Gartenkalender November: Was jetzt zu tun ist
Der November hat keinen guten Ruf. Grau, nass, kalt, der Garten schläft. So denken viele. Ich sehe das anders. Nach 40 Jahren im Gemüsegarten weiß ich: Der November ist der Monat, in dem man entscheidet, wie gut der nächste Frühling wird.
Was jetzt gut gemacht ist, zahlt sich im März aus. Was jetzt versäumt wird, kostet dann dreifach Zeit.
Grünkohl und Rosenkohl ernten
Das ist das Schönste am November: Diese beiden Kohlgemüse brauchen Frost, um ihr volles Aroma zu entfalten. Die Kälte wandelt Stärke in Zucker um, der Geschmack wird milder, runder, tiefer.
Grünkohl ernte ich erst nach dem ersten Frost. Nicht vorher. Wer den Grünkohl im September erntet, erntet ein anderes Gemüse als der, der bis November wartet. Brechen Sie die unteren Blätter nach oben hin ab, lassen Sie die Herzblätter stehen. Die Pflanze treibt nach und liefert bis Februar weitere Ernten, solange der Frost nicht zu streng wird.
Geerntet wird morgens, wenn die Blätter noch leicht gefroren sind. Das klingt seltsam, aber der Geschmack ist dann am besten. Im Kühlschrank hält sich frischer Grünkohl eine Woche, eingefroren mehrere Monate.
Rosenkohl lässt sich ebenfalls im Frost stehen lassen. Die Röschen werden süßer mit jeder Frostnacht. Ernten Sie von unten nach oben: Die untersten Röschen sind zuerst reif. Zu lange warten dürfen Sie aber nicht: Bei anhaltendem starkem Frost platzen die Röschen auf und werden bitter.
Schneiden Sie Ende November den Rosenkohl-Strunk nicht ab. Er liefert weiter nach, solange die Temperaturen nicht dauerhaft unter minus 10 Grad sinken.
Beete winterfest machen
Leere Beete, die im Oktober noch nicht gemulcht wurden, bekommen jetzt ihre Schutzschicht. Verwenden Sie Laub, Stroh oder verrotteten Kompost. 8 bis 10 Zentimeter sind das Minimum.
Besondere Aufmerksamkeit verdienen Beete mit mehrjährigen Kulturen: Spargel, Artischocken, Rhabarber. Diese Wurzeln dürfen nicht durchfrieren. Beim Spargel arbeite ich abgestorbenes Kraut leicht ein und bedecke das Beet anschließend mit einer dicken Laubschicht.
Rhabarber braucht ebenfalls eine Mulchdecke. 10 bis 15 Zentimeter Laub oder Kompost direkt über die Krone. Die Krone muss aber atmen können, kein verdichtetes nasses Material direkt darüber.
Zwiebelbeete, auf denen Knoblauch steckt, können mit einer dünnen Laubschicht abgedeckt werden. Nur dünn: 3 bis 4 Zentimeter, damit der Knoblauch bei Wärme Luft bekommt.
Wasseranschlüsse und Bewässerung
Das wird jedes Jahr vergessen, bis es zu spät ist. Friert eine Außenleitung durch, platzt das Rohr.
Drehen Sie alle Außenwasserhähne von innen ab. Öffnen Sie anschließend den Außenhahn, damit das restliche Wasser abfließen kann. Lassen Sie den Außenhahn über den Winter geöffnet, damit kein Restwasser gefriert.
Schläuche komplett entleeren und aufgerollt im Schuppen lagern. Ein gefüllter Schlauch, der in Herbst draußen liegenbleibt, ist im Frühjahr oft gerissen.
Tropfsysteme und Bewässerungscomputer ausbauen. Kunststoffverbindungen und Zeitschaltuhren vertragen keinen Frost. Im Keller eingelagert halten sie deutlich länger.
Regentonnen: Wenn Sie die Tonne über den Winter draußen lassen wollen, lassen Sie sie nicht voll. Eine vollgefüllte Tonne, die durchfriert, kann reißen. Idealerweise decken Sie sie ab und lassen nur wenig Wasser drin.
Werkzeuge pflegen
Schlechtes Werkzeug kostet mehr Kraft als gutes. Das habe ich früh gelernt. Wer seine Werkzeuge jetzt pflegt, hat im März Freude daran.
Schütteln Sie die Erde von Spaten, Harke und Grabegabel. Dann mit einer Drahtbürste die Metallteile reinigen. Eingetrocknete Erde ist abrasiv und rostet beim nächsten Einsatz schlechter ab, wenn sie im Nassschlick gelagert wurde.
Anschließend Leinöl oder ein handelsübliches Rostschutzöl auf alle Metallteile auftragen. Reiben Sie das Öl mit einem Lappen ein und wischen Sie den Überschuss ab. Das Öl zieht ein, schützt gegen Rost und hält das Metall gleitfähig.
Holzstiele kontrollieren. Rissiges oder morsches Holz ist gefährlich, ersetzen Sie es. Gute Stiele reiben Sie mit rohem Leinöl ab, das Holz saugt es auf und bleibt geschmeidig.
Scheren und Messer: Klingen schärfen. Ein stumpfes Messer ist nicht nur mühsam, es reißt Gewebe auf statt es zu schneiden. Schmutzige Schneidstellen sind Eintrittspforten für Pilzkrankheiten. Schärfen Sie mit einem feinen Schleifstein und ölen Sie die Klingen zum Abschluss.
Lagern Sie Metallwerkzeug nicht am Betonboden. Beton zieht Feuchtigkeit. Hängen Sie Spaten und Harken an die Wand oder legen Sie sie auf ein Holzgestell.
Hochbeete vorbereiten
Wer im Frühjahr ein neues Hochbeet anlegen will, beginnt jetzt mit der Materialsammlung.
Die unterste Schicht eines Hochbeets besteht aus grobem Holzmaterial: Äste, Zweige, grobes Schnittgut. Das verrottet langsam und gibt über Jahre Wärme und Nährstoffe ab. Im November liefert die Gartenbereinigung genug davon.
Darüber kommt eine Schicht aus halbfertigem Kompost oder Grünschnitt. Im November hat man oft Mengen davon übrig. Schichten Sie alles auf einer Fläche auf oder füllen Sie direkt das neue Hochbeet, wenn der Rahmen schon steht.
Bis zum Frühjahr setzt sich das Material. Es braucht nicht warm zu sein, der Rotteprozess läuft langsam durch den Winter. Im März füllen Sie dann die oberste Schicht aus Gartenerde und reifem Kompost auf.
Bestehende Hochbeete füllen Sie nach. Das Material sinkt jedes Jahr um 5 bis 10 Zentimeter. Ergänzen Sie mit reifem Kompost.
Planung für das nächste Jahr
November ist auch der Monat, in dem man nachdenkt. Was hat funktioniert? Was nicht? Ich setze mich an einem Novemberabend hin, nehme meinen Gartenplan aus dem letzten Jahr und schreibe daneben, was wirklich gewachsen ist.
Fruchtfolge ist kein Mythos. Wer Tomaten dreimal hintereinander an dieselbe Stelle setzt, hat im dritten Jahr Probleme mit Verticillium und Phytophthora. Schreiben Sie auf, wo was stand. Das ist die wichtigste Aufgabe im November.
Welche Sorten haben enttäuscht? Welche haben überzeugt? Jetzt, wo alles noch frisch in Erinnerung ist, ist der richtige Zeitpunkt für diese Notizen. Im Januar freut man sich, sie zu haben.
November-Checkliste
- Grünkohl erst nach dem ersten Frost ernten
- Rosenkohl von unten nach oben ernten
- Alle leeren Beete mit 8 bis 10 cm Mulch abdecken
- Spargel-, Artischocken- und Rhabarberbeete schützen
- Außenwasserhähne von innen absperren, Hahn außen offen lassen
- Bewässerungsschläuche entleeren und einlagern
- Bewässerungscomputer hereinholen
- Werkzeuge reinigen, ölen und einlagern
- Hochbeet mit Material befüllen oder neues anlegen
- Gartenplan überarbeiten, Fruchtfolge notieren
Winterruhe ist nicht Arbeitsruhe
Manche Gärtner verschwinden im November ganz aus dem Garten. Das kann man machen. Wer aber im März den ersten milden Tag nutzen will, sollte den November nicht verschenken.
Ich gehe auch im November täglich kurz raus. Nicht um viel zu tun, manchmal nur um zu schauen. Wie hält sich der Grünkohl? Hat der Knoblauch schon Triebe geschoben? Liegt Wasser auf dem Kompost? Diese kleinen Beobachtungen, gesammelt über Jahrzehnte, machen den erfahrenen Gärtner aus. Nicht das Wissen aus Büchern. Das Hinsehen.
