Die Tomaten sind abgeerntet, die ersten Kürbisse geholt und die Kartoffeln aus der Erde. Im August werden viele Beete im Gemüsegarten leer. Statt den Boden jetzt brachliegen und austrocknen zu lassen, kannst du ihm etwas richtig Gutes tun. Die Lösung ist einfach und effektiv: Gründüngung säen. Das ist quasi eine Kur für deine Erde und die perfekte Vorbereitung für eine fette Ernte im nächsten Jahr.
Vorteile der Gründüngung für den Gartenboden
Warum solltest du dir die Mühe machen, nochmal etwas auszusäen, was du gar nicht erntest? Weil Gründüngungspflanzen die wahren Helden für eine nachhaltige Bodenverbesserung sind. Sie arbeiten für dich, während du schon die nächste Saison planst.
Tiefenlockerung ohne Umgraben: Viele Gründüngungspflanzen, wie Ölrettich oder Lupinen, bilden lange Pfahlwurzeln. Diese durchwurzeln den Boden intensiv und brechen selbst verdichtete Schichten auf, wie Fachleute von “Natur im Garten” bestätigen. Das verbessert die Belüftung und Wasseraufnahme der Erde. Schweres Umgraben wird überflüssig.
Nährstoff-Booster und Humusaufbau: Die Pflanzenmasse, die über und unter der Erde wächst, wird später zu wertvollem Humus. Sie bindet Nährstoffe, die sonst bei starkem Regen ausgewaschen würden. Wenn die Pflanzen verrotten, geben sie diese Nährstoffe wieder an den Boden ab und füttern so das Bodenleben. Dein Beet wird quasi von innen heraus gedüngt.
Stickstoff aus der Luft: Ein besonderer Trick sind die sogenannten Leguminosen. Pflanzen wie Klee, Wicken oder Bohnen gehen eine Symbiose mit Knöllchenbakterien ein. Diese Bakterien können Stickstoff – den wichtigsten Pflanzennährstoff – direkt aus der Luft binden und im Boden speichern. Diese natürliche Stickstofffixierung macht deine Beete fruchtbarer für Starkzehrer wie Kürbis oder Tomaten im Folgejahr.
Schutzschild für die Erde: Nackter Boden ist anfällig für Erosion durch Wind und Starkregen. Eine dichte Pflanzendecke schützt die wertvolle Humusschicht und hält die Feuchtigkeit im Boden. Laut Bingenheimer Saatgut ist der August ein idealer Zeitpunkt dafür, da die leeren Flächen so direkt wieder bedeckt werden.
Vielfältige Sorten für die Gründüngung im August
Nicht jede Gründüngung ist gleich. Je nachdem, was dein Boden braucht und was du im nächsten Jahr anbauen möchtest, passen unterschiedliche Pflanzen. Die Wahl der richtigen Sorte ist auch wichtig für eine gesunde Fruchtfolge.
| Pflanze | Vorteile | Familie | Winterhart? | Ideal für… |
|---|---|---|---|---|
| Phacelia (Bienenfreund) | Wächst schnell, durchwurzelt gut, lockt Bienen an, ist fruchtfolgeneutral. | Raublattgewächse | Nein | Alle Beete, da sie mit keiner Gemüsekultur verwandt ist. |
| Gelbsenf | Keimt extrem schnell, unterdrückt Unkraut, hilft gegen Nematoden. | Kreuzblütler | Nein | Beete, auf denen im nächsten Jahr KEIN Kohl angebaut wird. |
| Ölrettich | Bildet tiefe Pfahlwurzeln, lockert verdichteten Boden, bekämpft ebenfalls Nematoden. | Kreuzblütler | Nein | Schwere Böden, die eine Tiefenlockerung brauchen. Nicht vor Kohl! |
| Inkarnatklee | Bindet viel Stickstoff, bildet dichten Teppich, ist winterhart bis ca. -10°C. | Leguminosen | Ja | Vorbereitung für Starkzehrer wie Tomaten, Kürbis, Zucchini. |
| Zottelwicke | Sehr winterhart, bildet extrem viel Grünmasse, fixiert Stickstoff, wurzelt tief. | Leguminosen | Ja | Längerfristige Bodenkur und Vorbereitung für Starkzehrer. |
| Buchweizen | Wächst sehr schnell und unterdrückt Unkraut effektiv, sammelt Phosphor. | Knöterichgewächse | Nein | Schnelle Bedeckung von freien Flächen bis zum ersten Frost. |
| Tagetes (Studentenblume) | Wirkt gezielt gegen schädliche Fadenwürmer (Nematoden) im Boden. | Korbblütler | Nein | Beete, die Probleme mit Nematoden hatten (z.B. bei Möhren, Kartoffeln). |
Die beste Wahl für Anfänger und für Beete mit unklarer Folgekultur ist oft Phacelia. Da sie mit unseren üblichen Gemüsepflanzen nicht verwandt ist, musst du dir über die Fruchtfolge keine Gedanken machen. Das macht sie laut Experten von “Wildes Gartenherz” besonders flexibel.
Der ideale Zeitpunkt und die richtige Aussaat
August ist perfekt. Der Boden ist noch warm von der Sommersonne, was eine schnelle Keimung garantiert. Die meisten Gründüngungspflanzen entwickeln sich dann noch prächtig vor dem Winter. Und so easy geht’s:
- Beet vorbereiten: Räum die Reste der Vorkultur ab. Grobes Unkraut solltest du ebenfalls entfernen. Lockere die oberste Erdschicht (2-3 cm tief) mit einem Rechen oder einer Harke auf. Tiefes Umgraben ist nicht nötig und stört nur das Bodenleben.
- Saatgut ausbringen: Schnapp dir die Saatgut-Tüte und verteile die Samen breitwürfig und möglichst gleichmäßig auf der Fläche. Orientiere dich an der empfohlenen Aussaatmenge, aber sei nicht zu zaghaft. Ein dichter Bestand unterdrückt Unkraut am besten.
- Leicht einarbeiten: Harke die Samen nun ganz flach in den Boden ein. Sie sollten nur leicht mit Erde bedeckt sein. Das schützt sie vor Vögeln und dem Austrocknen und sorgt für einen guten Bodenschluss.
- Andrücken (optional): Wenn du ein Brett zur Hand hast, kannst du die Fläche damit leicht andrücken. Das verbessert den Kontakt zwischen Samen und Erde und fördert die Keimung. Geht aber auch mit der Rückseite des Rechens.
- Angießen: Wässere das Beet zum Schluss gründlich mit einer feinen Brause. In den ersten Tagen solltest du die Erde feucht halten, bis die Keimlinge zu sehen sind.
Gründüngung als natürliche Schädlings- und Unkrautbekämpfung
Gründüngung ist mehr als nur Dünger, sie ist auch ein natürlicher Pflanzenschutz. Besonders die Nematodenbekämpfung ist ein riesiger Vorteil. Fadenwürmer (Nematoden) sind winzige, unsichtbare Schädlinge im Boden, die die Wurzeln von Möhren, Kartoffeln oder Sellerie befallen und die Ernte ruinieren können.
Tagetes und Kreuzblütler wie Gelbsenf oder Ölrettich sind hier die Spezialisten. Sie geben über ihre Wurzeln Stoffe ab, die für Nematoden giftig sind oder deren Vermehrung hemmen. Laut “Mein schöner Garten” kann der Anbau dieser Pflanzen den Nematodenbefall im Boden deutlich reduzieren – ein Prozess, der auch als Biofumigation bekannt ist.
Gleichzeitig ist eine dichte Gründüngungsdecke der beste Unkrautschutz, den du dir vorstellen kannst. Die schnell wachsenden Pflanzen beschatten den Boden so stark, dass die meisten Unkrautsamen gar nicht erst keimen können. Das erspart dir im nächsten Frühjahr eine Menge Jätarbeit.
Ernte und Einarbeitung: So nutzt du Gründüngung optimal
Irgendwann muss die Gründüngung weichen, um Platz für das neue Gemüse zu machen. Der richtige Zeitpunkt und die Methode sind entscheidend, um den vollen Nutzen aus deinem Projekt zu ziehen.
Der wichtigste Grundsatz: Die Gründüngung muss weg, bevor sie Samen bildet. Ansonsten sät sie sich selbst aus und wird im nächsten Jahr zum Unkraut. Das willst du auf keinen Fall.
Bei nicht winterharten Sorten (z.B. Phacelia, Senf, Buchweizen): Hier erledigt der erste starke Frost die Arbeit für dich. Die Pflanzen erfrieren und brechen zusammen. Ihre Überreste bilden über den Winter eine schützende Mulchschicht. Die Regenwürmer ziehen die Pflanzenreste nach und nach in den Boden und verwandeln sie in wertvollen Humus. Im Frühjahr musst du die Reste nur noch leicht in die Oberfläche einarbeiten.
Bei winterharten Sorten (z.B. Inkarnatklee, Zottelwicke): Diese Pflanzen überleben den Winter und wachsen im Frühjahr weiter. Mähe sie spätestens zwei bis drei Wochen vor der geplanten Aussaat der neuen Kultur ab. Das geht mit einer Sense, Sichel oder bei kleinen Flächen auch mit einer Heckenschere.
Was tun mit der Grünmasse? Du hast jetzt mehrere Optionen, die alle gut sind:
- Als Mulch liegen lassen: Die einfachste Methode. Lass das abgeschnittene Material einfach auf dem Beet liegen. Es schützt den Boden, unterdrückt Unkraut und verrottet langsam. Diese Methode ist ideal für Permakultur- und No-Dig-Gärten.
- Flach einarbeiten: Du kannst die Pflanzenmasse auch oberflächlich (ca. 5-10 cm tief) in den Boden einarbeiten. Das beschleunigt die Verrottung und die Nährstofffreisetzung. Nutze dafür eine Grabegabel oder einen Sauzahn.
- Kompostieren: Wenn du sehr viel Grünmasse hast, kannst du einen Teil auch auf den Kompost geben. Dort wird sie zu wertvollem Dünger für andere Beete.
Wichtig ist eine kurze Wartezeit. Nach dem Einarbeiten der Gründüngung solltest du laut dem Bodenfruchtbarkeitsfonds etwa zwei bis drei Wochen warten, bevor du etwas Neues säst oder pflanzt. In dieser Zeit finden im Boden intensive Abbauprozesse statt, die die Keimung von frischem Saatgut hemmen könnten.
Also, worauf wartest du? Gib deinem Boden etwas zurück. Eine Gründüngung im August ist ein kleines Projekt mit riesiger Wirkung für die Fruchtbarkeit deines Gartens.





