Kohlrabi: Ein unterschätztes Gemüse mit großer Bandbreite
Kohlrabi anbauen gehört zu den lohnendsten Entscheidungen im Gemüsegarten, denn diese Pflanze vergibt viele Anfängerfehler und liefert trotzdem zuverlässig. Wer im April die ersten Jungpflanzen ins Beet setzt, kann bereits sechs bis acht Wochen später ernten. Kein anderes Kohlgewächs ist so unkompliziert.
Botanisch gehört Kohlrabi (Brassica oleracea var. gongylodes) zur Familie der Kreuzblütler (Brassicaceae), zusammen mit Rotkohl, Brokkoli, Radieschen und Senf. Was sich nach einer harmlosen Verwandtschaft anhört, hat direkte Auswirkungen auf Ihre Kulturfolge: Alle Brassicaceae teilen dieselben Schädlinge und bodenbürtigen Pilzkrankheiten. Diese Verwandtschaft bestimmt, wo Sie Kohlrabi pflanzen dürfen und wo besser nicht.
Das Besondere an Kohlrabi ist die stark verdickete Sprossachse, die sich oberhalb des Bodens bildet. Es handelt sich nicht um eine Knolle im botanischen Sinn, sondern um einen Hypokotylknollen, also eine Verdickung des Stängelteils. Dieses Speicherorgan enthält reichlich Vitamin C, Kalium und Glucosinolate. Letztere sind schwefelhaltige Verbindungen, die der Pflanze ihren charakteristischen Geschmack verleihen und im menschlichen Körper antioxidativ wirken.
Schon in der Mitte des 16. Jahrhunderts wurde Kohlrabi in deutschen Gärten beschrieben, und bis heute hat er sich als fester Bestandteil der regionalen Küche gehalten. Die Vielseitigkeit in der Küche ist ein weiterer Grund für seine Beliebtheit: roh geraspelt als Salat, gedünstet als Beilage, gefüllt und überbacken als Hauptgericht. Die botanische Verschiedenartigkeit innerhalb der Art Brassica oleracea ist übrigens bemerkenswert, denn Kohlrabi teilt seinen Artnamen mit Weißkohl, Rotkohl, Wirsing, Rosenkohl, Grünkohl und Brokkoli, alle diese Gemüsearten sind durch gezielte Selektion aus einer einzigen Wildpflanze entstanden.
1. Kohlrabi-Sorten: Welche passt zu Ihrem Garten?
Die Sortenwahl entscheidet maßgeblich über Erntezeitpunkt, Geschmack und Lagerfähigkeit. Kohlrabi wird in zwei Farben angeboten: hellgrün und violett. Der Farbunterschied liegt in den Anthocyanen der Schale, das Fruchtfleisch ist bei beiden Farben cremeweiß.
Frühe Sorten (Ernte ab Juni bei Vorkultur):
- ‘Korist’ und ‘Logo’: bewährte Frühsorten mit zartem Fleisch, erreichen Erntereife in rund 55 Tagen nach der Pflanzung
- ‘Azure Star’: violette Frühsorte, auffällig im Beet und deutlich süßer als grüne Vergleichssorten
- ‘Blaro’: violett, mittelfrüh, besonders widerstandsfähig gegen Schossneigung bei Kälterückschlägen
Mittlere und späte Sorten:
- ‘Superschmelz’: hellgrün, kann auf bis zu drei Kilogramm Gewicht heranwachsen, ohne holzig zu werden. Diese Varietät verändert die übliche Regel, Kohlrabi nur bis acht Zentimeter wachsen zu lassen. Trotzdem sollte man ihn rechtzeitig ernten, wenn die Knollen Spannungsrisse zeigen.
- ‘Gigant’ und ‘Winner’: große, spätreife Sorten mit ausgeprägter Hitzeverträglichkeit
Für Erstanbauerinnen und Erstanbauer empfehle ich, beide Farben nebeneinander zu pflanzen, einmal ‘Korist’ (grün) und einmal ‘Azure Star’ (violett). So bekommen Sie ein Gefühl für unterschiedliche Wachstumsgeschwindigkeiten, und der Geschmacksvergleich ist aufschlussreich.
2. Kohlrabi vorziehen und pflanzen: Der richtige Zeitpunkt
Kohlrabi lässt sich sowohl vorziehen als auch direkt aussäen. Beide Wege führen zum Ziel, sie unterscheiden sich vor allem im Zeitplan.
Vorkultur im Haus:
Ab Mitte Februar können Sie die erste Aussaatrunde im Haus starten. Die Keimtemperatur liegt bei 18 bis 20 Grad Celsius, bei dieser Temperatur erscheinen die ersten Keimlinge nach sieben bis zehn Tagen. Verwenden Sie kleine Multitopfplatten oder Einzeltöpfe mit mindestens 5 cm Durchmesser, damit sich die Wurzeln ausreichend entwickeln können.
Für die Vorkultur eignet sich ein Fensterbank-Frühbeet hervorragend. Halten Sie die Substrattemperatur konstant und vermeiden Sie Staunässe im Anzuchtgefäß, da Kohlrabi-Keimlinge auf Pilzkrankheiten wie die Umfallkrankheit (Pythium spp.) reagieren. Sobald die Jungpflanzen vier bis sechs echte Laubblätter ausgebildet haben, können sie nach draußen.
Auspflanzen ins Freiland:
Ab Mitte April, wenn keine starken Nachtfröste mehr zu erwarten sind, pflanzen Sie die Jungpflanzen ins Beet. Der optimale Pflanzabstand beträgt 25 mal 25 Zentimeter. Bei engerer Pflanzung bleiben die Knollen kleiner, bei weiterer Pflanzung nehmen die Pflanzen mehr Fläche in Anspruch, als ihr Ertrag rechtfertigt.
Setzen Sie die Pflanze so tief, dass der Wurzelballen vollständig bedeckt ist, aber die zukünftige Knolle gerade über der Erdoberfläche bleibt. Zu tiefes Pflanzen fördert Fäulnis und verhindert die typische oberirdische Knollenbildung.
Wer keine Vorkultur betreibt, sät Kohlrabi ab April direkt ins Beet, in Reihen von 25 bis 30 Zentimetern Abstand. Sätze von zwei bis drei Wochen ermöglichen eine gestaffelte Ernte bis in den September.
3. Standort und Boden
Kohlrabi wächst an sonnigen bis halbschattigen Standorten. Bei starker Beschattung bildet die Pflanze zwar üppige Blattmasse, die Knolle bleibt aber klein und der Zuckergehalt sinkt merklich.
Bodenanforderungen:
Der optimale pH-Wert liegt zwischen 6,0 und 7,0. Bei pH-Werten unter 5,8 leidet die Phosphatverfügbarkeit, und die Pflanzen zeigen gelbliche Verfärbungen an den älteren Blättern. Saure Böden begünstigen außerdem die Kohlhernie (Plasmodiophora brassicae), eine der gefürchtetsten Krankheiten bei Kreuzblütlern überhaupt.
Der Boden sollte tiefgründig, gleichmäßig feucht und humusreich sein. Ein hoher Humusanteil verbessert die Wasserspeicherkapazität und versorgt die Pflanze mit Stickstoff über die Mineralisation organischer Substanz. Staunässe verträgt Kohlrabi nicht. Auf schweren Tonböden lohnt es sich, vor der Pflanzung etwas Sand oder reifen Kompost einzuarbeiten.
Kulturfolge und Fruchtfolge:
Pflanzen Sie Kohlrabi niemals nach anderen Brassicaceae. Das schließt Kohl aller Art, Radieschen, Rettich, Senf und sogar Brunnenkresse ein. Diese Kulturfolge öffnet die Tür für Kohlhernie, Kohlfliegenmaden und spezifische Pilzerkrankungen, die jahrelang im Boden persistieren können.
Gute Vorkulturpflanzen für Kohlrabi sind Hülsenfrüchte wie Erbsen und Bohnen sowie Kartoffeln oder Zwiebeln. Planen Sie mindestens drei Jahre ein, bevor Sie Kohlrabi oder andere Kreuzblütler wieder an denselben Standort setzen.
4. Kohlrabi pflegen: Gießen, Düngen, Hacken
Kohlrabi stellt keine übermäßigen Ansprüche an die Pflege, reagiert aber empfindlich auf Wasserstress. Das Wissen darüber verhindert den häufigsten Fehler, den ich in Versuchsgärten und Heimgärten immer wieder beobachte: holzige, bittere Knollen.
Wasserbedarf:
Gleichmäßige Bodenfeuchte ist entscheidend. Wenn Kohlrabi in trockenen Perioden zu wenig Wasser bekommt und danach plötzlich reichlich Niederschlag erhält, reagiert die Knolle mit Wachstumsrissen oder bildet harte, holzige Fasern. Beides ist irreversibel.
Gießen Sie morgens, so dass die Blätter bis zum Abend abgetrocknet sind. Das vermindert das Risiko von Blattkrankheiten wie Falscher Mehltau (Peronospora parasitica). Als Faustregel gilt: Bei trockener Witterung alle zwei bis drei Tage gründlich wässern, lieber seltener und dafür reichlich, als täglich wenig.
Düngung:
Kohlrabi gehört zu den Mittelzehrern, sein Stickstoffbedarf liegt im mittleren Bereich. Als Grunddüngung vor der Pflanzung empfiehlt sich reifer Kompost, rund drei bis vier Liter pro Quadratmeter. Wer auf dem Beet bereits eine stickstoffzehrende Vorfrucht wie Kohl oder Mais hatte, gibt zusätzlich eine Handvoll Horn-Späne oder organischen Stickstoffdünger.
Überdüngung mit Stickstoff fördert üppiges Blattwachstum auf Kosten der Knolle und erhöht den Nitratgehalt im Erntegut. Organische Düngung ist daher synthetischen Stickstoffdüngern klar vorzuziehen.
Hacken und Unkrautmanagement:
Halten Sie die Beetoberfläche in der Wachstumsphase locker. Oberflächliches Hacken zwischen den Pflanzenreihen verbessert die Belüftung des Bodens, verringert Verdunstung und unterdrückt Unkräuter, ohne das flache Wurzelsystem zu beschädigen. Ein bis zwei Zentimeter Tiefe reicht vollkommen aus.
5. Kohlrabi ernten: Wann und wie?
Der Erntezeitpunkt ist bei Kohlrabi kritischer als bei vielen anderen Gemüsearten. Warten Sie zu lange, wird die Knolle holzig. Das Erkennen des richtigen Moments ist eine Fähigkeit, die sich nach wenigen Saisons von selbst einstellt.
Optimaler Erntezeitpunkt:
Ernten Sie, wenn die Knolle einen Durchmesser von fünf bis acht Zentimetern erreicht hat. Das lässt sich durch visuellen Vergleich mit einer ausgestreckten Hand gut abschätzen, ein Knolle in der Größe einer Tennisball ist die Orientierungsgröße. Bei der Sorte ‘Superschmelz’ dürfen es ruhig zwölf bis fünfzehn Zentimeter sein.
Harte, gespannte Schale und sichtbare Risse sind Zeichen, dass die Knolle überreif ist. Leichte Druckprobe: Die Schale sollte leicht nachgeben, ohne sofort einzudellen.
Schneiden Sie die Knolle knapp oberhalb des Bodens ab, lassen Sie ein paar Blätter stehen, da diese die Frische im Kühlschrank verlängern.
Frisch geernteter Kohlrabi hält sich im Gemüsefach des Kühlschranks ein bis zwei Wochen. Für die Langzeitlagerung eignet er sich weniger, da der Zuckergehalt mit der Zeit sinkt und die Textur leidet. Wer größere Mengen erntet, kann Kohlrabi blanschieren und einfrieren, in Würfeln von etwa zwei Zentimetern, drei Minuten in sprudelndem Wasser blanchieren, abschrecken, trockentupfen und in Gefrierbeuteln einfrieren. So gelagert hält er bis zu zwölf Monate.
Die Blätter sind essbar und enthalten mehr Vitamin C als die Knolle selbst. Junge Blätter lassen sich wie Spinat zubereiten. Ältere, etwas zähere Blätter eignen sich für Gemüsebrühen. Werfen Sie diese Blätter also nicht weg.
Schädlinge und Krankheiten:
Kohlrabi ist robuster als viele andere Kohlgewächse, aber nicht unverwundbar. Der häufigste tierische Schädling ist die Kohlfliege (Delia radicum), deren Larven die Wurzeln befallen. Schützen Sie die Jungpflanzen in den ersten vier Wochen nach der Pflanzung mit einem feinmaschigen Insektenschutznetz. Schnecken schätzen die jungen Blätter, besonders nach Regenperioden. Nützlinge wie Laufkäfer helfen bei der natürlichen Regulierung.
Die wichtigste Pflanzenerkrankung ist die Kohlhernie, erkennbar an aufgeblähten Wurzelgallen und welkenden Pflanzen bei feuchtem Boden. Befallene Pflanzen sofort entfernen und nicht kompostieren, da die Dauersporen jahrelang keimfähig bleiben. Saurer Boden begünstigt die Krankheit; regelmäßiges Kalken auf pH 7,0 bis 7,2 wirkt vorbeugend.
6. Mischkultur und Anbau im Hochbeet
Kohlrabi profitiert von gut geplanter Mischkultur. Die Kombination mit bestimmten Partnerpflanzen verbessert die Raumnutzung und kann Schädlinge verwirren.
Gute Nachbarn:
- Blattsalate und Feldsalat: niedrig, füllen den Raum zwischen den Kohlrabipflanzen, ohne um Wasser zu konkurrieren
- Spinat: ähnliche Ansprüche, Ernte vor der Hauptkultur möglich
- Gurken und Zucchini: wachsen in andere Richtungen, keine Konkurrenz
- Dill und Kapuzinerkresse: sollen Kohlweißlinge auf Distanz halten, für diese Wirkung gibt es Hinweise aus der Praxiserfahrung, aber keine kontrollierten Studien
Ungünstige Nachbarn:
- Alle anderen Kreuzblütler: Kohl, Radieschen, Senf, Rettich
- Zwiebeln und Knoblauch: hemmen nach manchen Erfahrungsberichten das Wachstum, der Effekt ist allerdings nicht eindeutig belegt
Die biologische Begründung für das Mischkultursystem liegt in der unterschiedlichen Nutzung von Ressourcen. Tiefwurzelnde Pflanzen erschließen andere Bodenhorizonte als Flachwurzler wie Kohlrabi. Pflanzen mit starken ätherischen Ölen, also Dill oder Kapuzinerkresse, können geruchsempfindliche Schädlinge irritieren. Ob das für Kohlweißlinge in Ihrem Garten spürbare Auswirkungen hat, müssen Sie durch eigene Beobachtung herausfinden.
Weitere Ideen für sinnvolle Pflanzenkombinationen finden Sie im Artikel über Mischkultur planen.
Anbau im Hochbeet:
Kohlrabi ist für das Hochbeet ausgezeichnet geeignet. Die lockere, gut drainierte Erdmischung im Hochbeet entspricht genau den Bodenbedingungen, die Kohlrabi bevorzugt. Die erhöhte Substrattemperatur im Frühjahr fördert schnelleres Wachstum, und die Schneckengefahr ist im Hochbeet deutlich geringer als im Freilandbeet.
Für ein Standardhochbeet von 120 mal 80 Zentimetern passen problemlos zwölf Kohlrabipflanzen, wenn Sie den empfohlenen Pflanzabstand von 25 mal 25 Zentimetern einhalten. Kombinieren Sie mit Radieschen als Lückenfüller oder mit niedrig wachsenden Kräutern wie Petersilie am Rand.
Im Container ist Kohlrabi ebenfalls möglich, das Behältervolumen sollte jedoch mindestens acht Liter pro Pflanze betragen, damit sich die Wurzeln ausreichend entfalten können und der Wasserhaushalt stabil bleibt.
Fazit: Kohlrabi verdient einen festen Platz im Beet
Kohlrabi anbauen lohnt sich für jedes Beet, vom kleinen Stadtgarten bis zum großen Nutzgarten. Die kurze Kulturdauer, die Toleranz gegenüber kühlem Frühjahrsklima und das breite Sortenangebot machen diese Pflanze flexibel planbar. Wer die Kulturfolge respektiert und gleichmäßig gießt, wird mit zarten, aromatischen Knollen belohnt, die weit mehr hergeben als das, was man im Supermarkt findet.
Beginnen Sie jetzt, in der ersten Aprilwoche, mit der Pflanzung vorgezogener Setzlinge. Eine erste Ernte im Mai ist realistisch. Eine zweite Saatrunde im Juni verlängert die Erntesaison problemlos bis in den September.
