In meiner Gärtnerei in Oberschwaben haben wir früher hauptsächlich Kopfkohl und Wirsing angebaut. Der Chinakohl kam erst später dazu. Anfangs war ich skeptisch, dachte, das sei so eine neumodische Sache. Aber ich habe schnell gemerkt: Wenn man seinen Eigenarten mit Respekt begegnet, ist er ein dankbares und sehr vielseitiges Gemüse für den Herbst und den frühen Winter. Er ist zarter als seine europäischen Verwandten und eine echte Bereicherung für die Küche, wenn die Tomaten und Gurken längst passé sind.
Die Hauptsache beim Chinakohl ist das richtige Timing. Wer hier schludert, erntet nur eine mickrige Blüte statt eines festen Kopfes. Aber keine Sorge, das kriegen wir gemeinsam hin.
Chinakohl-Saison: Ernte und Verfügbarkeit
Fragen Sie mal im Supermarkt nach deutschem Chinakohl im Mai. Da werden Sie kaum fündig. Seine Zeit ist nicht der Frühling, sondern der Herbst. Die heimische Chinakohl Saison für die Ernte beginnt bei uns so richtig im September und geht dann bis in den Februar hinein. Die Haupternte, wo die schönsten und größten Köpfe vom Feld kommen, findet im Oktober und November statt. Dann ist der Kohl am besten und auch am günstigsten.
Warum ist das so? Für die Bildung eines festen Kopfes benötigt Chinakohl die kürzer werdenden Tage des Herbstes. Lange Tage und hohe Temperaturen im Frühjahr und Frühsommer lösen bei ihm hingegen Stress aus und fördern die Blütenbildung. Statt seine Kraft in die Bildung eines dichten Kopfes zu stecken, will er schnell Nachkommen zeugen. Das Ergebnis: Er bildet eine Blüte. Dieses vorzeitige Blühen nennen wir Gärtner „Schossen“. Ein geschossener Chinakohl ist für die Küche unbrauchbar.
Deshalb ist er das ideale Nachgemüse für Beete, die durch frühe Kartoffeln oder Erbsen im Juni oder Juli frei werden.
Aussaat und Pflanzung: Der richtige Zeitpunkt für Chinakohl
Das A und O für einen schönen Kohlkopf ist der Aussaattermin. Der Grat zwischen Erfolg und Misserfolg ist hier schmal. Säen Sie zu früh, schosst er. Säen Sie zu spät, werden die Köpfe nicht mehr richtig fest, weil das Licht im Herbst fehlt.
Der optimale Zeitpunkt für die Aussaat im Freiland liegt zwischen Mitte Juni und spätestens Anfang August. In all den Jahren habe ich die besten Ergebnisse mit einer Aussaat um den 20. Juli herum erzielt. Da sind die Tage schon wieder merklich kürzer, und die Gefahr des Schossens ist gering.
Für eine erfolgreiche Aussaat gehen Sie so vor:
- Saatbett vorbereiten: Lockern Sie die Erde tiefgründig und arbeiten Sie reifen Kompost ein. Die Krume sollte feinkrümelig und frei von Unkraut sein.
- Rillen ziehen: Ziehen Sie Saatrillen, die etwa 1 bis 2 Zentimeter tief sind. Der Abstand zwischen den Reihen sollte mindestens 40 Zentimeter betragen, der Kohl braucht Platz.
- Samen auslegen: Säen Sie die Samen nicht zu dicht. Ein Abstand von wenigen Zentimetern in der Reihe reicht, wir vereinzeln später.
- Bedecken und Wässern: Decken Sie die Samen mit Erde zu und drücken Sie sie leicht an. Anschließend gießen Sie vorsichtig, am besten mit einer feinen Brause, damit nichts weggeschwemmt wird.
- Vereinzeln: Sobald die Keimlinge die ersten richtigen Blätter nach den Keimblättern zeigen, müssen Sie sie vereinzeln. Lassen Sie nur die kräftigsten Pflanzen stehen, und zwar im Abstand von etwa 30 bis 40 Zentimetern. Das fällt manchem schwer, ist aber entscheidend für große Köpfe.
Von der Aussaat bis zur Ernte vergehen meist 75 bis 95 Tage. Wenn Sie also Ende Juli säen, können Sie Anfang Oktober mit den ersten Köpfen rechnen.
Standort und Boden: Optimale Bedingungen für den Anbau
Chinakohl ist hungrig. Er gehört zu den Starkzehrern, genau wie seine Verwandten aus der Kohlfamilie. Er braucht einen nährstoffreichen, tiefgründigen und vor allem gleichmäßig feuchten Boden. Ein Platz in der vollen Sonne ist gut, aber er verträgt auch leichten Halbschatten, besonders bei der Aussaat im Hochsommer.
Was den Boden betrifft, hat er klare Vorlieben. Am besten gedeiht er auf einem Boden mit einem pH-Wert zwischen 6,5 und 7,5. Ist der Boden zu sauer, wird er anfällig für Krankheiten. Eine Grunddüngung mit gut verrottetem Stallmist oder einer ordentlichen Gabe Kompost im Frühjahr ist die beste Vorbereitung.
Ein ganz entscheidender Punkt ist die Fruchtfolge. Bauen Sie niemals Kohl nach Kohl an. Um der gefürchteten Kohlhernie vorzubeugen, einer Pilzkrankheit, die die Wurzeln befällt und die Pflanze verkümmern lässt, müssen Sie eine Anbaupause einhalten. Auf einem Beet, auf dem Chinakohl oder ein anderer Kreuzblütler stand, sollte für mindestens drei, besser vier Jahre kein Kohl mehr angebaut werden.
In der Mischkultur hat Chinakohl ebenfalls seine Freunde und Feinde. Gute Nachbarn helfen, Schädlinge fernzuhalten und den Boden gesund zu halten.
| Gute Nachbarn | Schlechte Nachbarn |
|---|---|
| Tomaten, Sellerie, Bohnen | Andere Kohlsorten (z.B. Brokkoli) |
| Erbsen, Spinat, Salat | Erdbeeren |
| Dill, Pfefferminze |
Pflege, Düngung und Bewässerung von Chinakohl
Ist der Chinakohl erst einmal angewachsen, ist die Pflege überschaubar. Das Wichtigste ist Wasser. Eine ungleichmäßige Wasserversorgung führt zu Stress, und Stress führt zum Schossen oder zu geplatzten Köpfen. Halten Sie den Boden also immer gleichmäßig feucht, aber vermeiden Sie Staunässe. Eine Mulchschicht aus Rasenschnitt oder Stroh hilft, die Feuchtigkeit im Boden zu halten und das Unkraut zu unterdrücken.
Wenn Sie den Boden gut mit Kompost vorbereitet haben, reicht das oft schon aus. Bemerken Sie aber, dass die Pflanzen blass werden und nicht recht wachsen, können Sie etwa vier Wochen nach dem Auspflanzen noch einmal nachdüngen. Eine Gabe Brennnesseljauche, verdünnt im Verhältnis 1:10, wirkt hier Wunder.
Sehen Sie gelbe Blätter an den äußeren Rändern, ist das oft ein Zeichen für zu viel Wasser. Lockern Sie dann den Boden um die Pflanze herum vorsichtig auf und lassen Sie ihn etwas abtrocknen. Die gelben Blätter können Sie einfach entfernen.
Typische Probleme und Schädlinge im Chinakohl-Anbau
Der Chinakohl ist leider bei vielen Schädlingen beliebt. Kaum sind die ersten Blättchen da, sind auch schon die Erdflöhe zur Stelle und hinterlassen ihre typischen kleinen Löcher. Später kommen die Raupen des Kohlweißlings und natürlich die Schnecken.
In meiner Gärtnerei haben wir uns schon vor Jahrzehnten von der chemischen Keule verabschiedet. Die beste und sicherste Methode, Ihr Kohlgemüse zu schützen, ist ein Kulturschutznetz. Spannen Sie direkt nach der Aussaat oder Pflanzung ein engmaschiges Netz über das Beet. Achten Sie darauf, dass es keine Lücken gibt und es den Boden gut abschließt. So kommen die Schädlinge gar nicht erst an Ihre Pflanzen heran.
Das Netz schützt nicht nur vor Kohlweißlingen und Tauben, sondern auch vor der Kohlfliege, deren Maden die Wurzeln schädigen können. Es ist eine einmalige Anschaffung, die Ihnen über viele Jahre gute Dienste leisten wird. Viel besser als jedes Gift.
Chinakohl erfolgreich ernten und lagern
Nach etwa acht bis zehn Wochen ist es so weit. Sie erkennen den richtigen Erntezeitpunkt daran, dass der Kopf sich fest und kompakt anfühlt, wenn Sie ihn leicht zusammendrücken. Warten Sie nicht zu lange, sonst können die Köpfe bei einem nassen Herbst von innen faulen oder bei Frost Schaden nehmen.
Die Ernte selbst ist einfach:
- Werkzeug wählen: Nehmen Sie ein scharfes, stabiles Messer.
- Kopf abschneiden: Fassen Sie den Kohlkopf und schneiden Sie ihn knapp über dem Boden am Strunk ab.
- Äußere Blätter entfernen: Die äußeren, losen Blätter können Sie entfernen. Sie sind oft zäh oder haben kleine Fraßstellen. Man kann sie aber noch gut an Hühner verfüttern.
Chinakohl lässt sich gut lagern, wenn auch nicht so lange wie fester Weiß- oder Rotkohl. Im Gemüsefach des Kühlschranks hält er sich gut zwei Wochen. Für eine längere Lagerung bringen Sie die Köpfe in einen kühlen, frostfreien Keller. In Zeitungspapier eingeschlagen oder in eine Kiste mit feuchtem Sand gestellt, bleiben sie dort mehrere Wochen frisch.
Der Anbau von Chinakohl erfordert etwas Planung, belohnt aber mit einer köstlichen Ernte für die kalte Jahreszeit. Probieren Sie es aus. Mit dem richtigen Zeitplan gelingt es sicher.





