Gurken wachsen vertikal am Spalier im Gewächshaus
Gemüse

Gurken im Gewächshaus anbauen: Von der Aussaat bis zur Ernte

· 5 Min. Lesezeit

Gurken im Gewächshaus: Erntereichtum unter Glas

Gurken unter Glas angebaut sind ein Traum für jeden Gärtner: Lange Erntesaison, höhere Erträge als im Freiland, und das Gewächshaus-Klima verhindert viele typische Krankheiten. In diesem Leitfaden erfahren Sie, wie Sie optimale Bedingungen schaffen und mit durchdachter Planung über viele Wochen hinweg Ernte für Ernte einfahren.

Warum das Gewächshaus für Gurken ideal ist

Gurken lieben Wärme, Feuchtigkeit und – paradox – trockene Blätter. Das Gewächshaus bietet genau das:

  • Stabile Temperatur (20–30 °C für Wachstum, ideale Reife bei 25 °C)
  • Schutz vor Regen (nasse Blätter führen zu Mehltau und Fleckenbildung)
  • Längere Kulturdauer (ab Mai bis Oktober ist möglich, im ungeheizten GH)
  • Höhere Erträge (bis 4–5x mehr als im Freiland)
  • Spezialisierung: Viele Sorten sind nur für Gewächshausanbau gezüchtet

Vorbereitung: Frühbeet oder Folientunnel?

Viele Gärtner nutzen Hochbeet mit Frühbeetaufsatz oder Folientunnel-Konstruktion auf dem Hochbeet. Das ist praktisch, platzsparend und moderiert Temperaturspitzen.

Gurkenpflanzen wachsen im Gewächshaus
Schlangengurken im Gewächshaus brauchen keine Bestäubung – selbstfruchtend.

Hochbeet-Dimensionen

  • Breite: 1,2–1,5 m (bequem von beiden Seiten zu erreichen)
  • Tiefe: 80–100 cm (für gutes Wurzelwachstum)
  • Länge: Je nach Platz
  • Neigung: Leicht nach Süden ausgerichtet (für Sonneneinstrahlung)

Boden vorbereiten

Der Boden sollte:

  • Nährstoffreich sein (Gurken sind Starkzehrer)
  • Gut drainiert (Staunässe führt zu Wurzelfäule)
  • Lockerer Struktur (min. 30 cm gute Erde, darunter Drainage-Schicht)
  • Mit Kompost/Mist angereichert (beim Befüllen des Hochbeets 30–40 % reife Komposte oder Stallmist einarbeiten)

Vor der Pflanzung: Mit 2–3 Wochen Vorlauf das Hochbeet befüllen, damit es sich setzt und die Erde stabilisiert.

Sortenauswahl: Gurken, Cornichons oder Snack?

Gurkensorten für das Gewächshaus

Frische Gurken hängen im Gewächshaus am Rankgitter
Im Gewächshaus können Gurken bereits ab Juni geerntet werden.
  • Dominica (F1-Hybrid): Ertragreich, schnelle Reifung (55–60 Tage), mittellang, süßlich aromatisch. Ideal für Anfänger.
  • Picolino (F1-Hybrid): Kleine Snack-Gurke, extrem ertragreich, schnelle Reifung (50 Tage), perfekt für Rankgitter.
  • Sonja (F1-Hybrid): Deutsche Klassiker, robust, gute Resistenz gegen Mehltau, mittellang.
  • Tondo di Parma (Sorte): Runde italienische Gurke, Spezialität, interessant für experimentelle Gärtner, längere Reifezeit.

Faustregel: Hybrid-Sorten (F1) bringen 20–30 % mehr Ertrag als Sorten, brauchen aber gleichmäßigere Bedingungen.

Ertragserwartungen

Bei optimalen Bedingungen:

  • Dominica: 10–15 Gurken pro Pflanze, ca. 1 kg Ertrag pro Pflanze über 8–10 Wochen
  • Picolino: 20–30 Gurken pro Pflanze (wegen Größe), ähnlicher Gesamtertrag
  • Mit 4–5 Pflanzen pro 1,2 m breitem Hochbeet: 4–6 kg Gurken aus 1 Hochbeet in der Saison

Aussaat und Anzucht

Direktaussaat oder Vorkultivierung?

Gurkenpflanze wird im Gewächshaus ausgeizen
Bei Gewächshausgurken Seitentriebe regelmäßig entfernen.

Direktaussaat im Hochbeet: Einfacher, aber die Pflanzen entwickeln sich langsamer.
Vorkultivierung (ab April): 3–4 Wochen Vorlauf, dann sind die Sämlinge schon kräftig.

Wenn Vorkultivierung:

  • Aussaat ab April in 8 cm Töpfchen
  • Temperatur: 20–25 °C (unter Folie oder auf der Fensterbank)
  • Nach Keimung: Folie runter, kühl halten (18 °C), um nicht zu spindelig zu werden
  • Abhärten ab Mitte Mai: Sämlinge tagsüber raus, damit Stamm stabiler wird
  • Auspflanzung: Wenn mind. 2–3 echte Blätter da sind (nicht die Keimblätter zählen), ca. 4–5 Wochen alt

Direktaussaat ins Hochbeet

  • Aussaat ab Mitte Mai (wenn Bodenwärmung abgeklungen ist, mind. 12 °C Bodentemperatur)
  • 2–3 Samen pro Loch in 50 cm Abstand; später auf stärkste Pflanze reduzieren
  • Mit Vlies oder Folie abdecken bis zum Keimen
  • Nach Keimung lüften (nicht überwärmen)

Kultur: Temperatur, Belüftung, Bewässerung

Temperatur und Lüftung

Gurken brauchen:

  • Minimal 12 °C (unter dieser Temperatur stagniert Wachstum)
  • Optimal 20–25 °C für vegetatives Wachstum
  • Ideal 25 °C für Blüte und Fruchtentwicklung
  • Maximal 35 °C (über dieser Temperatur fallen Blüten ab)

Belüftung ist essentiell:

  • Täglich morgens (ab 7–8 Uhr) lüften
  • Fenster/Türen tagsüber offen halten, wenn > 20 °C
  • Dies verhindert:
    • Echten Mehltau (liebt trockene Luft, wird durch Lüften aber auch nicht völlig verhindert)
    • Grauschimmel und Botrytis
    • Staunässe an den Blättern

Bewässerung

Gurken brauchen viel Wasser, aber nicht auf den Blättern.

Ideal: Drip-Bewässerung (Tröpfchenschlauch direkt am Boden entlang)

  • Morgens gießen (5–6 Uhr), damit Blätter trocknen
  • Durchfeuchten: Oberstes Drittel des Substrats sollte nicht austrocknen
  • In Hitze (>25 °C) täglich gießen; in kühlen Phasen 2–3× pro Woche

Ohne Tröpfchenschlauch:

  • Mit Gießkanne gießen, direkt zum Wurzelhals
  • Sehr früh morgens (nicht abends – nasse Blätter über Nacht = Pilzkrankheiten)
  • Wasser nicht kalt (ideal 18–20 °C, nicht 8 °C aus der Leitung)

Mulchen:

  • 3–5 cm Strohschicht um die Pflanze (nicht direkt am Stamm)
  • Hält Bodenfeuchte stabil
  • Unterdrückt Unkraut

Kulturmaßnahmen: Ausgeizen und Rankgerüst

Rankgerüst / Trellising

Gurken wachsen vertikal an einem Gerüst, nicht horizontal am Boden.

Methode 1: Schnurmethode (einfach)

  • Schnüre von oben anbringen (an Dach befestigen)
  • Pflanze unten anknüpfen
  • Mit Wachstum spiralt die Schnur sich um die Ranke – kein weiteres Binden nötig
  • Sehr platzsparend

Methode 2: Spalier oder Gerüst

  • Hohe Rankgitter (1,5–2 m) oder Stahlgitter
  • Pflanze locker anbinden mit Pflanzenbinder
  • Etwas aufwändiger, aber stabiler

Vorteil: Vertikal angebaute Gurken sind weniger anfällig für Schnecken/Botrytis, lüften besser, sind leichter zu ernten.

Ausgeizen (Seitentriebe entfernen)

Bei Gewächshausgurken (besonders Hybriden wie Dominica) ist Ausgeizen wichtig:

  • Erste 6–8 Blatt-Paare: Alle Seitentriebe und Blüten entfernen (die Pflanze braucht Energie, um groß zu werden)
  • Danach: Seitentriebe auf 1–2 Blätter über dem Fruchtknotenpaar einkürzen
  • Oberster Bereich: 30 cm vor Ranken-Ende Spitze abkneipsen (Energie-Umlenkung)

Dies lenkt Energie in Fruchtbildung statt Blattwachstum und verhindert übermäßige Belaubung, die Luftzirkulation behindert.

Düngung und Nährstoffbedarf

Gurken sind Starkzehrer – sie entziehen dem Boden viel Stickstoff (N), Kalium (K) und Magnesium (Mg).

Düngungsprogramm

Vor Pflanzung:

  • Hochbeet mit 30–40 % reifem Kompost befüllen
  • Optional: 50 g Langzeitdünger (z.B. Hornmehl) pro Liter Substrat einarbeiten

Nach Blütenstart (ca. 4 Wochen nach Pflanzung):

  • Alle 2 Wochen mit flüssigem Gemüsedünger (z.B. Tomaten-Dünger) versorgen
  • Oder monatlich mit Kompost-Mulch nachlegen (weitere 2–3 cm)
  • Organisch: Nessel-Jauche alle 10–14 Tage in halber Stärke

Mangelerscheinungen:

  • N-Mangel: Gelbe Blätter unten, schwaches Wachstum → Stickstoffdünger geben
  • K-Mangel: Blattrand-Brandflecken → Kalium (z.B. Pottasche) geben
  • Mg-Mangel: Grüne Blattadern, gelbes Fruchtfleisch → Bittersalz (MgSO4) als Spray

Probleme und Prävention

Echten Mehltau

Erkennung: Weißer, pudriger Belag auf Blättern, besonders Oberseite.

Prävention:

  • Belüftung: Tägliche intensive Belüftung mindert Befall um 70 %
  • Sortenauswahl: ‘Sonja’ und ‘Picolino’ zeigen bessere Resistenz
  • Nicht von oben gießen
  • Raumklima: 60–70 % Luftfeuchte ideal; über 85 % fördert Grauschimmel

Bekämpfung:

  • Früh erkennen: Befallene Blätter abpflücken
  • Schwefel-Spray alle 7–10 Tage (biologisch, ab 15 °C wirksam)
  • Brennnessel-Jauche als vorbeugende Stärkung

Grauschimmel (Botrytis)

Erkennung: Grauschimmlige Fäule an Blüten und Früchten.

Prävention:

  • Verblühte Blüten sofort abpflücken
  • Beschädigte Blätter entfernen
  • Gute Belüftung (kein Stauklima)
  • Nicht von oben bewässern
  • Nachts heizen, um Kondenswasser zu vermeiden

Bekämpfung:

  • Befallene Pflanzenteile sofort rausnehmen
  • Im Notfall: Schwefel oder Kupfer-Fungizide (auch bio-zugelassen)

Mehltau-resistente Sorten nutzen

Neuere Sorten wie ‘Sonja’ und ‘Picolino’ haben PM-Resistenz (Powder Mildew) – ein großer Vorteil in feuchten Sommern.

Ernte und Lagerhaltung

Erntezeitpunkt

Gurken sollten unreif geerntet werden:

  • Länge: 15–20 cm (je nach Sorte)
  • Farbe: Leuchtend grün (nicht gelb oder braun)
  • Festigkeit: Fest anfühlen, nicht weich
  • Häufigkeit: Täglich kontrollieren und ernten (regelmäßige Ernte fördert weitere Blütenbildung)

Eine übersehene, zu große Gurke kostet die Pflanze viel Energie – lieber öfter kleine Gurken nehmen.

Lagerung

  • Im Kühlschrank: 8–10 Tage bei 5–10 °C in Plastikbox
  • Nicht neben Tomaten/Äpfeln: Ethylen-Emmitter verjüngen Gurken schneller
  • Ideal: Gleich verarbeiten (Salat, Einlegegurken)

Fruchtfolge und Saison-Ende

Mehrjährige Nutzung?

Nein – jedes Jahr neu anbauen. Gurken sind einjährig und müssen nach der Saison rausgezogen werden.

  • Ernde: September/Oktober (bei erstem Frost oder wenn Ertrag nachlässt)
  • Danach: Erde lockern, neuer Kompost einarbeiten
  • Nächstes Jahr: Andere Kultur (z.B. Tomaten) oder andere Gurkensorte

Fruchtfolge

  • Nach Gurke gut: Paprika, Bohnen, Zwiebeln, Salate
  • Nach Gurke nicht: Melonen oder Kürbisse (ähnliche Krankheiten)
  • 3-Jahres-Regel: Nachtschattler (Tomaten, Paprika, Kartoffeln) und Gurken sollten 3 Jahre Abstand haben

Häufig gestellte Fragen

Wie viele Pflanzen pro Hochbeet?
4–5 Pflanzen auf einem 1,2 m × 2 m Hochbeet. Nicht enger, sonst Luftzirkulation leidet.

Kann ich mehrjährige Gurken haben?
Nein, echte Gurken sind einjährig. Melonen (mehrjährig) sind eine andere Kultur.

Wie lange dauert’s von Aussaat bis Ernte?
Bei Vorkultivierung: 14–16 Wochen (April → Juli). Bei Direktaussaat: 16–18 Wochen (Mai → September).

Was ist der Unterschied zu Freilandgurken?
GH-Sorten sind speziell gezüchtet für feuchtes Klima und höhere Erträge. Freilandsorten sind robuster gegen Krankheiten, aber Ertrag deutlich niedriger.

Brauche ich Bestäubung?
Nein – viele GH-Sorten sind gynöknä oder produzieren parthenokarp (ohne Bestäubung fruchtbar). Keine Biene nötig. Nur auf keinen Fall von außen Pollen reinbringen – würde bittersüß schmeckende Früchte geben.

Kann ich Gurken und Tomaten zusammen im GH haben?
Grundsätzlich ja, aber:

  • Unterschiedliche Bewässerung (Tomaten trockener, Gurken feuchter)
  • Unterschiedliche Temperatur-Vorlieben (Gurken wärmer)
  • Besser: Separate Abteile oder zeitversetzt (Gurke früher raus).

Quellen & Referenzen

Alle Angaben basieren auf wissenschaftlichen Quellen und langjähriger Praxiserfahrung unserer Experten.

  1. Behörde Gurken (Cucumis sativus) im Gewächshaus – Anbauempfehlungen, Bayerische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (LWG) (2023)
  2. Wissenschaft Cucumis sativus – Echter Mehltau und Botrytis im Gewächshaus, Julius Kühn-Institut (JKI) (2023)
  3. Behörde Gewächshausgemüse – Empfehlungen für Temperatur und Bewässerung, Bundesinformationszentrum Landwirtschaft (BZL) (2022)
  4. Wissenschaft Gurken – Inhaltsstoffe und Nährwerte, Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) (2022)