Lauch gehört zu den wenigen Gemüsearten, die den Garten von August bis in den März des nächsten Jahres mit Ernte versorgen. Das allein macht ihn zu einem unverzichtbaren Bestandteil eines gut geplanten Gemüsegartens. Hinzu kommt eine Eigenschaft, die gerade in unsicheren Frühjahren Gold wert ist: Winterlauch übersteht Frost bis minus 15 Grad, oft ohne Schutz, manchmal sogar unter einer Schneedecke.
Botanisch gesehen ist Lauch (Allium ampeloprasum var. porrum) ein enger Verwandter von Zwiebel, Knoblauch und Schnittlauch. Die typische Zwiebelknolle bildet er nicht aus, stattdessen entwickelt er einen langen, bleichen Schaft, den wir in der Küche so schätzen. Dieser weiße Anteil entsteht durch gezieltes Lichtausschluss beim Anbau.
Sorten: Frühlauch, Herbstlauch, Winterlauch
Die Sortengruppen unterscheiden sich weniger im Geschmack als im Erntezeitraum und der Frosthärte. Eine gute Auswahl deckt das gesamte Jahr ab.
Frühlauch (auch Sommerlauch) ist für die Ernte von Juli bis September gedacht. Die Schäfte sind schlank und zart, das Blattwerk hellgrün. Sorten wie ‘Elina’, ‘King Richard’ oder ‘Prizetaker’ wachsen schnell, vertragen aber keinen starken Frost. Sie eignen sich für frische Sommerküche und als Lückenfüller nach früh räumenden Kulturen.
Herbstlauch bildet kräftigere Schäfte und ist bis November erntereif. ‘Pandora’ und ‘Torpedo’ sind bewährte Sorten mit gutem Ertrag und solidem Aroma. Eine leichte Frosthärte bis minus 5 Grad haben diese Sorten, mehr ist nicht zu erwarten.
Winterlauch ist die eigentliche Domäne der Lauch-Kultur. Sorten wie ‘Bleu de Solaise’, ‘Musselburgh’ oder ‘Bandit’ überstehen harte Winter, werden dabei sogar süßer, weil die Kälte die Stärke in Zucker umwandelt. Die Schäfte sind kürzer und dicker als beim Frühlauch, das Blattwerk oft bläulich-grün. Erntezeit: Oktober bis März.
Für ein kontinuierliches Angebot empfehle ich, alle drei Gruppen anzubauen.
Standort und Boden
Lauch bevorzugt einen sonnigen bis leicht halbschattigen Standort. Er wächst in verschiedenen Bodentypen, am besten jedoch in tiefgründigem, humusreichem Substrat mit guter Wasserhalten. Bei zu schwerem Lehmboden: Kompost und Sand einarbeiten, damit die Schäfte ungehindert in die Tiefe wachsen können.
Der pH-Wert sollte zwischen 6,0 und 7,5 liegen. Stark saure Böden hemmen die Nährstoffaufnahme; wenn der pH unter 6,0 fällt, empfiehlt sich eine Kalkung im Herbst vor dem Anbau.
Beim Pflanzplan ist die Fruchtfolge für Lauch besonders wichtig. Als Alliumgewächs sollte er nicht auf Flächen kommen, auf denen in den vergangenen drei bis vier Jahren bereits Zwiebeln, Knoblauch oder anderer Lauch gestanden haben. Die bodenbürtigen Krankheitserreger wie Lauchrost (Puccinia allii) und der Zwiebelmehltau überdauern im Boden.
Aussaat und Voranzucht
Lauch braucht eine lange Vegetationsperiode, deshalb beginnt die Voranzucht bereits früh. Die Keimtemperatur liegt bei 10 bis 18 Grad, die Keimdauer beträgt bei optimalen Bedingungen 10 bis 14 Tage.
Voranzucht ab Februar: Ich säe Lauch üblicherweise Mitte Februar bis März in Anzuchtschalen auf der Fensterbank oder im Gewächshaus. Das Saatgut wird dünn auf feuchtes Substrat gestreut und leicht mit Erde bedeckt, da Lauch ein Dunkelkeimer ist. Die Schalen kommen auf eine helle, kühle Fensterbank, 12 bis 15 Grad reichen vollkommen aus.
Sobald die Jungpflanzen die Stärke eines Bleistifts erreicht haben und etwa 15 bis 20 cm hoch sind, sind sie pflanztauglich. Das dauert je nach Temperatur und Licht etwa 8 bis 10 Wochen. Pikieren ist bei Lauch nicht nötig.
Direktsaat ab März ist ebenfalls möglich, liefert aber spätere Erntezeitpunkte. Bei der Direktsaat legt man die Samen in etwa 1 cm Tiefe, mit einem Reihenabstand von 25 bis 30 cm. Später wird auf 10 bis 15 cm vereinzelt.
Wer auf Jungpflanzen anziehen im Detail eingehen möchte, findet dort ausführliche Anleitungen zu Substrat, Licht und Temperatur in der Voranzucht.
Pflanzen: die Tiefsetzmethode
Das Pflanzen von Lauch ist der entscheidende Schritt für einen langen, blanchierten Schaft. Die klassische Methode nutzt ein Locheisen oder einen stabilen Stab.
Mit dem Holzpflock oder Locheisen steche ich etwa 15 cm tiefe Löcher in die vorbereitete Erde, im Abstand von 10 bis 15 cm in der Reihe und 25 bis 30 cm zwischen den Reihen. In jedes Loch setze ich eine Jungpflanze so ein, dass die Wurzeln am Boden des Lochs stehen, ohne aufzurollen. Das Loch wird dann nicht sofort aufgefüllt, sondern nur leicht angegossen. Das Wasser spült gerade so viel Erde nach, dass die Wurzeln Kontakt zum Boden bekommen; der Rest des Lochs bleibt zunächst offen.
Diese Methode hat einen konkreten Grund: Der weiße Schaft entsteht durch Lichtausschluss. Je länger der Schaft im Dunkeln wächst, desto mehr der begehrten weißen Portion entsteht. Wer zusätzlich im Laufe des Sommers noch Erde an die Pflanzen anhäufelt, verlängert diesen blassen Bereich weiter.
Die Pflanzzeit für vorgezogene Jungpflanzen liegt je nach Sorte zwischen Mitte Mai und Ende Juli.
Pflege: Gießen, Anhäufeln, Düngen
Lauch ist mäßig anspruchsvoll, braucht aber gleichmäßige Feuchtigkeit. Trockenstress führt zu zähen, holzigen Schäften; Staunässe fördert Fäulnis. Ich gieße regelmäßig, aber nicht täglich, und achte darauf, dass das Wasser nicht in den Schaftansatz gespritzt wird, da dort Fäulniserreger leichten Eintritt haben.
Anhäufeln ist die wichtigste Pflegemaßnahme für guten Lauch. Sobald die Pflanzen kräftig gewachsen sind, ziehe ich alle vier bis sechs Wochen locker Erde an die Stämme heran. So vergrößert sich der weiße Anteil nach und nach. Die Erde sollte nur locker angelegt werden, nicht fest gedrückt.
Düngung: Lauch ist ein mittlerer bis stärkerer Stickstoffzehrer. Bei gut vorbereiteter Erde mit Kompost reicht eine Startgabe beim Pflanzen. Im Laufe des Sommers gebe ich zwei- bis dreimal verdünnte Brennnesseljauche, das liefert Stickstoff, Kalium und Spurenelemente biologisch verfügbar. Kalzium ist wichtig für feste Schäfte.
Unkraut kann in den ersten Wochen nach dem Pflanzen zum Problem werden, weil Lauch langsam wächst und keine bodendeckende Blattmasse bildet. Regelmäßiges Hacken zwischen den Reihen hält Konkurrenten in Schach und hält den Boden gleichzeitig locker, was die Bewurzelung fördert.
Mischkultur und Fruchtfolge
Lauch und Möhren gehören zu den bekanntesten Mischkulturpaaren im Gemüsegarten. Der Grund ist biologisch nachvollziehbar: Der Geruch des Lauchs verwirrt die Möhrenfliege, die zur Eiablage auf olfaktorische Reize angewiesen ist. Umgekehrt halten Möhren die Lauchmotte auf Abstand. Die Pflanzen profitieren gegenseitig, ohne sich im Wachstum zu stören.
Gute Nachbarn für Lauch sind außerdem Salat, Sellerie, Tomaten und Kohlrabi. Schlechte Nachbarn sind alle anderen Alliumgewächse, also Zwiebeln, Knoblauch und Schnittlauch, sowie Bohnen und Erbsen, die Lauch im Wachstum hemmen können.
Die Begleitpflanzen im Gemüsegarten systematisch zu planen ist generell lohnend.
Schädlinge und Krankheiten
Die häufigste Schädlingsgefahr beim Lauch ist die Lauchmotte (Acrolepiopsis assectella), deren Larven Fraßgänge in die Blätter und den Schaft bohren. Befallene Pflanzen zeigen welke, ausgebissene Blätter. Die wichtigste Gegenmaßnahme ist Kulturschutzgitter, das Anfang April bis Juni über den Beeten ausgelegt wird. Engmaschige Netze halten die Falter wirksam von der Eiablage ab.
Blattläuse befallen Lauch selten direkt, aber bei großem Befallsdruck in der Umgebung können Blattlauskolonien auch auf Alliumgewächse übergreifen. Ein kräftiger Wasserstrahl reicht meistens.
Beim Lauchrost habe ich bereits in den Häufigen Fragen aufgeführt, was zu tun ist. Außerdem kann Lauch vom Falschen Mehltau (Peronospora destructor) befallen werden, der als gräulich-violetter Belag auf den Blättern erscheint. Feucht-kühles Wetter im Herbst begünstigt diesen Erreger. Gute Luftzirkulation durch ausreichenden Pflanzabstand ist die beste Vorbeugung.
Ernte
Frühlauch ist erntereif, sobald der Schaft einen Durchmesser von etwa 2 cm erreicht hat. Die Ernte erfolgt durch vorsichtiges Lockern der Erde mit einer Grabgabel und anschließendes Herausziehen. Bei zu fester Erde bricht der Schaft sonst ab.
Herbst- und Winterlauch können bedarfsgerecht geerntet werden. Das ist einer der großen Vorteile: Der Garten wird zum Frischlager. Bei Frost gibt der Lauch oft sogar nach, weil Kältestress die Zellen dazu veranlasst, Stärke in Zucker umzuwandeln. Der Geschmack wird milder und komplexer.
Im Boden kann Lauch bis Frühjahr stehen bleiben, solange er nicht zu schossen beginnt. Bei anhaltender Kälte empfehle ich eine leichte Abdeckung mit Vlies oder Reisig.
Häufige Fragen
Wie verhindere ich Lauchrost? Lauchrost (Puccinia allii) zeigt sich als orangefarbene Pusteln auf den Blättern. Er überträgt sich durch Windsporen und befällt bevorzugt geschwächte Pflanzen in feucht-warmem Wetter. Die beste Vorbeugung ist Fruchtfolge (keine Alliumgewächse am selben Ort in drei bis vier Jahren), ausreichender Abstand zwischen den Pflanzen und Vermeidung von Überkopfbewässerung. Befallene Blätter entfernen und in den Kompost geben.
Kann ich Lauch im Topf anbauen? Frühlauch lässt sich in tiefen Töpfen (mindestens 30 cm Tiefe) gut kultivieren. Winter- und Herbstlauch braucht mehr Wurzeltiefe und reagiert in Töpfen empfindlicher auf Trockenheit und Frost.
Wann ist Lauch zu schossen begonnen, und ist er dann noch essbar? Wenn der Lauch einen Blütenstand entwickelt, bildet er im Inneren des Schaftes einen harten Blütenstrunk. Der Rest des Schaftes ist dann holziger und weniger aromatisch, aber noch verwendbar, solange der Strunk nicht zu weit entwickelt ist. Solche Pflanzen erntet man am besten sofort.
Wie lange ist geernteteter Lauch haltbar? Im Kühlschrank hält sich gewaschener Lauch gut eine Woche. Ungewaschen und im kühlen Keller oder in einem Eimer mit feuchtem Sand kann er mehrere Wochen lagern. Er lässt sich blanchiert auch gut einfrieren.
