Frisch geerntete Zwiebeln in einem Korb auf dem Gartentisch im Sommerlicht
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Zwiebeln ernten und einlagern: 7 Schritte

· 5 Min. Lesezeit

Letztes Jahr war ich zwei Wochen im Urlaub, als die Zwiebeln reif wurden. Mein Mann hat sie nicht geerntet, weil er dachte, die können noch wachsen. Als ich zurückkam, lagen die meisten auf der Erde, das Laub war braun, und ein paar hatten schon weiche Stellen. Wir haben sie trotzdem eingelagert. Mitte November waren die Hälfte matschig. Das war der Punkt, an dem ich angefangen habe, das Ernten und Einlagern wirklich ernst zu nehmen.

Bei uns ist die Zwiebelernte jedes Jahr so ein kleines Familienprojekt. Die Kinder ziehen die Zwiebeln aus der Erde, ich lege sie in Reihen auf den Schuppenboden, mein Mann kümmert sich ums Aufhängen. Drei Tage Arbeit, dafür haben wir den ganzen Winter eigene Zwiebeln. Ich gehe das hier Schritt für Schritt durch, inklusive der Fehler, die ich über die Jahre teuer bezahlt habe.

Eine gute Ernte beginnt nicht erst im Juli. Sie beginnt damit, dass du rechtzeitig erkennst, wann die Zwiebel wirklich reif ist. Wer zu früh erntet, hat kleine Knollen mit zu viel Wasser drin. Wer zu spät erntet, hat weiche, schimmelige Zwiebeln im Lager. Das Zeitfenster ist eng, aber kalkulierbar.

Wann sind Zwiebeln reif zur Ernte?

Im Juli bis Anfang August streckt sich das Laub, wird gelb und kippt um. Das ist der wichtigste Hinweis. Bei Steckzwiebeln passiert das in der Regel vier bis fünf Monate nach dem Stecken, bei Aussaat-Zwiebeln etwa ein bis zwei Wochen später. Wenn ungefähr ein Drittel des Laubs von alleine umgefallen ist, ist der richtige Zeitpunkt.

Du kannst es auch über die Probe machen: Zieh eine einzelne Zwiebel raus und schau sie an. Die Schale sollte trocken und papierartig sein, der Hals weich und dünn, nicht mehr dick und grün. Ist der Hals noch fleischig, warte lieber noch eine Woche.

Bei uns in Südbaden ist es meistens Ende Juli soweit. In kühleren Regionen zwei bis drei Wochen später. Schau nicht auf den Kalender, sondern auf dein Beet.

Schritt 1: Richtiger Tag zum Ernten

Ernte die Zwiebeln an einem trockenen Tag. Idealerweise ist es am Morgen noch leicht feucht, aber ab Mittag trocken. Wenn es in den Tagen davor geregnet hat, warte lieber ein, zwei Tage, bis der Boden abgetrocknet ist. Nasse Zwiebeln verschimmeln im Lager schneller.

Ich nehme mir für die Ernte immer einen festen Vormittag. Mit kleinem Kind brauche ich gutes Wetter, ein freies Zeitfenster und jemanden, der die Kinder beschäftigt. Klingt viel, ist aber machbar.

Schritt 2: Zwiebeln aus der Erde ziehen

Greif die Zwiebel am Laubansatz, direkt über der Erde, und zieh sie vorsichtig raus. Nicht ruckartig. Wenn die Erde zu fest ist, lockere sie vorher mit einer Grabegabel. Aber nicht mit der Gabel direkt unter die Zwiebel stechen, sonst verletzt du die Scheibe.

Wir ziehen die Zwiebeln in einer Reihe aus und legen sie direkt nebeneinander wieder ab. Nicht stapeln, nicht in einen Eimer werfen. Jede Stoßstelle ist eine mögliche Faulstelle.

Wasch die Zwiebeln auf keinen Fall. Erde dran lassen, das schützt die Schale. Die Erde fällt beim Trocknen von alleine ab.

Aufgeknotete Zwiebelzöpfe trocknen luftig an einer Dachstange
Zwiebelzöpfe trocknen luftig an einer Stange, fertig für den Keller.

Schritt 3: Trocknen ist der wichtigste Schritt

Hier verlieren die meisten Hobbygärtner ihre Ernte. Sie ernten, freuen sich, räumen alles in Kisten und wundern sich, warum im November alles weich ist. Die Antwort: Die Zwiebeln waren nicht trocken genug.

Nach der Ernte brauchen Zwiebeln zwei bis vier Wochen zum Trocknen. Das Laub muss komplett vertrocknen, der Hals sich vollständig schließen, die Schale papierartig werden. Erst dann sind sie lagerfähig.

Wo trocknen? Idealerweise:

  • Luftig und schattig
  • Überdacht, aber nicht in der prallen Sonne
  • Auf einem Holzrost, Lattenrost oder aufgehängt am Laub
  • Temperatur zwischen 20 und 25 Grad

Wir trocknen auf dem Schuppendachboden. Alte Lattenroste vom letzten Hochbeet, darauf die Zwiebeln in einer Schicht. Die Kinder laufen gerne mal hoch, weil es dort nach Zwiebeln riecht. Nach drei Wochen sind die Zwiebeln fertig für den nächsten Schritt.

Wer keinen Dachboden hat: ein gut belüfteter Schuppen, eine überdachte Pergola, ein trockener Keller. Hauptsache Luft und kein Regen.

Schritt 4: Laub und Wurzeln schneiden

Wenn die Zwiebeln trocken sind, geht es ans Putzen. Schneide die Wurzeln mit einer scharfen Schere oder einem Messer direkt am Zwiebelboden ab. Nicht zu tief schneiden, sonst verletzt du die Scheibe.

Beim Laub hast du zwei Möglichkeiten:

  • Abschneiden auf drei bis fünf Zentimeter (für Lagerung in Kisten oder Netzen)
  • Anlassen und zu Zöpfen flechten (dekorativ und platzsparend)

Ich mache beides. Die schönsten Zwiebeln werden zu Zöpfen geflochten, die hängen dann in der Küche. Der Rest kommt in Netze.

Tipp fürs Flechten: Nimm drei Zwiebeln mit langem Laub, flechte wie einen Haarzopf, hänge den Zopf am Ende an einem Haken auf. Funktioniert erstaunlich gut, auch ohne Übung. YouTube-Videos helfen beim ersten Mal.

Schritt 5: Lagerort vorbereiten

Bevor die Zwiebeln ins Lager kommen, prüfe den Ort. Zwiebeln lagern gut bei:

  • 0 bis 4 Grad (Keller)
  • Trockene Luft, relative Feuchte unter 70 Prozent
  • Dunkel oder dunkelheitsnah
  • Luftzirkulation, keine geschlossenen Behälter

Schlecht: Küchenschrank, Vorratskammer ohne Luft, Plastiktüte, Balkon im Winter.

Gut: Kellerregal auf Latten, Netz an der Wand, Zopf an einem Haken, Garage mit Temperaturschwankungen.

Bei uns hängt ein Drittel als Zopf in der Küche (für den schnellen Zugriff) und zwei Drittel als Netz im Keller. Im Keller halten sie bis Februar, die Zöpfe in der Küche müssen bis Weihnachten leer sein, weil es dort zu warm und feucht wird.

Schritt 6: Regelmäßig kontrollieren

Alle zwei bis drei Wochen durch die Zwiebeln gehen. Faule Exemplare sofort rausnehmen, sonst stecken sie die gesunden an. Eine einzelne matschige Zwiebel kann in zwei Wochen den halben Vorrat verderben.

Sortiere dabei auch nach Größe. Kleine Zwiebeln zuerst verbrauchen, große halten länger.

Ich habe mir angewöhnt, sonntags beim Kaffeekochen kurz in den Keller zu gehen und zu schauen. Drei Minuten Aufwand, der die ganze Ernte retten kann.

Schritt 7: Was tun mit schlechten Zwiebeln?

Nicht jede geerntete Zwiebel ist lagerfähig. Drei Sorten aussortieren:

  • Weiche oder matschige: direkt verbrauchen oder einkochen
  • Schon angeschnittene: innerhalb einer Woche verarbeiten
  • Gekeimte: keimfähige Zwiebeln im Frühjahr wieder stecken, der Rest in die Küche

Gekeimte Zwiebeln schmecken etwas milder, sind aber nicht schlecht. Eingekocht oder als Suppengemüse machen sie sich gut.

Aus den aussortierten Zwiebeln koche ich im Herbst oft eine große Portion Zwiebelmarmelade. Die hält sich eingekocht ein Jahr und ist im Winter ein Geschenk, das jeder gerne annimmt. Mehr dazu in meinem Einmachen-Artikel.

Häufige Fehler beim Zwiebeln ernten und einlagern

Über die Jahre habe ich fünf typische Fehler selbst gemacht. Hier die teuersten:

Fehler 1: Zu früh geerntet. Kleine Zwiebeln mit zu viel Wasser drin, schrumpfen im Lager schnell zusammen. Lieber warten, bis das Laub wirklich umgekippt ist.

Fehler 2: Nass eingelagert. Wer die Zwiebeln direkt nach der Ernte in den Keller räumt, holt sich Fäulnis ins Lager. Erst trocknen, dann einlagern.

Fehler 3: In Plastik gelagert. Kein luftdichter Behälter, niemals. Plastiktüten, geschlossene Boxen, alles schlecht. Netze, Körbe, Lattenroste.

Fehler 4: Zu warm gelagert. Küche, Heizungskeller, beheizter Vorratsraum. Zwiebeln brauchen es kühl, sonst keimen sie schon im November.

Fehler 5: Faule Zwiebeln nicht aussortiert. Eine faule Zwiebel steckt die ganze Kiste an. Regelmäßig kontrollieren, konsequent aussortieren.

Mehr zu Anbaufehlern bei Zwiebeln findest du im verwandten Zwiebeln-Fehler-Artikel. Die beiden Themen hängen eng zusammen: Wer Fehler bei Tiefe, Timing und Schossen vermeidet, hat im Sommer mehr zu ernten.

Zwiebeln einfrieren als Alternative

Wenn der Lagerplatz knapp ist, kannst du Zwiebeln auch einfrieren. Das funktioniert gut, ist aber etwas anders als Lagern. Hier die wichtigsten Punkte:

  • Zwiebeln schälen, in Ringe oder Würfel schneiden
  • Roh einfrieren geht, sie werden aber weicher (gut für Suppen und Soßen)
  • Kurz blanchierte Zwiebeln (eine Minute in kochendem Wasser) bleiben fester
  • In Gefrierbeuteln oder -dosen, luftdicht, halten sich eingefrorene Zwiebeln sechs bis neun Monate

Ich friere jedes Jahr etwa zwei Kilogramm ein. Den Rest lagere ich klassisch. So habe ich das ganze Jahr über eigene Zwiebeln, auch wenn im Frühjahr das Lager leer wird.

Wann sind eingelagerte Zwiebeln nicht mehr gut?

Drei Zeichen, dass eine Zwiebel in den Müll gehört:

  • Sie fühlt sich matschig an
  • Sie riecht säuerlich oder ungewöhnlich
  • Die Schale ist dunkel verfärbt und feucht

Eine eingelagerte Zwiebel, die noch fest ist und normal riecht, ist in Ordnung. Auch wenn die äußere Schale etwas schrumpelig aussieht. Die inneren Schichten sind das, was zählt.

Der ganze Kreislauf

Wenn du im Sommer Zwiebeln erntest, sie richtig trocknest und kühl lagerst, hast du bis Februar eigene Zwiebeln. Im Frühjahr keimt vielleicht die eine oder andere, die kommt dann wieder ins Beet. Aus jeder geernteten Zwiebel wird neuer Samen oder neuer Steckzwiebel-Ansatz. So schließt sich der Kreis.

Mein Mann sagt immer, die Zwiebel ist das fairste Gemüse: Sie gibt dir Zeit, dich an sie zu gewöhnen. Erst beim Stecken im März, dann beim Wachsen, dann beim Ernten, dann beim Einlagern. Vier Phasen, jede mit ihrer eigenen Logik. Wer das einmal verstanden hat, hat nie wieder Stress mit Zwiebeln.

Häufige Fragen zu Zwiebeln ernten und einlagern

Wann genau Zwiebeln ernten? Wenn ein Drittel des Laubs von alleine umgekippt ist und die Schale papierartig trocken ist. Bei Steckzwiebeln meist Ende Juli, bei Aussaat Anfang bis Mitte August.

Wie lange müssen Zwiebeln trocknen? Zwei bis vier Wochen an einem luftigen, schattigen, überdachten Ort. Erst wenn das Laub komplett vertrocknet ist und der Hals sich geschlossen hat, sind sie lagerfähig.

Kann ich Zwiebeln in der Wohnung lagern? Nur kurzfristig und nur in Netzen oder Körben. Für längere Lagerung brauchst du einen kühlen Ort unter 8 Grad, am besten Keller oder Garage.

Muss ich Zwiebeln waschen vor dem Einlagern? Nein. Erde dran lassen ist gut, sie fällt beim Trocknen von alleine ab. Waschen erhöht das Fäulnisrisiko.

Was tun mit gekeimten Zwiebeln? Kleine Mengen im Frühjahr als Steckzwiebeln ins Beet setzen. Den Rest zeitnah verbrauchen, sie halten sich nicht mehr lange.

Wie lange halten sich eingelagerte Zwiebeln? Bei optimalen Bedingungen (kühl, trocken, dunkel, luftig) vier bis sechs Monate, also bis Februar oder März.

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Quellenangaben zu Reifezeitpunkt, Trocknung und Lagerbedingungen finden sich in der Bayerischen Gartenakademie (LWG), beim Julius Kühn-Institut (JKI) und bei der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen. Detailwerte wie 0 bis 4 Grad Lagertemperatur und 2 bis 4 Wochen Trocknungsdauer stammen aus diesen Quellen.

Quellen & Referenzen

Alle Angaben basieren auf wissenschaftlichen Quellen und langjähriger Praxiserfahrung unserer Experten.

  1. Behörde Zwiebeln ernten und lagern, Bayerische Gartenakademie (2024)
  2. Wissenschaft Allium cepa – Reife, Ernte und Lagerung, Julius Kühn-Institut (JKI) (2023)
  3. Behörde Lagerung von Speisezwiebeln, Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen (2022)
  4. Behörde Nacherntebehandlung bei Zwiebeln, Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) (2022)