Grüne Erbsenschoten an der Rankhilfe im Garten
Gemüse 7 Min. Lesezeit 5 Quellen

Erbsen anbauen: Zuckerschoten bis Markerbsen

Erbsen anbauen ist kinderleicht – und süßer als alles aus dem Supermarkt. Alles zu Sorten, Aussaat und Ernte.

Kinder, die Erbsen aus der Tiefkühltüte ablehnen, diese weichen, mehligen Dinger, mögen oft überraschend gerne selbst angebaute Erbsen: Samen selbst in die Erde stecken, gießen, und nach ein paar Wochen direkt aus der Schote naschen – Zuckerschoten, frisch geerntet, noch warm von der Sonne, schmecken vielen ganz anders als das Tiefkühlprodukt.

Selbst gezogene Erbsen landen dadurch oft direkt am Strauch im Mund, bevor sie überhaupt ins Haus kommen.

Das ist das Ding mit Erbsen: Frisch aus dem Garten schmecken sie wie eine völlig andere Pflanze als das Zeug aus dem Supermarkt. Der Zucker in der Erbse wandelt sich nach der Ernte innerhalb von Stunden in Stärke um – deshalb sind Erbsen aus dem Laden süßlicher als Kartoffeln. Im Garten essen Sie sie, solange sie noch süß sind.

Die wichtigsten Erbsentypen

Es gibt drei Typen, die für den Hausgarten relevant sind, und die Unterschiede sind deutlich.

Markerbsen sind das, was die meisten kennen. Die Schoten werden nicht mitgegessen – man pult die Erbsen raus und isst nur die Körner. Sorten wie ‘Telefon’ oder ‘Ambassador’ werden bis zu 1,5 Meter hoch und brauchen eine Rankhilfe. Sehr hoher Ertrag, aber etwas mehr Arbeit beim Puhlen. Gut einzufrieren.

Zuckerschoten werden mit Schote und allem gegessen. Die Hülsen sind zart und faserig, die Körner noch klein und unausgewachsen – man erntet sie, bevor die Körner anschwellen. ‘Carouby de Maussane’ oder ‘Oregon Sugar Pod’ sind wunderbar. Diese Erbsenart ist besonders vielseitig: roh, gebraten, gedämpft, in Salaten.

Knackerbsen (Snap Peas) sind der Mittelweg: Die Schote ist fleischig und wird mitgegessen, aber die Körner sind schon etwas ausgewachsen. ‘Sugar Snap’ ist die berühmteste Sorte. Unglaublich knackig, süß, und irgendwie das perfekte Gartensnack-Gemüse.

Viele Hobbygärtner bauen alle drei Typen an – jeder hat seinen Platz in der Küche, und Kinder lieben das Knabbern direkt im Garten.

Aussaat – früh ist besser

Erbsen sind Kühle-liebend. Das ist ihr großer Vorteil: Man kann schon Mitte März aussäen, wenn andere Gemüse noch auf wärmere Temperaturen warten.

Säen Sie direkt ins Beet, eine Voranzucht ist nicht nötig. Das Saatgut ist groß und handlich – auch mit Kindern ein Spaß. Saattiefe etwa 4–5 cm, Abstand zwischen den Samen etwa 5–8 cm in der Reihe, Reihenabstand 30–40 cm.

Wenn der Boden noch kalt ist (unter 8 Grad), keimt es langsam. Geduld! Auch eine Aussaat bei noch liegendem Schnee ist möglich – nicht optimal, aber die Samen überleben es und keimen, wenn es wärmer wird.

Die Aussaatzeit zieht sich von März bis Anfang Mai. Danach wird es zu warm, und Erbsen mögen keine Sommerhitze. Zwei oder drei Sätze im Abstand von zwei bis drei Wochen sorgen dafür, dass nicht alles auf einmal reif wird.

Ende des Jahres, also ab August, kann man nochmal eine Herbstaussaat versuchen. Das klappt nicht immer, aber in milden Herbsten lässt sich damit noch bis Oktober ernten. Der Gartenkalender April bietet Orientierung, wann was zu tun ist.

Rankhilfe – die Erbsen brauchen etwas zum Klettern

Das vergessen viele Einsteiger: Erbsen klettern mit Ranken. Sie packen alles, was in Reichweite ist – andere Pflanzen, Stäbe, Zäune, Ihre Finger. Ohne Rankhilfe liegen sie am Boden, und das fördert Fäulnis und schlechte Luftzirkulation.

Erbsenpflanzen mit Ranken am Netz
Erbsen ab März direkt säen – sie vertragen Frost bis -5 °C.

Die einfachste Lösung: Stäbe in einer Reihe, dazwischen Netze oder Fäden spannen. Bewährt haben sich Haselruten, die im Winter geschnitten und aufgehoben werden. Diese dicht nebeneinander in die Erde stecken, leicht gegeneinander lehnen und ein Jutestück oder Jutenetz dazwischen hängen. Rustikaler Look, null Kosten, und die Erbsen klettern begeistert.

Alternativ: Erbsenzweige aus dem Garten – alte trockene Äste mit vielen Verzweigungen. Die Erbsen greifen jede kleine Verzweigung und halten sich prima. Das ist die traditionellste Methode.

Für niedrig wachsende Sorten (Buscherbsen unter 60 cm) reicht oft auch einfach ein paar Stäbe, die man in die Erde steckt.

Stickstoff im Boden – der unsichtbare Bonus

Ein wichtiger Vorteil: Erbsen sammeln, wie alle Hülsenfrüchte, Stickstoff aus der Luft und binden ihn im Boden. Das passiert durch Knöllchenbakterien (Rhizobium) an den Wurzeln.

Das bedeutet: Nach einer Erbsenernte ist der Boden stickstoffreicher als vorher. Wer danach stickstoffhungrige Pflanzen wie Kohlgemüse, Mais oder Spinat pflanzt, profitiert direkt davon. Das ist nicht nur nachhaltig, sondern spart auch Dünger.

Die Erbsenpflanzen sollten nach der Ernte nicht komplett entfernt werden – am besten knapp über dem Boden abschneiden und die Wurzeln mit den Stickstoffknöllchen im Boden verrotten lassen. Das ist eine der kleinen, schlauen Gärtnertricks, die wirklich etwas bringen.

Diese Art der Bodenverbesserung durch Fruchtfolge funktioniert noch besser, wenn man das Konzept der Mischkultur beachtet.

Gießen, Pflege, Probleme

Erbsen sind pflegeleicht. Gießen im Frühling meist nicht nötig – der Boden ist noch feucht von Winter und Regen. Im Mai, wenn es wärmer wird, sollte alle zwei bis drei Tage gegossen werden.

Erbsenschoten werden von der Pflanze gepflückt
Täglich ernten hält die Pflanze produktiv – reife Schoten hemmen die Neubildung.

Hauptproblem: Echter Mehltau. Das ist ein weißer Belag auf den Blättern, besonders gegen Ende der Saison wenn es wärmer wird. Er schwächt die Pflanze, ist aber kein Katastrophe – meistens trifft er die Erbsen kurz vor Ende ihrer natürlichen Lebensdauer. Meist reicht es, befallene Blätter zu entfernen und den Rest laufen zu lassen.

Vorbeugung: Luftige Aufstellung, nicht zu dicht pflanzen, ausreichend Abstand zwischen den Reihen. Sorten mit Mehltauresistenz wählen, zum Beispiel ‘Avola’ oder ‘Blauwschokker’.

Blattläuse auf jungen Trieben sind ein weiteres Problem. Ein kräftiger Wasserstrahl reicht meist aus, um sie abzuspritzen. Wenn der Befall stark ist, hilft Neem-Öl oder selbst gemachter Brennnesselbrühe. Mehr dazu unter Schädlinge natürlich bekämpfen.

Ernte – das Timing ist entscheidend

Bei Erbsen zählt das Timing. Zu früh: Die Schoten sind noch leer. Zu spät: Die Erbsen werden mehlig statt süß, und Zuckerschoten werden faserig.

Nahaufnahme von zwei frischen, grünen Erbsenschoten mit Blättern und Ranken an einer Pflanze.
Erbsen regelmäßig abernten – je öfter man pflückt, desto mehr Hülsen bildet die Pflanze.

Zuckerschoten werden geerntet, wenn die Schote noch flach ist und die Konturen der Körner gerade eben durchscheinen. Dann sind sie zart und süß. Sobald die Körner deutlich hervortreten, ist es für Zuckerschoten schon etwas spät.

Markerbsen werden geerntet, wenn die Schoten prall gefüllt sind, aber noch sattgrün und fest. Eine Schote aufmachen und probieren – ein Korn zwischen Daumen und Zeigefinger drücken. Weich und süß: perfekt. Hart: noch warten. Mehlig: zu spät.

Täglich oder alle zwei Tage ernten ist wichtig. Erbsen, die an der Pflanze überreif werden, signalisieren der Pflanze, dass sie mit der Produktion aufhören kann. Regelmäßiges Ernten hält die Pflanze am Produzieren.

Geerntete Zuckerschoten und Knackerbsen im Kühlschrank zwei bis drei Tage haltbar. Markerbsen sofort puhlen und entweder essen oder blanchieren und einfrieren – je länger sie nach der Ernte warten, desto stärkehaltiger werden sie.


Häufige Fragen zum Erbsen anbauen

Wann genau ist der beste Zeitpunkt für die Erbsenaussaat? Mitte März bis Ende April im Freiland. Der Boden sollte mindestens 8 Grad warm sein. Ein Frost nach der Aussaat schadet nicht – Erbsensamen und Jungpflanzen bis zu einem gewissen Grad frosthart. Im Gartenkalender April finden Sie alle relevanten Termine.

Müssen Erbsen gedüngt werden? Kaum. Erbsen holen sich ihren Stickstoff selbst aus der Luft. Zu viel Stickstoffdünger fördert sogar übermäßiges Blattwachstum auf Kosten der Früchte. Kompostierte Erde beim Einpflanzen reicht völlig. Mehr Tipps zum Kompost anlegen.

Kann ich Erbsen im zweiten Jahr wieder am selben Platz anbauen? Besser nicht. Erbsen können bodenbürtige Pilzkrankheiten anreichern. Fruchtwechsel ist wichtig – mindestens vier Jahre warten, bis Erbsen wieder auf derselben Fläche angebaut werden. Nach Erbsen kommen gut stickstoffhungrige Kulturen wie Kohl oder Mais.

Was tue ich, wenn die Erbsen nicht keimen? Entweder ist der Boden zu kalt (unter 5 Grad), zu trocken oder die Samen wurden zu tief gesät. Kontrolle: Boden mit Finger auf 5 cm Tiefe prüfen – ist er feucht? Wenn ja, einfach Geduld. Erbsen keimen bei Kälte langsam, manchmal dauert es drei Wochen.

Können Kinder beim Erbsenanbau mitmachen? Absolut, das ist sogar ideal. Die großen Samen lassen sich perfekt mit Kinderhänden in die Erde stecken. Und Erbsen direkt aus der Schote essen ist eines der besten Gartenerlebnisse für Kinder. Oft werden aus Erbsen-Skeptikern so die größten Erbsenfans der Familie – direkt vom Strauch.

Update April 2026

Der diesjährige April ist ungewöhnlich trocken – wer die Erbsen bereits Anfang März gesät hat, sollte jetzt regelmäßig gießen. Die Keimung braucht gleichmäßige Bodenfeuchtigkeit, sonst stockt die Entwicklung. Wer noch nicht ausgesät hat: Bis Ende April ist es noch sinnvoll, Markerbsen direkt ins Freiland zu bringen. Zuckerschoten vertragen keine sommerliche Wärme, also lieber diese Woche statt nächsten Monat. Die Rankhilfe schon jetzt aufstellen, bevor die Ranken sich anderswo festhalten.

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Quellen & Referenzen

Diese Quellen belegen einzelne Aussagen des Artikels. Sie ersetzen keine fachliche Beratung.

  1. Wissenschaft Erbsen anbauen – Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL)
  2. Behörde Reichliche Informationen zur Körnererbse : Landwirtschaftskammer Niedersachsen
  3. Behörde Erbsen anbauen – Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen (2023)
  4. Behörde Die vielseitige Erbse
  5. Behörde Erbsen anbauen – Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE)