Kompost: Die günstigste Bodenverbesserung überhaupt
Ich habe mal einem Freund erklärt, dass ich meinen Küchenabfall nicht wegschmeiße, sondern in Erde verwandle. Er hat mich angeguckt, als wäre ich ein bisschen verrückt. Zwei Jahre später hat er einen eigenen Komposthaufen.
Kompostieren ist kein Hexenwerk. Es passiert in der Natur ständig und von selbst. Man muss die Bedingungen nur ein bisschen optimieren, und dann verwandeln sich Kaffeesatz, Rasenschnitt und Küchenreste in wenigen Monaten in dunklen, krümeligen Humus, das schwarze Gold des Gärtners. Der verbessert jede Bodenart, hält Wasser in sandigen Böden und lockert schwere Böden auf. Und er kostet dich praktisch nichts.
Standort: Wo der Kompost am besten arbeitet
Halbschatten ist ideal. Volle Sonne trocknet den Haufen aus, voller Schatten macht die Rotte langsam. Am besten unter einem Laubbaum, der im Sommer Schatten spendet und im Herbst Laub liefert.
Direkter Erdkontakt ist Pflicht. Der Komposthaufen muss auf der Erde stehen, nicht auf Beton oder Pflaster. Regenwürmer und Bodenorganismen müssen von unten einwandern. Die sind die eigentlichen Kompostierer, du machst nur den Anfang.
Zugänglichkeit: Mindestens von zwei Seiten zugänglich, damit du umsetzen kannst.
Abstand zum Nachbar: Bei richtiger Handhabung riecht Kompost kaum. Trotzdem: 1 bis 2 Meter Abstand zur Grundstücksgrenze sind angebracht.
Kompostbehälter: Selbst gebaut oder gekauft?
Offener Komposthaufen: Kein Behälter nötig. Einfach aufschichten. Sehr luftig, schnelle Rotte. Kann ein bisschen unordentlich aussehen, und Tiere wühlen gerne rein.
Kompostbox aus Holz (selbst gebaut): Einfachste und günstigste Lösung. Vier Holzpfosten, dazwischen Latten oder Drahtgeflecht mit Abstand für Luftzirkulation. Mindestmaß: 1 × 1 m, besser 1, 2 × 1, 2 m.
Zwei- oder Dreiboxen-System: Das ist mein Setup. Box 1 für frischen Kompost, Box 2 für halb Verrottetes, Box 3 für fertigen Kompost. So hast du immer was Fertiges zur Hand.
Schnellkomposter (Kaufprodukt): Praktisch für kleine Gärten, hält Wärme gut, aber schwer umzusetzen. Gut für reine Küchenabfälle.
Mäuseschutz: Oft vergessen, aber wichtig
Kompost zieht Mäuse an, besonders wenn Küchenabfälle drin sind. Deswegen:
- Kompostbehälter aus engmaschigem Draht (Maschenweite max. 13 mm) auf allen Seiten und am Boden auskleiden
- Keine gekochten Speisen, kein Fleisch, keine Milchprodukte in den Kompost
- Kompost regelmäßig umsetzen, das stört Mäuse-Nester
Was in den Kompost darf, und was nicht
Geeignet:
- Rohes Obst und Gemüse (Schalen, Reste)
- Kaffeesatz und Teebeutel aus Papier
- Rasenschnitt
- Laub (außer Walnuss und Kastanie, zu gerbstoffreich)
- Gartenabfälle (Stauden, Unkraut ohne Samen)
- Papier und Pappe ohne Plastik
- Eierschalen
- Holzhäckselgut, Stroh
Nicht geeignet:
- Fleisch, Fisch, Milchprodukte, locken Schädlinge an
- Kranke Pflanzen (Krautfäule, Schorf usw.)
- Unkraut mit reifen Samen, die keimen nachher im Beet wieder
- Kohlgemüse in großen Mengen, riecht unangenehm
- Exkremente von Fleischfressern (Hund, Katze)
- Windeln, Kunststoffe, beschichtetes Papier
Richtig schichten: Die wichtigste Faustregel
Kohlenstoff und Stickstoff müssen sich abwechseln. Verhältnis etwa 25:1.
Stickstoffreiche Materialien (“Grünmaterial”): Rasenschnitt, Küchenabfälle, frische Pflanzenreste. Kohlenstoffreiche Materialien (“Braunmaterial”): Laub, Stroh, Pappe, Holzspäne.
Die goldene Schichtregel: abwechselnd grob und fein, feucht und trocken.
- Beginn mit einer groben Schicht aus Ästen oder Stängeln für Luftzirkulation am Boden
- Darüber feines Grünmaterial (Rasenschnitt, Küchenabfälle)
- Darüber eine Lage Braunmaterial (Laub, Stroh)
- Jede Lage leicht anfeuchten
- Abwechselnd weiterschichten
Rasenschnitt niemals dick auftragen. Der klebt zusammen, fault und stinkt. Immer mit Braunmaterial mischen oder in dünnen Lagen auftragen.
Feuchtigkeit: So feucht wie ein ausgewrungener Schwamm
Der Kompost darf weder zu nass noch zu trocken sein. Die richtige Feuchtigkeit fühlt sich an wie ein ausgewrungener Schwamm: feucht, aber kein Wasser tropft raus.
Zu trocken: Rotte kommt zum Stillstand, weißliche Fäden (Pilze) entstehen, Temperatur sinkt. Zu nass: Sauerstoffmangel, anaerobe Vergärung, Geruch nach faulen Eiern.
Bei Trockenheit: mit Wasser benetzen. Bei Nässe: Braunmaterial unterarbeiten und den Haufen lockern.
Umsetzen: Der Turbo für die Rotte
Kompost, der nie umgesetzt wird, verrottet trotzdem. Nur viel langsamer. Regelmäßiges Umsetzen belüftet den Haufen, bringt außen liegendes Material in die warme Mitte und beschleunigt alles erheblich.
Frequenz: Alle 4 bis 8 Wochen für schnellen Kompost. Wer keine Eile hat: 1 bis 2 Mal im Jahr reicht.
Heiß-Kompostierung: Bei richtigem Material und regelmäßigem Umsetzen kann der Kompost im Inneren 50 bis 70°C erreichen. Das tötet Unkrautsamen und Krankheitserreger ab. Heiß-Kompost ist nach 3 bis 4 Monaten fertig. Klingt aufwendig, ist aber mega befriedigend wenn man reinsteht und der Dampf aufsteigt.
Kompostreife testen: Der Kressetest
So checkst du, ob der Kompost bereit ist:
- Etwas Kompost in einen kleinen Topf füllen
- Kressesamen säen
- Keimen die Kressepflanzen normal aus und wachsen grün? Kompost ist reif.
- Vergilben die Keimlinge oder passiert kaum was? Noch etwas warten.
Reifen Kompost erkennst du auch einfach: dunkle, krümelige Struktur, Erdgeruch, keine erkennbaren Ausgangsmaterialien mehr.
Fertigen Kompost verwenden
Einarbeiten: 2 bis 5 Liter pro Quadratmeter flach einharken, nicht tief eingraben.
Mulchen: Reifen Kompost auf der Oberfläche um Pflanzen verteilen. Die Regenwürmer ziehen ihn selbst in den Boden, du musst gar nichts tun.
Anzuchterde: Kompost mit Sand im Verhältnis 1:1 mischen, ergibt prima Anzuchterde.
Bedarfsgerecht: Starkzehrer wie Tomaten, Kohl und Kürbis bekommen mehr Kompost. Schwachzehrer wie Kräuter und Bohnen brauchen weniger oder gar keinen.
Häufige Fragen zum Kompost
Mein Kompost riecht unangenehm. Was mache ich falsch? Der Geruch kommt von zu nassem oder zu verdichtetem Kompost, der ohne Sauerstoff fault. Sofort umsetzen, Braunmaterial untermischen (Stroh, Laub, Pappe), für Luftzirkulation sorgen. Klingt aufwendig, klappt aber jedes Mal. Regelmäßiges Umsetzen verhindert Geruchsprobleme grundsätzlich.
Wie lange dauert es, bis der Kompost fertig ist? Kommt drauf an. Mit regelmäßigem Umsetzen und richtigem Material: 4 bis 6 Monate. Ohne Umsetzen: 12 bis 18 Monate. Fertig ist er, wenn er dunkel, krümelig ist und nach Erde riecht, nicht nach Fäulnis.
Kann ich auch ohne Garten kompostieren? Ja, Wurmkomposter funktionieren sogar in der Wohnung. Kompostwürmer (Eisenia fetida) verarbeiten Küchenabfälle in wenigen Wochen zu hochwertigem Wurmhumus. Bei richtiger Handhabung kein Geruch. Ich hatte mal einen auf meinem Balkon in Freiburg stehen, hat bestens funktioniert.
