Mein erstes Gartenjahr ohne Plan: Ich hab im März Tomaten direkt ins Beet gesät, im Oktober noch Gurken gepflanzt und mich gewundert, warum meine Zucchini im April unter einer Schneedecke lag. Der Ertrag war bescheiden. Das Chaos war perfekt.
Was mir damals gefehlt hat, war ein einfacher Pflanzkalender. Nicht so ein kompliziertes Ding mit 200 Sorten und Klimazonen. Einfach: was kommt wann wohin. Das hier ist genau das. Ein praktischer Überblick, wann du was aussäen, vorziehen und auspflanzen kannst, damit am Ende auch was auf dem Teller landet.
Vorziehen, Direktsaat, Auspflanzen: Was ist was?
Bevor wir in den Kalender einsteigen, kurz die Begriffe. Die tauchen immer wieder auf, und es macht einen riesigen Unterschied, welche Methode du für welches Gemüse nimmst.
Vorziehen (innen): Du säst das Gemüse in kleinen Töpfen oder Anzuchtschalen auf der Fensterbank oder im Gewächshaus an. Das passiert oft 6 bis 10 Wochen, bevor die Pflanze nach draußen kann. Warum? Weil manche Gemüse so lange zum Keimen und Anwachsen brauchen, dass du ohne Vorsprung keinen Ertrag mehr schaffst. Tomaten, Paprika und Gurken zum Beispiel.
Direktsaat: Du säst direkt ins Beet, ohne Umweg über die Fensterbank. Radieschen, Möhren, Bohnen, Spinat zum Beispiel: Die mögen keine Wurzelstörung durch Umpflanzen, oder sie wachsen so schnell, dass Vorziehen keinen Sinn ergibt.
Auspflanzen: Die vorgezogenen Jungpflanzen kommen nach draußen. Das hat einen festen Zeitrahmen, weil viele Gemüse keinen Frost vertragen. Die Eisheiligen Mitte Mai sind die entscheidende Grenze für frostempfindliche Kulturen.
Wer das erste Mal einen Gemüsegarten anlegt, findet im Artikel Gemüsegarten anlegen für Anfänger einen guten Überblick über die Grundlagen, bevor es mit dem Kalender losgeht.
Der Pflanzkalender: Monat für Monat
Januar bis Februar: Fensterbank-Zeit
Klingt früh. Ist es auch, aber für einige Kulturen lohnt es sich wirklich.
Vorziehen innen (Januar): Chili und Paprika brauchen die längste Vorlaufzeit aller Gemüse: 10 bis 12 Wochen bis zur Pflanzreife. Wer im Mai auspflanzen will, muss spätestens Mitte Januar anfangen. Ich sä sie in kleine Töpfe, stelle sie auf die südliche Fensterbank, und sie brauchen 2 bis 3 Wochen bis zum Keimen. Kalt werden, tut das nicht, aber so ist das Spiel mit Chili.
Vorziehen innen (Februar): Sellerie und Celeriac (Knollensellerie) starten im Februar. Tomaten können gegen Ende Februar rein, wenn du ein helles, warmes Plätzchen hast. Staudensellerie und Sellerie brauchen Licht zum Keimen, also Samen einfach auf die Erde legen, nicht bedecken.
Direktsaat im Februar? Nur im Frühbeetkasten oder Gewächshaus. Spinat und Feldsalat halten Kälte aus, aber freiliegend im Freiland ist es für die meisten Gemüse noch zu früh.
März: Der Startmonat
März ist der wichtigste Monat für die Planung. Draußen ist es noch unbeständig, aber drinnen läuft der Anzuchtbetrieb auf Hochtouren.
Vorziehen innen (März):
- Tomaten ab Anfang März (6 bis 8 Wochen vor dem Auspflanzen)
- Auberginen ab Anfang März
- Gurken ab Mitte bis Ende März (die brauchen nur 4 Wochen)
- Kohlrabi, Brokkoli, Blumenkohl für die erste Pflanzung
- Salat für die Vorkultur
Direktsaat draußen (geschützt oder Frühbeet):
- Spinat ab März möglich, unter Vlies
- Radieschen ab Ende März im Frühbeet
- Möhren ab Ende März, wenn der Boden 5 bis 8 Grad warm ist
Auspflanzen (März): Nur im Frühbeet oder unter Schutz. Wintergemüse und Feldsalat. Für die meisten Sommergemüse ist es noch zu kalt.
Wer noch keinen Frühbeetkasten hat: Das ist übrigens ein super Projekt für den März. Kostet wenig, verlängert die Saison erheblich.
April: Direktsaaten starten
April ist der erste Monat, wo das Beet richtig in Gang kommt. Die Tage sind länger, der Boden wärmt sich auf.
Vorziehen innen (April):
- Kürbis und Zucchini ab Mitte April (2 bis 3 Wochen, die wachsen schnell)
- Stangenbohnen können ab Ende April vorgezogen werden
- Zweite Welle Salat und Kohlrabi
Direktsaat draußen (April):
- Möhren, der klassische April-Kandidat
- Spinat, Mangold, Rote Bete
- Erbsen ab Anfang April (die lieben es kühl)
- Salat (Kopfsalat, Pflücksalat)
- Dill, Koriander, Petersilie
- Radieschen: immer und überall, alle 2 bis 3 Wochen nachsäen
- Zuckermais ab Ende April an geschützten Stellen
Auspflanzen (April):
- Kohlrabi, Brokkoli, Weißkohl, Rotkohl (die vertragen leichten Frost)
- Salat-Jungpflanzen aus der Voranzucht
- Zwiebeln aus Steckzwiebeln
Mai: Der große Auspflanz-Monat
Nach den Eisheiligen Mitte Mai ist der Weg frei für alle frostempfindlichen Kulturen. Das ist der Moment, auf den die Fensterbank-Jungpflanzen gewartet haben.
Vorziehen innen (Mai): Nur noch wenig. Vielleicht eine zweite Runde Gurken für eine späte Ernte, oder Nachzügler bei Kürbis.
Direktsaat draußen (Mai):
- Stangenbohnen und Buschbohnen ab Mitte Mai
- Zucchini direkt ins Beet (oder Jungpflanzen setzen)
- Gurken ins Freiland, an geschützter Stelle
- Kürbis direkt säen möglich
- Weitere Wellen Salat, Radieschen, Dill
- Feldsalat für den Herbst ab Ende Mai
Auspflanzen (nach den Eisheiligen, also ab 16. Mai):
- Tomaten
- Paprika und Chili
- Auberginen
- Gurken, Zucchini, Kürbis
- Mais (Jungpflanzen)
- Basilikum
Das Pikieren sollte spätestens 2 Wochen vor dem Auspflanzen passiert sein, damit die Pflanzen im neuen Topf angewurzelt sind und den Umzug ins Beet gut wegstecken.
Juni bis August: Laufende Aussaat und Nachernte
Jetzt läuft der Garten, aber der Kalender hört nicht auf.
Juni (Direktsaat):
- Buschbohnen: kann man noch nachsäen für eine spätere Ernte
- Kohlrabi für den Herbst
- Fenchel
- Feldsalat für Oktober/November
- Endivie und Radicchio
Juli (Direktsaat):
- Chinakohl
- Pak Choi
- Herbstbrokkoli und Herbstblumenkohl
- Feldsalat
- Spinat ab Mitte Juli für die Herbsternte
August (Direktsaat):
- Winterportulak
- Feldsalat (letzter Termin für eine gute Herbsternte)
- Rucola
- Spinat: letzter sinnvoller Termin
September bis Oktober: Ende der Saison
Jetzt kommen die letzten Direktsaaten für Überwinterndes.
September: Winterzwiebeln, Knoblauch (ab Ende September/Oktober), Feldsalat kann noch nachgesät werden, Winterpostelein.
Oktober: Knoblauch. Das ist sogar der ideale Termin. Die Zehen gehen in den Winterschlaf, wurzeln sich im Herbst ein und starten früh im Frühjahr durch. Wer Knoblauch im Frühjahr pflanzt, hat weniger Ertrag.
Schnelltabelle: Die wichtigsten Gemüse auf einen Blick
Das hier ist die kompakte Version. Alle Daten gelten für Mitteleuropa (ungefähr Klimazone 7).
| Gemüse | Vorziehen innen | Direktsaat draußen | Auspflanzen |
|---|---|---|---|
| Tomate | Feb-Mär | nicht empfehlenswert | ab 15. Mai |
| Paprika/Chili | Jan-Feb | nicht empfehlenswert | ab 15. Mai |
| Gurke | Mär-Apr | Mai | ab 15. Mai |
| Zucchini | Apr-Mai | Mai | ab 15. Mai |
| Kürbis | Apr | Mai | ab 15. Mai |
| Aubergine | Feb-Mär | nicht möglich | ab 15. Mai |
| Brokkoli | Mär-Apr | Apr-Jun | Apr-Jun |
| Kohlrabi | Mär-Apr | Apr-Jun | Apr-Jun |
| Weißkohl | Mär-Apr | Apr | Apr-Mai |
| Möhren | nicht empfehlenswert | Apr-Jun | entfällt |
| Radieschen | nicht nötig | Mär-Sep | entfällt |
| Salat | Mär-Apr | Apr-Aug | Mär-Aug |
| Spinat | nicht nötig | Feb-Apr, Jul-Aug | entfällt |
| Erbsen | nicht nötig | Mär-Apr | entfällt |
| Bohnen | nicht nötig | Mai-Jun | entfällt |
| Rote Bete | nicht nötig | Apr-Jun | entfällt |
| Mangold | nicht nötig | Apr-Jun | entfällt |
| Fenchel | nicht nötig | Jun-Jul | entfällt |
| Feldsalat | nicht nötig | Jul-Sep | entfällt |
| Knoblauch | entfällt | Okt | entfällt |
“Nicht empfehlenswert” bei Direktsaat heißt: Es geht theoretisch, aber du verlierst so viel Zeit, dass der Ertrag leidet. Bei Tomaten zum Beispiel: Direktsaat im Mai bedeutet, du erntest erst im Oktober, wenn überhaupt noch was reift.
Warum der Kalender in der Praxis variiert
Du wirst feststellen, dass dieser Kalender eine Orientierung ist. Was er nicht sein kann: eine exakte Ansage für deinen Garten.
Mikroklima. Mein Balkon in Freiburg ist an einer Südwand, also 2 bis 3 Wochen wärmer als der beschattete Garten bei meinen Eltern 10 Kilometer weiter. Ich pflanze früher aus und ernte früher. Das Mikroklima deines Gartens macht einen riesigen Unterschied.
Der Boden. Kalter, schwerer Ton-Boden wärmt sich im Frühjahr viel langsamer auf als lockerer Sandboden. Möhren in zu kalten Boden gesät keimen zwar irgendwann, aber es dauert lang und die Keimrate sinkt. Wenn du dir unsicher bist, mach den simplen Test: Schiebe einen Finger 10 cm tief in die Erde. Fühlt sie sich kalt an wie ein Kühlschrank? Warten. Fühlt sie sich nur noch etwas frisch an? Loslegen.
Witterung. Kommt Mitte April eine Woche Frost? Dann lieber die Möhrensaat noch eine Woche verschieben. Gibt es Ende April eine Hitzewelle? Dann können Gurken manchmal früher raus als gedacht.
Niemand erwartet, dass du den Kalender auf den Tag genau einhältst. Ein guter Gärtner schaut aufs Wetter, fühlt in den Boden und reagiert. Der Kalender gibt dir den Rahmen.
Die Eisheiligen im Blick behalten
Ein fester Orientierungspunkt im deutschen Pflanzkalender sind die Eisheiligen. Mamertus, Pankratius, Servatius, Bonifatius und die “Kalte Sophie” fallen auf den 11. bis 15. Mai. Statistisch gesehen können bis zu diesen Daten noch Nachtfröste auftreten, danach sehr selten.
Das bedeutet in der Praxis: Alle Gemüse, die keinen Frost vertragen (Tomaten, Paprika, Gurken, Zucchini, Auberginen, Basilikum), kommen erst nach dem 15. Mai raus. Wer früher auspflanzt, riskiert, die mühsam vorgezogenen Pflanzen zu verlieren.
Der ausführliche Artikel zu den Eisheiligen erklärt, welche Gemüse besonders gefährdet sind und was du tun kannst, wenn ein Kälteeinbruch nach dem Auspflanzen kommt.
Pflanzkalender und Fruchtwechsel zusammen denken
Der Pflanzkalender sagt dir, wann du was pflanzst. Den wo bestimmt der Fruchtwechsel. Beides zusammen ergibt einen funktionierenden Beetplan.
Kurze Version: Jede Gemüsefamilie steht jedes Jahr auf einem anderen Beet. Tomaten und Kartoffeln (beides Nachtschattengewächse) kommen erst nach 3 bis 4 Jahren wieder auf dasselbe Beet zurück. Der Artikel Pflanzplan Gemüsegarten erklärt das Vier-Beet-System und wie du beides sinnvoll kombinierst.
Wenn du ein Hochbeet hast: Der Hochbeet-Jahresplan zeigt dir für jede Saison, was wann ins Beet kommt und wie du Vor- und Nachkulturen sinnvoll einsetzt.
FAQ: Häufige Fragen zum Pflanzkalender
Ich hab den Aussaattermin verpasst. Was tun? Kommt auf das Gemüse an. Bei Möhren oder Radieschen: einfach säen, die wachsen das ganze Frühjahr und den Sommer. Bei Tomaten: Wenn du im Mai noch keine Pflanzen hast, kauf einfach Jungpflanzen im Gartencenter. Das ist keine Niederlage, das ist pragmatisch.
Kann ich alles auf einmal aussäen? Nein, und das willst du auch nicht. Wenn du alle Radieschen an einem Tag aussäst, hast du 3 Wochen später 80 Radieschen auf einmal. Dann wieder 6 Wochen lang nichts. Besser alle 2 bis 3 Wochen eine kleine Runde Radieschen säen, dann hast du den ganzen Sommer frische. Das nennt sich Staffelaussaat.
Mein Garten liegt in Norddeutschland / Bayern. Ändert sich was? In der Tat. Der Norden ist oft 1 bis 2 Wochen kälter im Frühling. In Bayern, besonders im Voralpenraum, können Spätfröste bis in den Juni reichen. Passe die Termine entsprechend an. Im Zweifel lieber eine Woche später auspflanzen als zu riskieren, die Pflanzen nochmals zu verlieren.
Vorziehen auf der Fensterbank: Was brauche ich? Im Grunde: Erde, kleine Töpfe oder Anzuchtschalen, eine helle Fensterbank und Geduld. Der Artikel Jungpflanzen anziehen geht auf die Details ein: Licht, Temperatur, Bewässerung, wann pikiert wird.
Muss ich einen schriftlichen Plan führen? Nein, muss nicht. Hilft aber. Ich mach ein Foto von meiner Saatgutkiste im Januar und notiere auf einem Zettel, was ich wann gesät habe. Den Zettel häng ich in der Küche auf. Im nächsten Jahr weiß ich dann, was geklappt hat und was nicht. Mehr braucht es nicht.
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