.

Pflege und Bewässerung

Spinat braucht gleichmäßige Feuchtigkeit. Trockenstress beschleunigt das Schossen enorm. Ich gieße regelmäßig, aber nicht zu viel – Staunässe mag er gar nicht.

Unkrautjäten ist in der Jungpflanzenphase wichtig. Spinat wächst zunächst langsam und wird schnell von Unkraut überwuchert. Sobald er sich etabliert hat und die Blätter sich schließen, reguliert er sich selbst.

Düngen ist bei gut vorbereiteter Erde kaum nötig. Wenn die Blätter auffällig hell-grün oder gelblich wirken, gebe ich etwas Stickstoffdünger – Brennnesselsud oder flüssigen Bio-Dünger. Ein- bis zweimal in der Saison reicht.

Schädlinge sind beim Spinat selten ein großes Problem. Manchmal Blattläuse, die ich mit einem starken Wasserstrahl abspritze. Manchmal Erdflöhe an den Jungpflanzen – das erkenne ich an kleinen Löchern in den Blättern. Vliesabdeckung direkt nach der Aussaat verhindert das meist. Weitere Tipps unter Schädlinge natürlich bekämpfen.

Ernte – der schönste Moment

Spinat erntet man, wenn die Blätter groß genug sind. Das ist frühestens vier bis fünf Wochen nach der Aussaat. Bei Babyblättern sogar schon nach drei Wochen – die sind zart und perfekt für Salate.

Ich ernte immer die äußeren, älteren Blätter zuerst und lasse das Herzblatt stehen. So wächst die Pflanze weiter und liefert über zwei bis drei Wochen kontinuierlich. Bei Frühjahrsspinach ist das Fenster kürzer, weil er bei wärmer werdendem Wetter schnell schosst. Bei Herbstspinach kann das Erntefenster deutlich länger sein.

Für Kochen nehme ich größere Blätter. Für Salat lieber die kleinen, zarten Jungblätter. Frischer Spinat hält im Kühlschrank zwei bis drei Tage, aber am besten sofort essen.

Spinat als Zwischenfrucht und Vorkultur

Spinat ist schnell weg und hinterlässt lockeren, guten Boden. Das macht ihn ideal als Vorkultur vor Sommergemüse. Ich baue im April Spinat an, ernte ihn bis Mitte Mai, und pflanze dann die Tomatenjungpflanzen nach – perfektes Timing.

Außerdem ist Spinat ein guter Lückenfüller neben langsam wachsenden Kulturen wie Kohlrabi oder zwischen noch nicht ausgewachsenen Pflanzen. Er nutzt Platz, der sonst brach liegt. Eine Idee, die im Beitrag zur Mischkultur planen noch weiter ausgeführt wird.


Häufige Fragen zum Spinat anbauen

Warum schosst mein Spinat sofort? Wahrscheinlich ist die Aussaat zu spät im Frühjahr oder zu früh im Sommer. Jede Aussaat nach Anfang Mai ist riskant. Außerdem schossen manche ältere Sorten schneller als neuere, schossresistente Züchtungen. ‘Emilia F1’ ist eine gute Alternative, wenn man öfter Probleme damit hat.

Kann ich Spinat auch im Topf anbauen? Ja, es geht, aber Spinat braucht Tiefe und viel Wasser. Töpfe mit mindestens 25 cm Tiefe und ausreichend Volumen nehmen. Häufiger gießen als im Beet. Schnittsalat oder Pflücksalat ist für Töpfe und Balkonkästen etwas praktischer.

Ist frischer Spinat gesünder als tiefgefrorener? Frischer Spinat enthält direkt nach der Ernte etwas mehr Vitamin C. Tiefgekühlter Spinat ist aber ebenfalls sehr nährstoffreich, da er direkt nach der Ernte blanchiert und eingefroren wird. Für mich ist der Unterschied vor allem geschmacklich – frisch ist einfach besser.

Was mache ich mit zu viel Spinat auf einmal? Blanchieren und einfrieren. Spinat kurz in kochendes Wasser, dann sofort in Eiswasser, abtropfen, in Portionen einfrieren. So hält er Monate und ist bereit für Suppen, Aufläufe oder Smoothies.

Kann ich Spinat nach den Eisheiligen noch säen? Im Frühling: Nein, dann schosst er zu schnell. Die Herbstaussaat ab Anfang August ist dann die nächste Chance. Wer im Frühsommer Blattgemüse will, sollte zu Mangold oder Neuseeländer Spinat greifen – die halten Hitze und lange Tage viel besser aus.