Himbeerstrauch mit Blättern und einigen reifen und unreifen roten Früchten im Garten
Anleitungen 9 Min. Lesezeit 3 Quellen

Himbeeren pflanzen: Wurzelware im Winter richtig setzen

Himbeeren pflanzen im Herbst: So setzt du Wurzelware richtig, mit Wässern, Pflanzloch, Pflanztiefe und Schnitt für einen starken Start ins Beerenjahr.

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Das Paket kommt an, drin stecken ein paar knorrige Stängel mit Wurzeln dran, und plötzlich fragst du dich: Das soll ein Obstbusch werden? Ja, soll es. Wurzelware sieht im Winter unspektakulär aus, ist aber die günstigste und robusteste Art, Obstgehölze und Beerensträucher in den Garten zu holen. Wenn du Himbeeren pflanzen willst, ist die kalte Jahreszeit sogar die beste Gelegenheit.

Hier kommt das ganze Setup: vom Auspacken bis zum ersten Schnitt. Muss nicht perfekt sein. Ein paar Grundregeln solltest du aber kennen, dann klappt es.

Wurzelware checken: Qualitätskontrolle direkt nach dem Auspacken

Bevor irgendwas in die Erde kommt, schaust du dir die Pflanzen an. Das ist deine Wurzelware-Qualitätskontrolle, und sie dauert fünf Minuten.

Worauf du achtest:

  • Wurzeln: hell bis bräunlich, faserig, feucht und biegsam. Trockene, spröde oder schimmelige Wurzeln sind ein schlechtes Zeichen.
  • Triebe: glatt und prall, nicht schrumpelig. Ein kleiner Kratztest mit dem Fingernagel zeigt unter der Rinde grünes, feuchtes Gewebe, wenn die Pflanze lebt.
  • Knospen: geschlossen und unversehrt, noch nicht ausgetrieben.
  • Verletzungen: abgebrochene Wurzeln sind normal, eine komplett zerfaserte Wurzelmasse nicht.

Ist etwas auffällig, melde es dem Händler gleich, am besten mit Foto. Alles in Ordnung? Dann loslegen. Kannst du nicht sofort pflanzen, schlag die Pflanzen übergangsweise in lockere Erde ein oder stell sie kühl und frostfrei in einen feuchten Sack. Direkt in die Heizungsnähe gehören sie auf keinen Fall.

Zeitpunkt und Pflanzfenster für Wurzelware

Wann ist eigentlich der richtige Moment? Wurzelnackte Obstgehölze werden am besten von Oktober bis November gepflanzt. Eine Frühjahrspflanzung vor dem Austrieb ist alternativ möglich (Baumschule Horstmann). Die Pflanzen sind dann in der Ruhephase, haben keine Blätter, die Wasser verdunsten, und können im Boden in Ruhe Wurzeln bilden.

Bei Johannisbeeren ist das Fenster etwas größer: Sie lassen sich zwischen Oktober und April setzen, weil sie früh austreiben und trotzdem lange Zeit zum Anwachsen haben (Lubera).

PflanzeGute PflanzzeitHinweis
Obstbäume (wurzelnackt)Oktober bis November, alternativ Frühjahr vor dem AustriebHerbst bevorzugt
JohannisbeerenOktober bis Apriltreiben früh aus, nicht zu lange warten
HimbeerenHerbst oder zeitiges Frühjahrnur bei frostfreiem Boden

Der Boden darf nicht gefroren oder knietief durchnässt sein. Bei hartem Frost wartest du ab. Wurzelware verzeiht ein paar Tage Verzögerung, wenn sie kühl und feucht liegt.

Wurzelnackte Gehölze vorbereiten: Wässern und Schneiden

Trockene Wurzeln sind das größte Risiko. Deshalb kommt die Pflanze vor dem Einsetzen erst einmal ins Wasser. Die Wurzeln sollten zwischen einer Stunde und einem Tag gewässert werden (Manufacturum, Baumschule Horstmann). Nach der Lagerung oder bei sehr trockener Lieferung eher länger, bei frisch geliefertem, noch feuchtem Material reicht die kurze Zeit.

Ein Eimer genügt. Länger als einen Tag brauchst du nicht, sonst fehlt den Wurzeln am Ende der Sauerstoff.

Während die Pflanzen im Wasser stehen, kannst du die Wurzeln kurz begutachten:

  1. Beschädigte, abgeknickte oder angefaulte Wurzeln mit einer scharfen Schere sauber abschneiden.
  2. Zu lange, ungleichmäßig abstehende Wurzeln leicht einkürzen, damit sie ins Pflanzloch passen und nicht eingerollt werden müssen.
  3. Triebe prüfen: Abgetrocknete oder gebrochene Spitzen kommen weg.
  4. Pflanze bis zum Einsetzen im Wasser oder zumindest feucht halten, nicht in der Sonne liegen lassen.

Pflanzloch graben und Boden vorbereiten

Die Bodenvorbereitung bei Obstgehölzen entscheidet, ob die Pflanze im ersten Jahr einfach nur dasteht oder tatsächlich loslegt. Eine Faustregel, die sich bewährt hat: Das Pflanzloch sollte mindestens doppelt so breit wie die Wurzel und 1,5-mal so tief wie die Wurzel lang sein (Baumschule Horstmann).

Klingt nach viel? Ist es auch, aber der Aufwand lohnt sich. Lockerer Boden rund um die Wurzeln lässt sie schnell in alle Richtungen wachsen. Wer ein enges Loch in verdichteten Lehm gräbt, baut den Pflanzen einen Blumentopf im Boden.

So gehst du Schritt für Schritt vor

  1. Grasnarbe und Unkraut an der Pflanzstelle großzügig entfernen.
  2. Pflanzloch ausheben und die Erde auf einer Plane oder Schubkarre sammeln. Humusreiche Oberschicht und tieferen Boden möglichst getrennt halten.
  3. Sohle mit Spaten oder Grabegabel lockern, damit das Wasser später nicht stehen bleibt.
  4. Bei schwerem Boden: Neigt die Stelle zu Staunässe, kommt eine Kiesschicht in die Pflanzlochsohle (Baumschule Horstmann).
  5. Aushub bei Bedarf mit reifem Kompost mischen, aber sparsam und gut vermengt.

Die Betonung liegt auf reif und gut vermengt. Frischer Kompost, Mist oder Mineraldünger dürfen nicht direkt an die Wurzeln gelangen (Baumschule Horstmann). Sie können die feinen Wurzeln verbrennen oder zu einer überfütterten Pflanze mit zu wenig Wurzelwerk führen. Besser: Nährstoffe in die obere Bodenschicht einarbeiten oder später als Mulch oben auflegen.

Standort und Fruchtfolge bei Himbeeren

Himbeeren mögen es sonnig bis halbschattig, locker und humos. Dauernasse Füße vertragen sie schlecht, Staunässe führt schnell zu Wurzelproblemen.

Wichtig vor dem Pflanzen: Nach einer Himbeerpflanzung ist eine Anbaupause von mindestens 5 Jahren erforderlich, um Bodenmüdigkeit zu vermeiden (Hauert). Neue Himbeeren also nicht an die Stelle setzen, an der gerade alte Ruten gerodet wurden. Such dir eine neue Ecke im Garten. Das gilt auch, wenn die alte Stelle noch so schön sonnig ist.

Steht in der Nähe ein Nachbargrundstück, erkundige dich bei der Gemeinde nach den geltenden Abstandsregeln für Sträucher und Bäume, bevor du pflanzt. Die gelten je nach Region unterschiedlich.

Richtige Pflanztiefe für Obstbäume und Beerensträucher

Hier passieren die meisten Fehler. Zu tief, zu flach, an der falschen Stelle veredelt. Die Tiefe unterscheidet sich je nach Pflanze deutlich.

PflanzePflanztiefeWarum
Himbeerenflach, Wurzelhals etwa 5 cm unter der Erdetreiben neue Ruten aus Wurzelknospen, zu tiefe Lage hemmt den Austrieb
Johannisbeeren5 bis 10 cm tiefer als zuvor gepflanztzusätzliche Triebe aus der Basis, stabilerer Strauch
Obstbäume (veredelt)Veredelungsstelle sichtbar über der Erdesonst bildet das Edelreis eigene Wurzeln oder die Unterlage verliert ihre Wirkung

Die Angaben zu Himbeeren und Johannisbeeren stammen von garteln.info und Lubera. Merke dir: Himbeeren flach, Johannisbeeren tiefer. Beim Obstbaum zählt die Veredelungsstelle, die erkennst du als leichte Verdickung oder Knick im unteren Stammbereich.

Tipp für die Praxis: Leg einen Stock oder die Schaufelkante quer über das Loch. So siehst du von der Seite, ob der Wurzelhals auf der richtigen Höhe liegt. Erde setzt sich nach dem Angießen noch etwas, also lieber einen Hauch höher einsetzen als zu tief.

Pflanzen einsetzen und angießen

Jetzt wird es konkret. Du hast das Loch, die gewässerten Wurzeln und die richtige Tiefe im Kopf.

Gepflanzte Stelle: Pflanzloch in lockerer Erde neben einem abgeschnittenen Aststück, umgeben von trockenem Gras
Lockere die Bodensohle auf, damit Wasser später nicht staut.
  1. Bei Bedarf einen kleinen Hügel aus lockerer Erde in der Mitte des Pflanzlochs formen.
  2. Pflanze einsetzen und die Wurzeln gleichmäßig nach allen Seiten ausbreiten, nichts einrollen.
  3. Erde Schicht für Schicht einfüllen, zwischendurch die Pflanze leicht rütteln, damit keine Hohlräume entstehen.
  4. Erde rundherum mit dem Fuß vorsichtig andrücken, nicht festtrampeln wie Beton.
  5. Eine flache Gießmulde formen und ordentlich angießen, auch bei nassem Wetter. Das Einschlämmen schließt Hohlräume zwischen den Wurzeln.
  6. Mit Mulchmaterial wie Laub, Rasenschnitt oder Rindenmulch abdecken, ohne den Stamm oder die Triebbasis zu bedecken.

Beim Pflanzabstand gilt: Himbeeren in der Reihe grob 40 bis 50 cm auseinander, damit die Ruten Platz und Luft haben. Johannisbeeren brauchen deutlich mehr Raum, rechne eher mit etwa 1,2 bis 1,5 m, damit die Sträucher sich später nicht gegenseitig beschatten.

Stützsysteme für Beerensträucher

Himbeerruten sind lang, biegsam und im Sommer mit Früchten schwer beladen. Ohne Halt knicken sie bei Wind oder Regen um. Deshalb gehört ein Stützsystem für Beerensträucher fast immer dazu, am besten gleich beim Pflanzen.

Die simpelste Variante für Himbeeren: ein Spalier aus zwei Pfosten und mehreren Drähten.

  1. Zwei stabile Pfosten am Reihenanfang und -ende in den Boden schlagen.
  2. Drähte auf etwa 60, 100 und 140 cm Höhe spannen, je nach Sorte.
  3. Ruten locker mit Bindeschnur oder Jute am Draht fixieren.
  4. Im Sommer neue Ruten, die zu weit wegwachsen, nachbinden.

Johannisbeeren stehen meist frei, profitieren aber in den ersten Jahren von einem Bambusstab oder einem Pfahl. Bei Obstbäumen kommt ein Pfahl auf der windzugewandten Seite ins Loch, bevor du die Erde einfüllst, nicht danach. Sonst durchstößt du später womöglich die Wurzeln.

Ein Pfahl muss nicht teuer sein. Haselstangen, Dachlatten oder Reste aus dem Hochbeetbau tun es auch. Hauptsache, er hält und verrottet nicht schon im ersten Winter.

Pflanzschnitt für Fruchtholz

Nach dem Einsetzen kommt der Schnitt, und der ist der Moment, bei dem viele zögern. Dabei hat der Pflanzschnitt für Fruchtholz einen klaren Zweck: Die oberirdische Masse wird an das reduzierte Wurzelsystem angepasst. Wurzelware hat beim Roden Wurzeln verloren, also kann sie weniger Krone versorgen.

Grobe Orientierung:

  • Himbeeren: Ruten auf etwa 20 bis 30 cm einkürzen. Das fördert kräftige neue Ruten aus dem Boden.
  • Johannisbeeren: schwache oder zu enge Triebe entfernen, die verbleibenden Triebe um etwa ein Drittel einkürzen. Das bringt Verzweigung und baut ein Grundgerüst auf.
  • Obstbäume: Leittrieb und Seitentriebe so einkürzen, dass ein Gerüst mit klarer Hierarchie entsteht. Konkurrenztriebe entfernen.

Beim Schneiden immer über einer nach außen zeigenden Knospe ansetzen, mit sauberer, scharfer Schere. Ein glatter Schnitt heilt besser als ein ausgefranster.

Häufige Fehler vermeiden

Typische Stolperfallen bei Wurzelware sind schnell aufgezählt:

  • Wurzeln zu lange an der Luft gelassen, sodass sie austrocknen.
  • Pflanzloch zu klein oder in verdichtetem Boden nicht gelockert.
  • Frischen Dünger oder Mist direkt an die Wurzeln gebracht.
  • Himbeeren zu tief gesetzt oder auf eine alte Himbeerfläche gepflanzt.
  • Veredelungsstelle beim Obstbaum unter die Erde gelegt.
  • Nach dem Pflanzen nicht angegossen, weil es ohnehin regnet.

Die meisten dieser Fehler lassen sich mit etwas Aufmerksamkeit vermeiden. Und falls doch mal etwas schiefgeht: Beerensträucher sind überraschend verzeihend. Ein zu flach oder zu tief gesetzter Strauch lässt sich im Frühjahr oft noch korrigieren, solange er nicht ausgetrieben hat.

Pflege im ersten Jahr nach dem Pflanzen

Die Arbeit ist mit dem Einpflanzen nicht ganz zu Ende. Im Frühjahr und Sommer brauchen die Neuen etwas Aufmerksamkeit:

  1. In Trockenphasen regelmäßig und durchdringend gießen, lieber seltener und viel als täglich ein bisschen.
  2. Mulchschicht bei Bedarf erneuern, um Unkraut zu unterdrücken und den Boden feucht zu halten.
  3. Konkurrenzgras rund um die Pflanzen kurz halten.
  4. Im ersten Jahr nicht zu viel ernten, damit die Pflanze Kraft in Wurzeln und Triebe steckt.
  5. Im Spätsommer auf neue Ruten bei Himbeeren achten und diese ans Spalier binden.

So gewöhnst du die Pflanzen an ihren Standort und legst die Grundlage für viele Ernten.

Kurz zusammengefasst

Wurzelware wirkt im Winter unscheinbar, ist aber die einfachste Art, Himbeeren, Johannisbeeren und Obstbäume zu pflanzen. Wurzeln wässern, Pflanzloch großzügig graben, Tiefe passend zur Art wählen, Stütze setzen, einkürzen, angießen. Das war es im Kern.

Also: Pflanzen bestellen, Spaten schnappen und loslegen. Im Sommer danach stehst du mit der Schüssel im Beet und freust dich, dass du es einfach gemacht hast.

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Quellen & Referenzen

Diese Quellen belegen einzelne Aussagen des Artikels. Sie ersetzen keine fachliche Beratung.

  1. Behörde Gartenakademie Bayerische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau
  2. Behörde Himbeeren: Anbau und Pflege
  3. Behörde Himbeeren: Anbau und Pflege