Junge Pflanzen in einem begrünten Hochbeet aus Holz

Welche Erde fürs Hochbeet? Mein teurer Fehler

· 5 Min. Lesezeit

Im ersten Jahr mit meinem Hochbeet wollte ich alles richtig machen. Das Hochbeet hatte ich selbst gebaut, sorgfältig und stolz, und jetzt wollte ich es befüllen. Also bin ich zum Gartencenter gefahren und hab dort das Günstigste gekauft, was irgendwas mit “Erde” im Namen hatte. Zehn Säcke Blumenerde, achtzig Kilo, hineingeschüttet, glatt gestrichen, fertig.

Ich dachte, das wäre gut gemeint und gut gemacht. War es nicht.

Die Tomaten wuchsen, aber lustlos. Die Zucchini brachte drei Früchte, obwohl ich zehn erwartet hatte. Der Salat wurde blass. Bis August war die Erde so fest und klumpig, dass ich mit der Schaufel kaum noch reinstechen konnte. Ich hab ein ganzes Jahr Hochbeet-Saison verschenkt und lange nicht verstanden, warum.

Inzwischen weiß ich es. Und weil ich weiß, wie viele andere denselben Fehler machen, schreibe ich das hier auf.

Was passiert, wenn du normale Blumenerde verwendest

Blumenerde ist für Töpfe auf dem Balkon gedacht. Sie ist locker, enthält Torf oder Kokosfaser als Strukturgeber, und ein bisschen Startdünger für die ersten Wochen. Danach ist sie leer. Mehr steckt da meist nicht drin.

Im Hochbeet hat diese Erde gleich mehrere Probleme.

Erstens verdichtet sie sich. In einem Topf wird die Erde nicht beregnet und betreten. Im Hochbeet kommt Regen, du arbeitest darin, Würmer durchwühlen sie. Blumenerde auf Torfbasis verliert ihre Struktur dabei schnell und klebt zusammen. Wasser steht oben, anstatt abzufließen. Wurzeln kommen kaum durch.

Zweitens fehlen die Nährstoffe. In einem kleinen Topf reichen die vorhandenen Nährstoffe vielleicht eine Saison lang. Dein Hochbeet hat aber Starkzehrer drin: Tomaten, Zucchini, Kohl. Die fressen Nährstoffe in einem Tempo, das normale Blumenerde nicht liefern kann.

Drittens passt der pH-Wert oft nicht. Viele Blumenerden sind leicht sauer, gut für Hortensien, aber nicht ideal für Gemüse. Tomaten, Salate und Möhren wollen einen pH zwischen 6,0 und 6,5. Wer zu sauer düngt, riskiert, dass die Pflanzen Nährstoffe nicht aufnehmen können, auch wenn sie vorhanden wären.

Was die richtige Erde für ein Hochbeet können muss

Ich hab das in den letzten zwei Jahren ausprobiert, verworfen, wieder ausprobiert. Was ich heute ins Hochbeet fülle, sieht so aus.

Die Erde muss locker und krümelig sein, damit Wurzeln sich ohne Widerstand ausbreiten können. Sie muss Wasser aufnehmen, aber auch wieder abgeben, also keine Staunässe bilden. Und sie muss genug Nährstoffe haben für eine ganze Saison Starkzehrer.

Dafür gibt es zwei Wege.

Fertige Hochbeet-Erde kaufen

Das ist der bequemste Weg. Im Gartencenter gibt es Hochbeet-Erden, die schon auf pH 6,0 bis 6,5 eingestellt sind und einen höheren Kompostanteil haben als normale Blumenerde. Sie kosten mehr, aber du weißt, was drin ist.

Der Haken: Qualität schwankt stark je nach Marke. Lies die Inhaltsstoffe. Eine gute Hochbeet-Erde besteht aus Kompost, Gartenerde und einem Strukturgeber wie Holzfasern oder Sand. Wenn “Torf” ganz oben in der Zutatenliste steht, würde ich sie liegen lassen.

Selbst mischen

Das mache ich heute fast immer. Es kostet weniger und ich weiß genau, was drin ist.

Meine Mischung für die obere Pflanzschicht:

60 % reifer Kompost. Das ist der wichtigste Teil. Reifen Kompost erkennst du daran, dass er dunkelbraun und krümelig ist und nach Erde riecht, nicht nach Fäulnis. Ich nutze meinen eigenen Kompost aus dem Garten, aber du kannst auch Säcke mit fertigem Kompost kaufen.

30 % normale Gartenerde. Nicht die aus dem Blumenbeet, sondern aus einer ungedüngten Ecke des Gartens. Gartenerde bringt Tonminerale und Mikroorganismen mit, die der Kompost allein nicht hat. Sie gibt der Mischung Gewicht und Halt.

10 % Strukturgeber. Das kann Sand sein, Perlite, Holzhäcksel oder Rindenmulch in kleinen Mengen. Der Strukturgeber sorgt dafür, dass die Mischung locker bleibt und Wasser gut abläuft, auch nach dem ersten Regen.

Diese Mischung ist nicht heilig. Wenn du 55 % Kompost hast und 35 % Gartenerde, ist das auch gut. Die Richtung stimmt.

Gartenerde, Kompost und Zubehör zum Anmischen der richtigen Hochbeet-Mischung
Kompost, Gartenerde und ein Strukturgeber wie Sand oder Perlite: die drei Bausteine einer guten Hochbeet-Mischung.

Wie viel Erde brauchst du?

Das ist die Frage, die ich am häufigsten höre. Und die Antwort ist: meistens mehr als du denkst.

Die einfache Formel: Länge × Breite × Tiefe = Liter

Für ein klassisches Hochbeet mit 2 m Länge, 1 m Breite und 0,8 m Tiefe wären das 2 × 1 × 0,8 = 1,6 Kubikmeter. Also 1600 Liter Füllmaterial insgesamt. Davon sind die oberen 25 bis 30 cm die eigentliche Pflanzerde, das macht bei diesem Beet 500 bis 600 Liter.

Die unteren Schichten bestehen aus Grobholz, Grünschnitt und halbfertigem Kompost, nicht aus fertiger Erde. Wer das Schichten-System noch nicht kennt, liest das am besten dort nach, bevor er mit dem Befüllen anfängt.

Für die reine Pflanzerde in einem 2-mal-1-Meter-Hochbeet brauchst du also ungefähr:

  • 300 bis 350 Liter reifer Kompost
  • 150 bis 180 Liter Gartenerde
  • 50 bis 70 Liter Strukturgeber

Das klingt nach viel. Ist es auch. Ein Kubikmeter Erde wiegt rund 500 Kilogramm. Hol dir Hilfe, wenn du größere Mengen bewegen musst.

Der pH-Wert: kurz und praktisch

Der pH-Wert sagt aus, wie sauer oder basisch deine Erde ist. Skala von 0 bis 14, Mitte ist neutral. Für die meisten Gemüse im Hochbeet willst du etwas zwischen 6,0 und 6,5, also leicht sauer bis neutral.

Wenn du die Mischung aus Kompost und Gartenerde verwendest, bist du fast automatisch in diesem Bereich. Reiner Torf wäre zu sauer (pH 3,5 bis 4,5). Kalkzusatz oder Lehm könnten zu basisch sein.

Wer sichergehen will: Einfache pH-Teststreifen kosten ein paar Euro und funktionieren gut genug für den Garten. Einmal testen, einmal nachkorrigieren, und dann läuft es meistens von alleine.

Erde auffüllen im zweiten Jahr

Das ist etwas, das mir niemand vorher gesagt hat: Das Hochbeet sackt ab.

Nach der ersten Saison, manchmal schon nach ein paar Monaten, ist die Oberfläche plötzlich zehn oder zwanzig Zentimeter tiefer als vorher. Das liegt daran, dass die organischen Schichten darunter verrotten und zusammensinken. Das ist kein Fehler, das ist Absicht. Aber du musst auffüllen.

Im zweiten Frühling fülle ich einfach oben frischen Kompost nach, bis das Beet wieder voll ist. Fünf bis zehn Zentimeter reichen meistens. Einarbeiten, glattziehen, fertig. Die Erde darunter ist inzwischen gut durchmischt und voller Leben.

Ab dem dritten Jahr sackt das Beet weniger stark. Dann reichen drei bis fünf Zentimeter Kompost jedes Frühjahr.

Mulch obendrauf: unterschätzt und wichtig

Wer mein Hochbeet bepflanzt hat und denkt, er ist fertig, vergisst oft einen letzten Schritt: Mulchen.

Eine drei bis fünf Zentimeter dicke Schicht Stroh, Grasschnitt oder Rindenmulch auf der Erdoberfläche zwischen den Pflanzen macht einen großen Unterschied. Die Erde trocknet langsamer aus. Unkraut hat kaum eine Chance. Und der Mulch verrottet über Zeit und füttert die Erde mit Humus.

Ich verwende am liebsten Stroh im Hochbeet. Es liegt locker, lässt Luft durch, und Laufkäfer, die Schnecken fressen, fühlen sich darin wohl. Rindenmulch ist auch gut, verottet aber langsamer.

Was ich beim nächsten Hochbeet anders machen würde

Ehrlich gesagt: fast alles, was die Erde betrifft.

Ich würde von Anfang an selbst mischen. Nicht aus Geiz, sondern weil fertige Blumenerde einfach nicht das richtige Werkzeug für diesen Job ist. Ich würde mehr Kompost kaufen als ich denke zu brauchen. Und ich würde sofort mulchen, nicht erst wenn ich Probleme bekomme.

Das klingt nach viel. Aber wenn du einmal weißt, was du tust, ist das Befüllen eines Hochbeets eine Arbeit von einem halben Nachmittag. Danach läuft es.

Wer Gemüse im Hochbeet düngen möchte, findet dort weitere Tipps dazu, was Starkzehrer im Laufe der Saison noch brauchen. Und wer sich für den optimalen Pflanzplan interessiert, schaut am besten in den Artikel über die Hochbeet-Bepflanzung.


Häufige Fragen zur Hochbeet-Erde

Kann ich normale Gartenerde pur nehmen?

Nein, nicht ins Hochbeet. Unvermischte Gartenerde ist meist schwer, verdichtet stark und hat keine ausreichende Nährstoffdichte für ein intensiv bepflanztes Hochbeet. Sie ist ein guter Teil der Mischung, aber nicht die ganze Mischung.

Ich hab keinen Kompost. Was nehme ich stattdessen?

Fertiger Kompost aus dem Gartencenter funktioniert gut. Alternativ: Wurmhumus ist noch konzentrierter, reicht in kleineren Mengen. Oder ein Mix aus Gartenerde, Holzfasern und einem stickstoffreichen Dünger wie Hornspäne.

Kann ich dieselbe Erde mehrere Jahre verwenden?

Ja, aber du musst jedes Frühjahr auffüllen und nachdüngen. Nach drei bis vier Jahren empfehle ich, die Pflanzschicht komplett zu erneuern, also die oberen 20 bis 30 cm raus und frischen Kompost rein. Die unteren Schichten bleiben.

Wie viele Säcke Erde brauche ich für ein kleines Hochbeet?

Für ein Beet mit 1 m × 0,5 m × 0,6 m brauchst du etwa 300 Liter. Das entspricht ungefähr acht bis zehn Säcken à 40 Liter aus dem Handel. Immer etwas mehr kaufen als berechnet, weil die Erde sich setzt.

Wann ist der beste Zeitpunkt zum Befüllen?

Herbst oder Frühjahr, beides ist gut. Im Herbst haben die unteren Schichten Zeit zum Verrotten, im Frühjahr kannst du sofort einpflanzen. Jetzt Mitte April ist ein prima Zeitpunkt: Das Hochbeet heizt sich schnell auf, und du kannst in wenigen Wochen schon die ersten Sommerkulturen setzen.