Meine Tochter hat Erbsen nicht gemocht. Jahrelang hat sie sie aus jedem Gericht rausgepickt, diese weichen, mehligen Dinger aus der Tiefkühltüte. Dann haben wir zusammen Erbsen angebaut – sie hat die Samen in die Erde gesteckt, sie gegossen, und nach ein paar Wochen stand sie vor einer Erbsenranke und hat direkt aus der Schote gegessen. Zuckerschoten, frisch geerntet, noch warm von der Sonne.
Seitdem mag sie Erbsen. Nicht die aus der Packung – die findet sie immer noch blöd. Aber selbst gezogene Erbsen? Die isst sie direkt am Strauch, bevor sie überhaupt ins Haus kommen.
Das ist das Ding mit Erbsen: Frisch aus dem Garten schmecken sie wie eine völlig andere Pflanze als das Zeug aus dem Supermarkt. Der Zucker in der Erbse wandelt sich nach der Ernte innerhalb von Stunden in Stärke um – deshalb sind Erbsen aus dem Laden süßlicher als Kartoffeln. Im Garten isst du sie, solange sie noch süß sind.
Die wichtigsten Erbsentypen
Es gibt drei Typen, die für den Hausgarten relevant sind, und die Unterschiede sind deutlich.
Markerbsen sind das, was die meisten kennen. Die Schoten werden nicht mitgegessen – man pult die Erbsen raus und isst nur die Körner. Sorten wie ‘Telefon’ oder ‘Ambassador’ werden bis zu 1,5 Meter hoch und brauchen eine Rankhilfe. Sehr hoher Ertrag, aber etwas mehr Arbeit beim Puhlen. Gut einzufrieren.
Zuckerschoten esse ich mit Schote und allem. Die Hülsen sind zart und faserig, die Körner noch klein und unausgewachsen – man erntet sie, bevor die Körner anschwellen. ‘Carouby de Maussane’ oder ‘Oregon Sugar Pod’ sind wunderbar. Das ist meine liebste Erbsenart, weil sie so vielseitig ist: roh, gebraten, gedämpft, in Salaten.
Knackerbsen (Snap Peas) sind der Mittelweg: Die Schote ist fleischig und wird mitgegessen, aber die Körner sind schon etwas ausgewachsen. ‘Sugar Snap’ ist die berühmteste Sorte. Unglaublich knackig, süß, und irgendwie das perfekte Gartensnack-Gemüse.
Ich baue immer alle drei Typen an – jeder hat seinen Platz in der Küche, und die Kinder lieben das Knabbern direkt im Garten.
Aussaat – früh ist besser
Erbsen sind Kühle-liebend. Das ist ihr großer Vorteil: Man kann schon Mitte März aussäen, wenn andere Gemüse noch auf wärmere Temperaturen warten.
Ich säe direkt ins Beet, keine Voranzucht nötig. Das Saatgut ist groß und handlich – auch mit Kindern ein Spaß. Saattiefe etwa 4–5 cm, Abstand zwischen den Samen etwa 5–8 cm in der Reihe, Reihenabstand 30–40 cm.
Wenn der Boden noch kalt ist (unter 8 Grad), keimt es langsam. Geduld! Ich habe schon gesät, wenn noch Schnee lag – nicht optimal, aber die Samen überleben es und keimen, wenn es wärmer wird.
Die Aussaatzeit zieht sich von März bis Anfang Mai. Danach wird es zu warm, und Erbsen mögen keine Sommerhitze. Ich mache zwei oder drei Sätze im Abstand von zwei bis drei Wochen – so habe ich nicht alles auf einmal reif.
Ende des Jahres, also ab August, kann man nochmal eine Herbstaussaat versuchen. Das klappt nicht immer, aber in milden Herbsten habe ich damit noch bis Oktober geerntet. Den Gartenkalender April nutze ich als Orientierung, wann was zu tun ist.
Rankhilfe – die Erbsen brauchen etwas zum Klettern
Das vergessen viele Einsteiger: Erbsen klettern mit Ranken. Sie packen alles, was in Reichweite ist – andere Pflanzen, Stäbe, Zäune, deine Finger. Ohne Rankhilfe liegen sie am Boden, und das fördert Fäulnis und schlechte Luftzirkulation.
Die einfachste Lösung: Stäbe in einer Reihe, dazwischen Netze oder Fäden spannen. Ich nehme Haselruten, die ich im Winter schneide und aufhebe. Die stecke ich dicht nebeneinander in die Erde, lehne sie leicht gegeneinander, und hänge ein Jutestück oder Jütenetz dazwischen. Rustikaler Look, null Kosten, und die Erbsen klettern begeistert.
Alternativ: Erbsenzweige aus dem Garten – alte trockene Äste mit vielen Verzweigungen. Die Erbsen greifen jede kleine Verzweigung und halten sich prima. Das ist die traditionellste Methode.
Für niedrig wachsende Sorten (Buscherbsen unter 60 cm) reicht oft auch einfach ein paar Stäbe, die man in die Erde steckt.
Stickstoff im Boden – der unsichtbare Bonus
Das ist etwas, worüber ich froh bin, dass ich es früh gelernt habe: Erbsen, wie alle Hülsenfrüchte, sammeln Stickstoff aus der Luft und binden ihn im Boden. Das passiert durch Knöllchenbakterien (Rhizobium) an den Wurzeln.
Das bedeutet: Nach einer Erbsenernte ist der Boden stickstoffreicher als vorher. Wer danach stickstoffhungrige Pflanzen wie Kohlgemüse, Mais oder Spinat pflanzt, profitiert direkt davon. Das ist nicht nur nachhaltig, sondern spart auch Dünger.
Ich lasse die Erbsenpflanzen nach der Ernte nicht komplett entfernen – ich schneide sie knapp über dem Boden ab und lasse die Wurzeln mit den Stickstoffknöllchen im Boden verrotten. Das ist eine der kleinen, schlauen Gärtnertricks, die wirklich etwas bringen.
Diese Art der Bodenverbesserung durch Fruchtfolge funktioniert noch besser, wenn man das Konzept der Mischkultur beachtet.
Gießen, Pflege, Probleme
Erbsen sind pflegeleicht. Gießen im Frühling meist nicht nötig – der Boden ist noch feucht von Winter und Regen. Im Mai, wenn es wärmer wird, gieße ich alle zwei bis drei Tage.
Hauptproblem: Echter Mehltau. Das ist ein weißer Belag auf den Blättern, besonders gegen Ende der Saison wenn es wärmer wird. Er schwächt die Pflanze, ist aber kein Katastrophe – meistens trifft er die Erbsen kurz vor Ende ihrer natürlichen Lebensdauer. Ich lasse es einfach laufen und entferne befallene Blätter.
Vorbeugung: Luftige Aufstellung, nicht zu dicht pflanzen, ausreichend Abstand zwischen den Reihen. Sorten mit Mehltauresistenz wählen, zum Beispiel ‘Avola’ oder ‘Blauwschokker’.
Blattläuse auf jungen Trieben sind ein weiteres Problem. Ich spritze sie einfach mit einem kräftigen Wasserstrahl ab. Wenn der Befall stark ist, hilft Neem-Öl oder selbst gemachter Brennnesselbrühe. Mehr dazu unter Schädlinge natürlich bekämpfen.
Ernte – das Timing ist entscheidend
Bei Erbsen zählt das Timing. Zu früh: Die Schoten sind noch leer. Zu spät: Die Erbsen werden mehlig statt süß, und Zuckerschoten werden faserig.
Zuckerschoten ernte ich, wenn die Schote noch flach ist und die Konturen der Körner gerade eben durchscheinen. Dann sind sie zart und süß. Sobald die Körner deutlich hervortreten, ist es für Zuckerschoten schon etwas spät.
Markerbsen ernte ich, wenn die Schoten prall gefüllt sind, aber noch sattgrün und fest. Eine Schote aufmachen und probieren – ein Korn zwischen Daumen und Zeigefinger drücken. Weich und süß: perfekt. Hart: noch warten. Mehlig: zu spät.
Täglich oder alle zwei Tage ernten ist wichtig. Erbsen, die an der Pflanze überreif werden, signalisieren der Pflanze, dass sie mit der Produktion aufhören kann. Regelmäßiges Ernten hält die Pflanze am Produzieren.
Geerntete Zuckerschoten und Knackerbsen im Kühlschrank zwei bis drei Tage haltbar. Markerbsen sofort puhlen und entweder essen oder blanchieren und einfrieren – je länger sie nach der Ernte warten, desto stärkehaltiger werden sie.
Häufige Fragen zum Erbsen anbauen
Wann genau ist der beste Zeitpunkt für die Erbsenaussaat? Mitte März bis Ende April im Freiland. Der Boden sollte mindestens 8 Grad warm sein. Ein Frost nach der Aussaat schadet nicht – Erbsensamen und Jungpflanzen bis zu einem gewissen Grad frosthart. Im Gartenkalender April findest du alle relevanten Termine.
Müssen Erbsen gedüngt werden? Kaum. Erbsen holen sich ihren Stickstoff selbst aus der Luft. Zu viel Stickstoffdünger fördert sogar übermäßiges Blattwachstum auf Kosten der Früchte. Kompostierte Erde beim Einpflanzen reicht völlig. Mehr Tipps zum Kompost anlegen.
Kann ich Erbsen im zweiten Jahr wieder am selben Platz anbauen? Besser nicht. Erbsen können bodenbürtige Pilzkrankheiten anreichern. Fruchtwechsel ist wichtig – mindestens vier Jahre warten, bis Erbsen wieder auf derselben Fläche angebaut werden. Nach Erbsen kommen gut stickstoffhungrige Kulturen wie Kohl oder Mais.
Was tue ich, wenn die Erbsen nicht keimen? Entweder ist der Boden zu kalt (unter 5 Grad), zu trocken oder die Samen wurden zu tief gesät. Kontrolle: Boden mit Finger auf 5 cm Tiefe prüfen – ist er feucht? Wenn ja, einfach Geduld. Erbsen keimen bei Kälte langsam, manchmal dauert es drei Wochen.
Können Kinder beim Erbsenanbau mitmachen? Absolut, das ist sogar ideal. Die großen Samen lassen sich perfekt mit Kinderhänden in die Erde stecken. Und Erbsen direkt aus der Schote essen ist eines der besten Gartenerlebnisse für Kinder. Meine Tochter ist jetzt der größte Erbsenfan der Familie – direkt vom Strauch.
