Zwei hölzerne Regentonnen im Garten, umgeben von Grünpflanzen

Regentonne aufstellen – Regenwasser clever nutzen

· 5 Min. Lesezeit

Warum eine Regentonne die beste Investition für den Garten ist

Leitungswasser kostet Geld. Im Sommer, wenn du täglich gießt, merkst du das auf der Wasserrechnung. Regenwasser dagegen fällt kostenlos vom Himmel, ist unbehandelt, kalkarm und genau das, was deine Pflanzen mögen. Tomaten, Bohnen, Gurken: die trinken alle lieber Regen als gechlort aufbereitetes Leitungswasser.

Dazu kommt: In Trockenperioden, wenn viele Gärtner mit dem Schlauch draufgehen, hast du eine eigene Reserve. Das fühlt sich gut an.

Eine 300-Liter-Tonne füllt sich bei einem normalen Regentag in Mitteleuropa fast komplett. Dein Dach ist eine riesige Auffangfläche, die du bisher einfach ignoriert hast. Das ändert sich jetzt.

Was du brauchst

Erstmal das Material. Das Grundsetup ist überschaubar:

  • Regentonne oder Regenwassertank, mindestens 150 Liter, besser 300 bis 500 Liter. Je größer, desto länger überbrückst du Trockenphasen.
  • Regensammler mit Sieb: das Verbindungsstück, das ins Fallrohr eingebaut wird und Laub herausfiltert.
  • Hahn oder Zapfhahn: die meisten Tonnen kommen mit einem, sonst separat kaufen.
  • Überlaufschlauch: damit das Wasser bei vollem Behälter nicht unkontrolliert wegläuft.
  • Unterstellklotz oder Palette: erhöhter Stand gibt Druckgefälle beim Abzapfen.
  • Schlauch oder Gießkanne zum Anschließen.

Werkzeug brauchst du nicht viel: Säge oder Stichsäge für das Fallrohr, eventuell Bohrmaschine für den Hahn, Wasserwaage. Das war’s.

Schritt 1: Den richtigen Standort wählen

Die Tonne muss ans Fallrohr. Klingt banal, ist aber der entscheidende Punkt. Nicht jede Ecke des Hauses eignet sich gleich gut.

Dachfläche in der Nähe: Größere Dachfläche sammelt mehr Wasser. Ein kleines Garagendach liefert deutlich weniger als das Hauptdach. Wenn du die Wahl hast, nimm das größere.

Nähe zum Gartenbeet: Nützt dir wenig, wenn die Tonne 30 Meter vom Beet entfernt steht und du die Gießkanne schleppen musst. Schlauch geht, aber kurze Wege sind angenehmer.

Stabiler, ebener Untergrund: Die volle Tonne wiegt 200 bis 500 Kilogramm. Kein Spaß, wenn die auf weichem Boden kippt. Betonplatte, Pflaster oder ein selbst gelegtes Fundament aus Gehwegplatten funktionieren gut.

Erhöhter Stand: Stell die Tonne auf einen Klotz, Paletten oder ein Mauersteinfundament von mindestens 30 Zentimetern Höhe. Damit kannst du problemlos eine Gießkanne drunter halten und hast genug Druckgefälle, um auch einen Gartenschlauch anzuschließen.

Nahaufnahme eines Wasserhahns im Garten, ein Tropfen fällt von der Öffnung
Der Zapfhahn sitzt idealerweise 10 bis 15 cm über dem Tonnenboden, so bleibt Sediment unten.

Schritt 2: Fallrohr vorbereiten und anschließen

Das ist der handwerkliche Teil. Klingt komplizierter als es ist.

Was ist ein Regensammler?

Ein Regensammler ist ein T-Stück, das du ins Fallrohr einbaust. Es leitet Regenwasser in die Tonne, sobald genug fließt. Wenn die Tonne voll ist oder kein Regen kommt, fließt das Wasser normal weiter durch das Fallrohr ab. Kein Aufwand, keine manuelle Steuerung.

So geht es

  1. Messe die Rohrdurchmesser. Die meisten Fallrohre in Deutschland haben 70 oder 100 mm Durchmesser. Kaufe den passenden Regensammler.

  2. Markiere die Schnittlinie. Halte den Regensammler ans Rohr und markiere, wo du schneidest. Meist werden 8 bis 12 cm Rohr entfernt.

  3. Säge das Fallrohr durch. Stichsäge oder Handsäge. Bei Kunststoffrohren geht das einfach. Entgrate die Schnittkanten.

  4. Setze den Regensammler ein. Oben und unten in die Rohrenden schieben, sichern. Das Schlauchstück, das zur Tonne führt, oben in die Tonne legen.

  5. Überlaufschlauch anschließen. Den Überlaufanschluss oben an der Tonne mit einem Schlauch versehen, der das überschüssige Wasser ableitet, in eine Rabatte, einen Graben oder zurück ins Erdreich.

Muss nicht perfekt sein. Ein kleiner Spalt am Regensammler ist kein Drama, solange das Wasser reinläuft und nicht daneben.

Schritt 3: Hahn und Abzweiger einbauen

Die meisten Tonnen haben schon ein Loch für den Hahn. Wenn nicht, bohrst du eines, etwa 10 bis 15 Zentimeter über dem Tonnenboden. Warum nicht ganz unten? Sediment, Sand und Blattteile setzen sich am Boden ab, die willst du nicht im Beet haben.

Hahn einschrauben, Dichtung nicht vergessen. Handfest anziehen, kein Werkzeug nötig, sonst riskierst du Risse im Kunststoff.

Wer mehr will: Manche bauen zwei Tonnen in Reihe. Die erste füllt sich, der Überlauf geht in die zweite. 600 Liter Reserve, fast kein Mehraufwand. Dafür verbindest du beide Tonnen mit einem Schlauch am Überlaufanschluss.

Schritt 4: Sieb einbauen und Mücken verhindern

Stehendes Wasser ist ein Mückenparadies. Das willst du nicht. Zwei Maßnahmen helfen:

Siebdeckel: Gute Regentonnen haben einen integrierten Deckel mit feinem Sieb, der Laub rausfiltert und Mücken draußen hält. Falls nicht vorhanden, besorge einen separat oder spanne ein engmaschiges Netz über die Öffnung.

Keine offenen Wasseroberflächen: Die Tonne sollte immer abgedeckt sein. Wenn dein Regensammler keinen Deckel hat, bastel dir einen aus einem alten Eimer.

Das Wasser ist für den Garten gedacht, nicht als Brutplatz für Stechmücken. Einmal korrekt aufgestellt, brauchst du das nie wieder anzufassen.

Wie viel Wasser sammelst du eigentlich?

Kleine Rechnung. Deine Regentonne ist ein System, das vom Dach trinkt.

Formel: Dachfläche (m²) × Niederschlag (mm) × 0,8 = Liter Wasser

Beispiel: Ein Garagendach mit 30 m² Grundfläche bei 20 mm Regen ergibt 30 × 20 × 0,8 = 480 Liter. Eine 300-Liter-Tonne ist nach so einem Regentag voll.

In Berlin fallen im Schnitt 570 mm Regen pro Jahr, in München um die 900 mm. Selbst mit einem kleinen Dach sammelst du im Laufe der Saison mehrere tausend Liter. Das ist keine unbedeutende Menge, und sie fällt gratis vom Himmel.

Typische Fehler beim Aufstellen

Tonne direkt auf den Boden gestellt. Dann kannst du keine Gießkanne drunter halten. Fundament ist Pflicht.

Kein Überlaufschutz. Tonne läuft voll, Wasser steht um die Tonne herum, Fundament wird unterspült. Überlaufschlauch von Anfang an anschließen.

Schlechtes Sieb. Ohne Sieb schwimmt Laub im Wasser, verstopft den Hahn, und Mücken brüten. Regensammler mit integriertem Sieb kaufen.

Standort zu nah am Haus. Wenn der Überlaufschlauch zu kurz ist und das Wasser direkt am Hausfundament abfließt, wird das auf Dauer ein Problem. Schlauch verlängern, Wasser ins Beet oder in die Wiese leiten.

Im Winter vergessen. Wasser dehnt sich beim Einfrieren aus. Leere die Tonne vor dem ersten Frost. Hahn öffnen, komplett entleeren, Deckel abnehmen, damit Restwasser verdunstet. Wer das einmal vergessen hat, weiß warum das wichtig ist.

Welche Tonne passt zu dir?

Kleine Gärten oder Balkon: 100 bis 200 Liter. Auch als Amphore oder Weinfasslook erhältlich, wenn du keinen Industriekunststoff im Sichtbereich willst.

Normale Hausgärten: 300 bis 500 Liter. Das Standardformat, preislich gut, ausreichend Reserve für eine Woche Trockenheit.

Große Gemüsegärten oder Selbstversorger: Ab 750 Liter oder unterirdische Zisternen. Zisternen fangen mehr Wasser und halten es kühler, aber der Aufwand beim Einbau ist deutlich höher.

Wenn du mehrere Beete bewässern willst, ist ein größeres Volumen sinnvoll. Für ein normales Hochbeet oder ein paar Tomatenpflanzen reicht eine 300-Liter-Tonne locker.

Pflege über die Saison

Aufgestellt ist schnell. Aber einmal im Jahr solltest du kurz draufschauen.

Im Frühjahr: Tonne kontrollieren, ob Hahn dicht ist, Sieb reinigen, Überlaufschlauch auf Verstopfungen prüfen. Das dauert zehn Minuten.

Im Sommer: Wenn das Wasser grün wird und nach Algen riecht, ist das ein Zeichen, dass Licht reinkommt. Dunkle Tonnen haben das Problem weniger. Bei transparenten oder hellen Behältern: Tonne mit altem Sackleinen oder Jutesack umwickeln, fertig. Algen im Gießwasser sind harmlos, aber das Rühren nach Mückenlarven schadet nicht.

Im Herbst: Ab Oktober lohnt es sich, die Füllhöhe im Blick zu behalten. Wenn du weißt, dass Frost kommt und die Tonne noch voll ist, gieß die Reserve einfach aufs Beet oder in den Kompost. Dann hast du gleich gedüngt und die Tonne ist leer.

Nach dem Frost: Kurz kontrollieren, ob Risse entstanden sind. Kleine Haarrisse im Kunststoff kann man mit Dichtmasse reparieren. Wenn die Tonne eine größere Beschädigung hat, besser ersetzen.

Kann ich Regenwasser auch an eine Tropfbewässerung anschließen?

Ja, und das ist der nächste logische Schritt. Wenn du schon ein Tropfschlauch-Setup hast, kannst du die Regentonne direkt daran anschließen. Voraussetzung: Die Tonne steht hoch genug, damit Druckgefälle entsteht. Für Tropfschläuche reichen schon 50 bis 80 Zentimeter Höhe.

Für Sprühköpfe oder Beregnungsanlagen mit Düsen brauchst du eine kleine Pumpe dazwischen. Das ist ein separates Projekt, aber machbar. Manche Leute fahren den ganzen Sommer mit Regenwasser, ohne je einen Leitungswasserschlauch anzuschließen. Bei genug Dachfläche ist das realistisch.

Gutes Regenwasser, bessere Ernte

Kalkfreies Regenwasser macht einen echten Unterschied. Erdbeeren und Kräuter reagieren empfindlich auf hartes Leitungswasser. Tomaten und Paprika wachsen mit Regenwasser gleichmäßiger, die Früchte platzen seltener auf.

Ob das am Kalk liegt oder daran, dass Regenwasser näher an der Umgebungstemperatur ist und die Wurzeln nicht schockt, sei dahingestellt. Es funktioniert, das reicht mir.

In trockenen Sommern wie 2018 oder 2022 war ich froh über jeden Liter Reserve. Nachbarn mit vollem Schlauch und leerer Seele, ich mit voller Tonne und ruhigem Gewissen. Das war’s wert.

Eine Regentonne aufstellen dauert einen halben Nachmittag. Loslegen.


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