Der Hochsommer neigt sich langsam dem Ende zu, und die ersten Beete werden leer. Wo einst Kartoffeln, Erbsen oder frühe Salate wuchsen, klafft nun eine Lücke. Doch der August ist keineswegs das Ende der Gartensaison. Im Gegenteil: Er ist der ideale Zeitpunkt für die Nachsaat, um die Erntesaison zu verlängern und sich eine frische Vitaminversorgung für den Herbst und Winter zu sichern. Die kürzer werdenden Tage und die gemäßigteren Temperaturen schaffen perfekte Bedingungen für viele Kulturen, die in der Sommerhitze nicht gedeihen würden.
Die Vorteile der Nachsaat im August
Warum lohnt es sich, jetzt noch einmal die Samentüten hervorzuholen? Die Nachsaat im August bietet handfeste Vorteile. Sie nutzen die Restwärme des Sommers im Boden, die eine schnelle Keimung fördert, während die mildere Herbstsonne das zarte Grünzeug schont. Abgeerntete Flächen werden so sinnvoll genutzt und liegen nicht brach. Eine bewachsene Krume ist besser vor Erosion durch Herbstregen und vor Auswaschung von Nährstoffen geschützt. Gleichzeitig unterdrückt eine dichte Pflanzendecke das Aufkommen von Unkraut, was Ihnen im nächsten Frühjahr Arbeit erspart. Sie sichern sich nicht nur eine Ernte im Spätsommer und Herbst, sondern legen mit winterharten Kulturen auch den Grundstein für frisches Grün direkt aus dem Garten, wenn im Handel alles teuer wird.
Grundlagen der Bodenvorbereitung und Pflege
Eine sorgfältige Vorbereitung des Saatbetts ist der Schlüssel zum Erfolg der späten Aussaat. Die Böden sind nach der Vorkultur oft ausgelaugt und verdichtet. Gehen Sie daher planvoll vor.
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Beet gründlich abräumen: Entfernen Sie alle Reste der Vorkultur, einschließlich Wurzeln. Jäten Sie sämtliches Unkraut sorgfältig, damit die jungen Keimlinge später nicht um Licht, Wasser und Nährstoffe konkurrieren müssen.
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Boden tiefgründig lockern: Lockern Sie den Boden mit einer Grabegabel oder einem Sauzahn. Vermeiden Sie das Umgraben, um das Bodenleben zu schonen. Es geht darum, Verdichtungen zu beseitigen und die Krume wieder luftig und wasserdurchlässig zu machen.
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Nährstoffe zuführen: Die meisten Spätsaaten sind Schwach- oder Mittelzehrer. Eine Gabe reifen Komposts (etwa 1-2 Liter pro Quadratmeter) ist in der Regel ausreichend. Arbeiten Sie ihn nur oberflächlich mit einem Rechen ein. Feldsalat zum Beispiel ist ein ausgesprochener Schwachzehrer und kommt oft mit den Restnährstoffen im Boden aus; im Vorjahr eingearbeiteter Kompost genügt ihm vollkommen. Auf frischen Stallmist oder stickstoffbetonte Mineraldünger verzichten Sie besser, da diese das Wachstum zu stark anregen und die Winterhärte mindern können.
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Saatbett feinkrümelig vorbereiten: Ziehen Sie die Fläche mit einem Rechen glatt. Zerkleinern Sie grobe Erdbrocken, sodass eine feine, gleichmäßige Krume entsteht. Dies ist besonders bei feinem Saatgut wie dem von Feldsalat oder Winterportulak entscheidend für einen gleichmäßigen Aufgang.
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Vor dem Säen wässern: Ist der Boden trocken, wässern Sie das vorbereitete Beet durchdringend einige Stunden vor der Direktsaat. Das Saatgut liegt dann in feuchter Erde und trocknet nicht so schnell aus. Nach der Aussaat nur noch leicht überbrausen.
Spinat: Vielseitig und kältetolerant
Spinat (Spinacia oleracea) ist ein ideales Gemüse für die Herbst- und Winterernte. Während die Aussaat im Frühling oft eine Herausforderung ist, weil die Pflanzen bei langen Tagen und Hitze schnell zum Schossen neigen, also verfrüht blühen, sind die Bedingungen im Spätsommer optimal. Die kürzeren Tage signalisieren der Pflanze, Blätter statt Blüten zu bilden.
Aussaat und Pflege
- Sortenwahl: Greifen Sie zu robusten Herbst- und Wintersorten wie ‘Winterriesen’ oder ‘Matador’. Diese sind besonders widerstandsfähig gegen Kälte und Krankheiten.
- Aussaat: Säen Sie die großen Samenkörner etwa 2 bis 3 Zentimeter tief in Reihen mit einem Abstand von 20 bis 25 Zentimetern. In der Reihe halten Sie einen Abstand von etwa 5 bis 7 Zentimetern ein.
- Pflege: Halten Sie den Boden gleichmäßig feucht, um die Keimung zu fördern. Nach dem Aufgehen der Pflanzen können Sie zu dicht stehende Keimlinge vereinzeln. Eine leichte Mulchschicht aus angetrocknetem Rasenschnitt hält die Feuchtigkeit im Boden.
Ernte Spinat wächst zügig. Bereits sechs bis acht Wochen nach der Aussaat können Sie die ersten Blätter ernten. Zupfen Sie entweder die äußeren Blätter einzeln ab und lassen das Herz stehen, damit die Pflanze weiterwächst, oder ernten Sie die ganze Rosette. Herbst- und Winterspinat ist frosthart und kann bis weit in den Winter hinein auf dem Beet bleiben. Leichter Frost macht die Blätter sogar zarter und süßer.
Feldsalat: Der Klassiker für die Winterlücke
Kein Wintergemüse ist so bekannt wie der Feldsalat (Valerianella locusta). Er ist robust, anspruchslos und liefert auch an kalten Tagen wertvolle Vitamine. Da er ein Schwachzehrer ist, eignet er sich hervorragend als Nachkultur für starkzehrende Gemüse wie Kohl oder Tomaten.
Aussaat und Pflege
- Bodenansprüche: Feldsalat stellt keine hohen Ansprüche an den Boden. Frischer Dünger ist nicht notwendig und kann sogar schaden. Ein lockerer, humusreicher Boden genügt ihm.
- Aussaat: Die Aussaat kann ab Mitte August bis in den September hinein erfolgen. Säen Sie die Samen etwa 0,5 bis 1 Zentimeter tief. Sie können breitwürfig oder in Reihen mit 10-15 cm Abstand säen. Die Reihensaat erleichtert die Unkrautregulierung.
- Pflege: Eine gleichmäßige Bodenfeuchtigkeit ist für die Keimung entscheidend, die sich über zwei bis drei Wochen hinziehen kann. Decken Sie das Saatbeet bei starker Sonneneinstrahlung eventuell leicht mit Vlies ab, um die Feuchtigkeit zu halten.
Ernte und Überwinterung Etwa sechs bis acht Wochen nach der Aussaat ist der Feldsalat erntereif. Sie können einzelne Blätter oder ganze Rosetten schneiden. Feldsalat ist extrem winterhart und verträgt Temperaturen bis zu -12 °C ohne Probleme. Bei sehr starkem Frost ohne Schneedecke kann eine Abdeckung mit Reisig oder Vlies die Pflanzen schützen. So ernten Sie den ganzen Winter über.
Winterportulak: Vitaminreich und pflegeleicht
Der Winterportulak (Claytonia perfoliata), auch Postelein genannt, ist ein Geheimtipp für den Wintergarten. Er ist äußerst pflegeleicht, wächst schnell und ist eine hervorragende Vitamin-C-Quelle in der kalten Jahreszeit.
Aussaat und Pflege
- Keimtemperatur beachten: Dies ist der entscheidende Punkt beim Winterportulak. Die Samen keimen am besten bei kühlen Temperaturen unter 12 °C. Bei der Aussaat im warmen Augustboden ist der Erfolg gering. Warten Sie daher bis Ende August oder Anfang September, wenn die Nächte spürbar kühler werden.
- Aussaat: Säen Sie die feinen Samen nur etwa 0,5 Zentimeter tief und halten Sie die Erde feucht. Der Portulak wächst teppichartig und kann breitwürfig oder in Reihen gesät werden.
- Pflege: Winterportulak ist äußerst robust und resistent gegen die meisten Krankheiten und Schädlinge. Lediglich Ackerschnecken können gelegentlich zu einem Problem werden. Weiterer Pflegeaufwand ist kaum nötig.
Ernte Die Blätter können Sie schon wenige Wochen nach dem Aufgehen ernten. Schneiden Sie sie einfach ab und lassen Sie die Basis der Pflanze stehen. Sie treibt zuverlässig wieder aus und ermöglicht so mehrere Ernten über den Winter.
Radieschen: Schnelle Ernte im Spätsommer
Wer schnelle Ergebnisse sehen will, liegt mit Radieschen (Raphanus sativus) richtig. Die scharfen Knollen sind die perfekte Zwischenkultur für eine letzte schnelle Ernte vor dem Winter. Die Aussaat im Freiland ist vom Frühjahr bis Ende August, in milden Lagen sogar bis Anfang September möglich.
Aussaat und Pflege
- Standort und Boden: Radieschen bevorzugen einen sonnigen bis halbschattigen Platz mit lockerem, humusreichem Boden. Schwere, lehmige Böden sollten Sie mit etwas Sand auflockern.
- Aussaat: Säen Sie die Samen etwa 1 Zentimeter tief in Reihen mit einem Abstand von 10-15 Zentimetern. In der Reihe sollten die Pflanzen etwa 3-4 Zentimeter Platz haben, damit sich die Knollen gut entwickeln können.
- Pflege: Der Schlüssel zu zarten, saftigen Radieschen ist eine gleichmäßige Wasserversorgung. Trockenheit führt zu holzigen, pelzigen und übermäßig scharfen Knollen. Regelmäßiges Hacken hält den Boden locker und unkrautfrei.
Ernte Schon vier bis sechs Wochen nach der Aussaat können Sie die ersten Radieschen ziehen. Warten Sie nicht zu lange, sonst werden sie ebenfalls holzig. Die kühleren Temperaturen im Herbst führen erfahrungsgemäß zu einem milderen Geschmack.
| Gemüse | Aussaat im August | Saattiefe | Keimdauer | Ernte ab | Winterhart |
|---|---|---|---|---|---|
| Spinat | Ganzer Monat | 2-3 cm | 8-14 Tage | Oktober | Ja |
| Feldsalat | Ab Mitte August | 0,5-1 cm | 14-21 Tage | Oktober | Ja (bis -12°C) |
| Winterportulak | Ende August (kühl) | 0,5 cm | 14-21 Tage | Oktober | Ja |
| Radieschen | Ganzer Monat | 1 cm | 5-10 Tage | September | Nein |




