Frische Spargelstangen wachsen aus dem aufgehäufelten Damm im Spargelbeet

Spargel anbauen: Von Spargelbeet bis Ernte

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Spargel ist das einzige Gemüse im deutschen Garten, das man drei Jahre lang pflegt, bevor man das erste Mal erntet. Wer das weiß und trotzdem anfängt, hat die richtige Einstellung. Asparagus officinalis gehört zu den ausdauernden Staudengewächsen und kann bei guter Pflege zwanzig Jahre lang an derselben Stelle stehen. Diese Langfristigkeit ist gleichzeitig die größte Herausforderung und das Schönste am Spargelanbau: Man legt etwas für die Zukunft an, kein schnelles Saisongemüse.

In meinen Jahren in den Versuchsgärten habe ich viele Hobbygärtner scheitern sehen, die zu früh ernteten oder den Boden falsch vorbereiteten. Beides rächt sich bitter. Wer jedoch einmal ein gut angelegtes Spargelbeet hat, erntet es Jahrzehnte.

Botanik verstehen: Warum Spargel so anders ist

Asparagus officinalis gehört zur Familie der Spargelgewächse (Asparagaceae). Was wir essen, sind die jungen Sprosse, die im Frühjahr aus den unterirdischen Rhizomen austreiben. Diese Rhizomkrone, die sogenannte Spargelkrone, bildet den mehrjährigen Teil der Pflanze. Sie speichert Reservestoffe, aus denen im folgenden Jahr wieder neue Triebe entstehen.

Nach der Ernte muss die Pflanze unbedingt austreiben und im Sommer vollständig entwickelte Farnwedel bilden. Über die Photosynthese dieser Wedel füllt sie ihre Nährstoffreserven für das nächste Frühjahr auf. Wer zu lang erntet oder das Farnkraut zu früh abschneidet, zieht der Krone buchstäblich die Energie für das nächste Jahr. Das ist der Grund, warum Spargelbeete so empfindlich auf Fehler reagieren.

Grüner, weißer und violetter Spargel sind keine verschiedenen Arten, sondern verschiedene Anbauformen: Weißer Spargel (Bleichspargel) entsteht, wenn die Triebe vollständig unter der Erde bleiben und kein Licht bekommen. Grüner Spargel wächst über der Erde und wird durch Licht grün. Violetter Spargel ist eine eigene Sortengruppe mit leicht süßlichem Aroma.

Standort: Sonnig, warm, windgeschützt

Spargel stellt klare Standortanforderungen, die wenig Spielraum lassen. Er braucht:

  • Volle Sonne den gesamten Tag über. Halbschatten führt zu schwachen Trieben und einer erschöpften Krone.
  • Wärme, besonders im Frühjahr. In der Nähe einer südexponierten Mauer oder eines Zauns treiben die Stangen früher aus.
  • Windschutz. Die bis zu 1,5 Meter hohen Farnwedel sind anfällig für Windbruch, der die Pflanze schwächt.
  • Ausreichend Platz. Spargel braucht Dammreihen mit 1,50 Meter Abstand zueinander. Rechnen Sie für ein gut ertragendes Familienbeet (20 bis 25 Stangen pro Ernte) mindestens 15 Quadratmeter ein.

Was Sie unbedingt vermeiden sollten: Spargel in der Nähe von Tomaten oder Petersilie pflanzen. Beide Kulturen fördern pilzliche Bodenkrankheiten, die Spargelkronen über Jahre schädigen. Auch sollte das Beet nicht auf einer Fläche angelegt werden, wo zuvor schon Spargel stand, es sei denn, Sie warten mindestens acht Jahre.

Boden vorbereiten: Die wichtigste Investition

Spargelwurzeln reichen bis zu 60 Zentimeter tief in den Boden. Staunässe ist für sie tödlich, denn in wassergesättigtem Boden fehlt der Sauerstoff, den die Rhizome für ihre Zellatmung benötigen. Der ideale Boden ist deshalb:

  • Sandig bis lehmig-sandig, gut wasserdurchlässig
  • Tiefgründig, mindestens 60 Zentimeter aufgelockert
  • pH-Wert 6,5 bis 7,5. Spargel verträgt leicht alkalische Böden besser als die meisten Gemüsepflanzen
  • Humusreich, aber nicht frisch gedüngt

Die Bodenvorbereitung beginnt im Herbst vor der Pflanzung. Graben Sie das Beet 50 bis 60 Zentimeter tief um. Auf schwerem Lehmboden arbeiten Sie großzügig Sand ein, mindestens 20 Liter je Quadratmeter. Auf sehr sandigem Boden verbessert reifer Kompost die Wasserhaltekraft und erhöht den Humusgehalt.

Frischer Stallmist hat hier nichts zu suchen. Er fördert Pilzkrankheiten und kann Spargelfliegen anziehen. Verwenden Sie ausschließlich gut verrotteten Kompost oder speziellen Spargeldünger mit Kalium- und Phosphorbetonung.

Wann und wie pflanzen: Spargelkronen im April

Spargel pflanzt man in Deutschland ausnahmslos als einjährige Kronen, nicht aus Samen. Samen sind möglich, verlängern aber die Zeit bis zur ersten Ernte um ein weiteres Jahr.

Pflanzzeitpunkt: April, wenn der Boden auf mindestens 10 Grad erwärmt ist. Zu kalter Boden verzögert das Anwurzeln und fördert Fäulnis.

Pflanzung:

  1. Ziehen Sie in Pflanzrichtung eine Furche von 25 bis 30 Zentimeter Tiefe und 40 Zentimeter Breite.
  2. Häufen Sie in der Mitte der Furche einen lockeren Erdrücken auf (etwa 10 Zentimeter hoch). Dieser Hügel gibt der Krone Halt.
  3. Setzen Sie die Spargelkrone mittig auf den Erdhügel, die fleischigen Wurzeln nach unten und außen ausgebreitet.
  4. Bedecken Sie die Krone mit 8 bis 10 Zentimeter Erde.
  5. Im Laufe der Saison, wenn die jungen Triebe erscheinen, füllen Sie die Furche schrittweise auf.

Reihenabstand: 1,50 Meter. Abstand innerhalb der Reihe: 30 bis 40 Zentimeter. Diese Abstände wirken großzügig, aber Spargel braucht Luft. Engere Pflanzung erhöht den Druck durch Pilzkrankheiten und schwächt die einzelne Krone.

Frisch geerntete grüne und weiße Spargelstangen auf einer Holzfläche
Grüner Spargel wächst über der Erde und braucht keine Dämme. Weißer Spargel entsteht durch vollständige Erdbedeckung der Triebe.

Weiß oder grün? Die Entscheidung beim Anlegen

Ob Sie weißen oder grünen Spargel ernten, entscheiden Sie durch die Anbauweise, nicht durch die Sortenwahl.

Grüner Spargel ist deutlich pflegeleichter. Die Triebe wachsen an der Oberfläche, Sie brauchen keine Dämme aufzuhäufeln. Grüner Spargel verträgt auch etwas schwerere Böden und reagiert weniger empfindlich auf Fehler beim Häufeln. Sein Aroma gilt als kräftiger und nussiger. Gute Sorten: ‘Gijnlim’, ‘Backlim’, ‘Pacific Purple’ (violett).

Weißer Spargel braucht erhöhte Dämme von 25 bis 30 Zentimeter Höhe, die Sie jedes Frühjahr aufbauen müssen. Die Ernte ist aufwändiger: Sobald sich oben an der Dammkuppe eine Rissbildung zeigt, sticht man tief in den Damm, sucht den Stiel mit der Hand und schneidet ihn 2 bis 3 Zentimeter unterhalb der Oberfläche ab. Wer das einmal kann, schätzt die Ernte als fast meditative Arbeit. Empfehlenswerte Sorten: ‘Gijnlim’, ‘Avalim’, ‘Cumulus’.

Für Einsteiger empfehle ich grünen Spargel. Der Lernaufwand ist geringer, das Ergebnis kommt früher, und der Geschmack überrascht positiv.

Pflege in den ersten drei Jahren

Die ersten drei Jahre nach der Pflanzung sind entscheidend. Eine Spargelkrone, die gut durch diese Phase kommt, belohnt Sie 15 bis 20 Jahre lang.

Jahr eins: Nicht ernten. Die Pflanze braucht alle ihre Energie für den Aufbau der Krone. Lassen Sie alle Triebe vollständig austreiben. Mulchen zwischen den Reihen mit einer 5 bis 7 Zentimeter dicken Schicht Stroh oder Rasenschnitt hält Unkraut fern und bewahrt Bodenfeuchte.

Jahr zwei: Die sichere Empfehlung lautet: gar nicht ernten. Wer ungeduldig ist, kann versuchsweise eine oder zwei Stangen pro Pflanze entnehmen, aber nicht mehr als zwei Wochen lang. Jede geerntete Stange kostet die Krone Kraft, die sie besser in die Wurzelentwicklung investiert.

Jahr drei: Erstmals richtig ernten, aber nicht länger als vier bis sechs Wochen. Ab dem vierten Jahr gilt die volle Erntezeit bis Johannistag.

Beikraut ist der größte Feind des Spargels in diesen Jahren. Spargel konkurriert schlecht um Wasser und Nährstoffe, seine flach sitzenden Feinwurzeln werden durch Hacken leicht beschädigt. Mulch und sorgfältiges Handhacken sind die einzigen Methoden, die funktionieren.

Im Herbst, wenn der Farn goldgelb wird, schneiden Sie ihn bodennah ab. Nicht vorher: Grünes Farnkraut betreibt noch aktiv Photosynthese. Erst wenn die Blätter vollständig vergilbt sind, ist die Einlagerung der Reservestoffe abgeschlossen.

Düngen: Kalium zuerst

Spargel ist ein Starkzehrer. Nach der Ernte benötigt er Stickstoff für das Blattwachstum, Kalium für die Einlagerung in die Krone, und Phosphor für die Wurzelentwicklung.

Bewährt hat sich folgendes Schema:

  • Vor dem Austreiben im März: Gut verrotteter Stallmist oder reifer Kompost auf die Dämme, 3 bis 4 Liter je Laufmeter
  • Nach der Ernte im Juni: Stickstoffbetonter Volldünger oder Brennnesseljauche, um den Farn schnell zu treiben
  • August: Kaliumbetonter Dünger, um die Reserven für das nächste Jahr aufzufüllen. Holzasche (ein halber Liter je Quadratmeter) ist eine ausgezeichnete natürliche Kaliumquelle — aber sparsam dosieren, da Holzasche den pH-Wert anhebt. Auf bereits alkalischem Boden besser auf Holzasche verzichten.

Zu viel Stickstoff nach August fördert weiches Gewebe, das anfälliger für Pilzkrankheiten ist. Hier weniger ist mehr.

Ernte: Timing und Technik

Ab dem vierten Jahr gilt für Spargel eine traditionelle Regel, die botanisch gut begründet ist: Ernte bis Johannistag, dem 24. Juni. Danach darf die Pflanze ihre Farnwedel voll entwickeln, um Energie für das nächste Jahr zu sammeln.

Für weißen Spargel: Stechen Sie morgens, bevor die Wärme des Tages die Stangen weich und bitter macht. Ein Spargelstecher oder ein langes schmales Messer wird schräg neben dem Trieb in den Damm geführt. Den Stich tief ansetzen, damit das helle Stück unterhalb der Erde erhalten bleibt.

Für grünen Spargel: Schneiden Sie die Stangen bodennah ab, wenn sie 20 bis 25 Zentimeter lang sind. Grüner Spargel wird schnell holzig. An warmen Tagen kann er mehrere Zentimeter täglich wachsen.

Frisch gestochener Spargel lagert im Kühlschrank, in ein feuchtes Tuch gewickelt, zwei bis drei Tage. Länger sollten Sie nicht warten: Der Zucker in den Stangen wandelt sich nach der Ernte in Stärke um, und der Geschmack lässt merklich nach.

Schädlinge und Krankheiten

Die wichtigsten Probleme im Spargelanbau:

Spargelfliege (Platyparea poeciloptera): Legt Eier in die jungen Triebe, deren Larven im Inneren fressen. Befallene Triebe knicken ab oder vergilben. Vorbeugung: Erste Triebe engmaschig kontrollieren, befallene sofort entfernen. Insektenschutznetze über frisch bepflanzten Beeten helfen.

Spargelrost (Puccinia asparagi): Gelborange Pusteln auf dem Farnkraut im Sommer. Bei starkem Befall stirbt das Kraut vorzeitig ab und die Krone verarmst. Gute Durchlüftung und ausreichende Abstände beugen vor. Befallenes Farnkraut im Herbst vollständig entfernen und entsorgen, nicht auf den Kompost.

Grauschimmel (Botrytis): In feuchten Jahren nach der Ernte. Konsequentes Mulchen und gute Bodenstruktur reduzieren das Risiko. Bei Bedarf Kupferpräparate einsetzen.

Wer robuste Sorten wählt und auf gute Bodenstruktur achtet, hat selten ernsthafte Probleme. Spargel ist, wenn der Standort stimmt, eine sehr robuste Kultur.

Häufige Fragen zum Spargelanbau

Wann kann ich zum ersten Mal ernten? Im dritten Jahr nach der Pflanzung, und auch dann nur begrenzt. Volle Ernte ab dem vierten Jahr. Wer früher erntet, riskiert, die Krone dauerhaft zu schwächen.

Wie viele Pflanzen brauche ich? Als Richtwert: 10 bis 12 Pflanzen pro Person für regelmäßigen Genuss in der Saison. Eine Reihe von 10 Pflanzen bei 1,50 Meter Reihenabstand braucht etwa 15 Quadratmeter Fläche.

Kann ich Spargel im Hochbeet anbauen? Bedingt. Das Hochbeet müsste mindestens 60 Zentimeter tief sein, was die meisten nicht sind. Außerdem müsste es 15 bis 20 Jahre am selben Ort stehen. Praktisch ist das kaum umsetzbar. Für Spargel ist ein Freilandbeet die richtige Wahl.

Wie erkenne ich, ob der Spargel im Herbst abschneidereif ist? Wenn mindestens 80 Prozent der Farnnadeln gelb oder braun sind und der Stiel an der Basis gold- bis gelbbraun verfärbt ist. In kühlen Herbsten manchmal erst im November.

Muss ich den Boden im Herbst nochmal düngen? Nein. Die letzte Düngergabe sollte im August erfolgen. Herbstdüngung fördert weiches, pilzanfälliges Wachstum. Im Frühjahr ist die nächste Gabe sinnvoll, kurz bevor die ersten Triebe erscheinen.

Ein Spargelbeet ist eine Investition, die sich verlangsamt entfaltet. Wer die ersten drei Jahre Geduld aufbringt, wird mit einer Dauerkultur belohnt, die mit minimalem Aufwand Jahr für Jahr produziert. Beobachten Sie Ihre Pflanzen genau, passen Sie sich den Bedingungen Ihres Standorts an, und vermeiden Sie die häufigsten Fehler beim Häufeln und Ernten. Der Rest ergibt sich.