Selbst im Dezember lässt sich mitten im Schnee noch Salat ernten. Unter einer dünnen Schneedecke liegen dann dunkelgrüne, kompakte Blattrosetten im Boden - frisch, knackig, unbeschädigt.
Wer Feldsalat bisher nur als Supermarktware kennt, die abgepackten Tüten mit dem faden Zeug, das nach zwei Tagen schon welk wird, wird überrascht sein: Selbst angebaut ist Feldsalat etwas völlig anderes: intensiver im Geschmack, robuster, und hält im Kühlschrank eine Woche problemlos.
Feldsalat ist deshalb ein fester Bestandteil vieler Wintergärten. Er schließt die Lücke, wenn alles andere längst abgeerntet ist. Er braucht kaum Pflege. Er übersteht Frost. Und er zeigt, dass ein Garten nie wirklich schläft - wenn die richtigen Pflanzen angebaut werden.
Warum Feldsalat der einfachste Wintersalat ist
Feldsalat (botanisch Valerianella locusta) gehört zu den härtesten Salatpflanzen, die es gibt. Er ist keine Züchtung, die auf Winterhärte hin optimiert wurde - er wächst in Europa wild auf Feldern und Wegen, und zwar genau dann, wenn alles andere längst erfroren ist.
Was macht ihn so besonders?
Erstens verträgt er Frost bis minus 15 Grad, wenn er schon gut eingewurzelt ist. Ein junges, kleines Pflänzchen ist empfindlicher, aber eine gut entwickelte Rosette hält wirklich fast alles aus. Selbst nach einem Frost liegt sie morgens flach am Boden und steht abends schon wieder aufrecht - das nennt man Revitalisierung und sieht jedes Mal ein bisschen wie ein kleines Wunder aus.
Zweitens schießt Feldsalat im Gegensatz zu anderen Salaten nicht so schnell in die Blüte. Das ist ein großer Vorteil: Kopfsalat, der im Herbst zu spät geerntet wird, schießt innerhalb von Tagen und wird bitter und ungenießbar. Feldsalat bleibt wochenlang erntebar, ohne sich zu verabschieden.
Drittens wächst er auch bei wenig Licht. Die kurzen, trüben Wintertage sind kein Problem für ihn.
Aussaat im Sommer und Herbst: zwei Erntefenster
Feldsalat lässt sich in zwei verschiedenen Zeitfenstern aussäen, die zu ganz unterschiedlichen Erntezeiträumen führen.
Frühe Aussaat im August: Wer Mitte bis Ende August sät, hat im Oktober und November seine erste Ernte. Die Pflanzen wachsen noch in der Restwärme des Sommers schnell, bilden kräftige Rosetten und sind erntefähig, bevor es richtig kalt wird. Diese Aussaat empfiehlt sich besonders, weil die Pflanzen zu diesem Zeitpunkt groß und ertragreich werden.
Späte Aussaat im September: Wer bis Ende September aussät, hat kleinere Pflanzen, die in den Winter gehen. Diese überwintern im Boden und können ab Dezember, Januar und Februar geerntet werden - oder sie schießen früh im März durch und liefern die allererste Frühlingsernte. Diese Methode erfordert in rauen Lagen etwas Frostschutz (Vlies oder Fichtenreisig über das Beet), liefert dafür aber Salat, wenn er am meisten fehlt. Wie Sie die Aussaattermine für eine Ernte von November bis Februar staffeln und die Pflanzen durch den Frost bringen, zeigt der Ratgeber zum Feldsalat-Anbau im Winter.
Beide Aussaaten lassen sich kombinieren: die erste Anfang August für die Herbsternte, die zweite Anfang September für die Wintersaison. So gibt es von Oktober bis März kontinuierlich frischen Salat - das klingt fantastisch, funktioniert aber tatsächlich zuverlässig.
Aussaat: Dicht säen, kaum verdünnen
Die Aussaat von Feldsalat ist minimal aufwendig. Ziehen Sie eine Rille von etwa einem Zentimeter Tiefe, streuen Sie die kleinen Samen direkt hinein und decken Sie sie locker mit Erde ab. Keine Genauigkeit erforderlich, kein Abmessen.
Die Samen keimen schnell, wenn der Boden noch warm ist - nach vier bis sechs Tagen sieht man die ersten winzigen Keimlinge. Bei kühlerem Boden dauert es bis zu zwei Wochen.
Feldsalat wird im Gegensatz zu vielen anderen Gemüsen nicht auf große Abstände vereinzelt. Lassen Sie ihn dicht stehen: etwa 5–10 cm zwischen den Pflänzchen. Das klingt eng, aber so wächst er teppichähnlich, das Unkraut hat weniger Chance und die kleinen Rosetten stützen sich gegenseitig.
Ein häufiger Fehler: Die Samen zu tief säen. Zu tief liegende Samen leiden unter Kälte, Nässe und Luftmangel und laufen schlecht auf. Bedecken Sie die Samen höchstens mit der dreifachen Samenstärke an Erde, bei Feldsalat also etwa einen Zentimeter, und drücken Sie die Erde leicht an.
Für eine gute Keimung ist ausreichend Feuchtigkeit entscheidend. Gießen Sie das Beet in trockenen Augustwochen täglich morgens - aber sanft, damit die kleinen Samen nicht weggespült werden.
Pflege: Kaum Arbeit nötig
Das ist wirklich das Schönste an Feldsalat: Er braucht praktisch keine Pflege.
Entfernen Sie nach der Keimung Unkraut, das zwischen den Pflänzchen wächst - das ist in den ersten drei Wochen die Hauptarbeit. Sobald der Feldsalat dicht geschlossen ist, verdrängt er das Unkraut von selbst. Ein dichter Feldsalatteppich lässt kaum Licht durch, sodass Unkrautsamen gar nicht erst keimen.
Gießen: Im August und September bei Trockenheit regelmäßig wässern. Sobald es kühler und feuchter wird, ist kaum noch Gießen nötig.
Düngen: Nicht nötig. Feldsalat wächst auch auf mageren Böden und braucht keine Extranährstoffe. Zu viel Stickstoff macht die Blätter größer, aber auch weicher und anfälliger für Pilzkrankheiten.
Frostschutz: Für die Herbstaussaat (August) ist kein Schutz nötig - die Pflanzen sind groß genug, um Frost selbst zu überstehen. Schützen Sie die spätere Septemberaussaat ab November bei starkem Frost mit einem Vlies oder Reisig. Das verhindert nicht nur Frostschäden, sondern hält auch den Boden etwas wärmer und verlängert die Wachstumszeit.
Wenn Sie Ihr Beet gut für die Herbst- und Wintergemüse vorbereiten möchten, finden Sie hier praktische Tipps: Gemüsebeet vorbereiten.
Ernte: Ganze Rosetten abschneiden
Feldsalat wird anders geerntet als Kopfsalat. Man nimmt nicht einzelne Blätter, sondern die ganze Rosette - direkt über dem Wurzelansatz abschneiden. Das geht am schnellsten mit einer kleinen Küchenschere.
Fassen Sie die Rosetten leicht zusammen, schneiden Sie unten durch - schon ist eine handliche Portion beisammen. Wurzel und äußere Erdblätter bleiben am Boden, dann geht es direkt zum nächsten Fleck weiter.
Die Erntereihenfolge spielt keine große Rolle. Am besten dort anfangen, wo die Rosetten am größten sind, und kleinere noch wachsen lassen. Da Feldsalat nicht schießt, ist dabei keine Eile nötig.
Im Dezember und Januar merkt man, dass der Feldsalat bei Frost etwas kleiner und kompakter ist als im Herbst. Das ist normal und kein Zeichen von Krankheit. Der Geschmack ist dann sogar intensiver - kälte konzentriert die Aromen.
Geernteter Feldsalat im Kühlschrank: Ungewaschen in ein feuchtes Tuch einwickeln, hält fünf bis sieben Tage. Vor dem Verzehr kurz in kaltem Wasser schwenken - die kleinen Rosetten halten gelegentlich Erde zwischen den Blättern fest.
Nachbarn und Abfolge im Beet
Feldsalat ist ein idealer Lückenfüller. Er nutzt Flächen, die nach der Sommerernte leer stehen - nach Radieschen, nach früh geerntetem Kohlrabi oder nach den letzten Erbsen. So lässt sich jeder Quadratmeter des Beets doppelt nutzen.
Gut verträgt sich Feldsalat mit Radieschen - dazwischen gestreute Radieschensamen keimen schnell und sind erntbar, bevor der Feldsalat die Fläche voll besetzt. Mehr dazu: Radieschen anbauen.
Für die Planung des gesamten Gartens im Frühling empfiehlt sich der Gartenkalender: Gartenkalender April.
FAQ: Häufige Fragen zum Feldsalat anbauen
Muss ich Feldsalat im Topf vorziehen? Nein, das ist bei Feldsalat nicht üblich und auch nicht nötig. Er wird direkt ins Beet gesät. Das Vorziehen würde keinen Vorteil bringen, da die Pflanzen Wurzelstörungen schlecht vertragen.
Ab welchen Temperaturen kann ich noch aussäen? Feldsalat keimt noch bei Temperaturen um zehn Grad, braucht aber dann deutlich länger. Unter acht Grad keimt er kaum noch zuverlässig. Die Aussaat sollte also bis Ende September abgeschlossen sein, in warmen Lagen noch Anfang Oktober.
Was mache ich, wenn mein Feldsalat im Frühjahr anfängt zu blühen? Das ist der natürliche Abschluss seines Lebenszyklus. Wenn die Temperaturen steigen und die Tage länger werden, schießt auch Feldsalat irgendwann. Die Pflanzen werden dann bitter. Einfach herausziehen und die Fläche für neue Aussaat oder andere Gemüse nutzen.
Kann ich Feldsalat auch im Frühbeet oder Gewächshaus anbauen? Ja, sehr gut sogar. Im Frühbeet kann man noch im Oktober und November aussäen und bis März ernten - mit etwas Schutz über die kältesten Wochen. Tipps zum Frühbeet: Frühbeet vorbereiten.
Warum keimt mein Feldsalat nicht? Häufigste Ursache: zu tief gesät oder zu trockener Boden. Feldsalat sollte höchstens etwa einen Zentimeter tief liegen. Außerdem muss der Boden in den ersten Tagen nach der Aussaat gleichmäßig feucht bleiben - ein einziger trockener Tag kann das Keimen verhindern.





